Hendrik Streeck, der Direktor des Institut für Virologie an der Uniklinik in Bonn.
+
Hendrik Streeck, der Direktor des Institut für Virologie an der Uniklinik in Bonn.

„Es erschreckt mich“

Wegen Corona-Äußerungen: Virologe Streeck wird heftig angefeindet und reagiert entsetzt

  • Patrick Mayer
    VonPatrick Mayer
    schließen

Die Anfeindungen im Internet gegen Virologen in der Coronavirus-Pandemie in Deutschland werden offenbar immer heftiger. Der Bonner Wissenschaftler Hendrik Streeck wehrt sich bei Twitter.

  • Coronavirus-Pandemie in Deutschland: Wissenschaftler der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina fordern wegen Covid-19 zwischen dem 24. Dezember und dem 10. Januar einen harten Corona-Lockdown.
  • Hendrik Streeck fährt dagegen einen anderen Kurs: Der Bonner Virologe rät dazu, nicht ausschließlich alle Aufmerksamkeit der Coronavirus-Pandemie zu widmen.
  • Streeck berichtet nun von heftigen Anfeindungen auf Twitter gegen seine Person.

München - Panikmache. Das werfen manche Kritiker der Bundesregierung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), den Länderchefs rund um Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und der Wissenschaft in der Corona-Pandemie in Deutschland vor. Es geht aber auch in die andere Richtung.

So muss sich Hendrik Streeck offenbar vorwerfen lassen, die Corona-Pandemie zu verharmlosen und Tote in Kauf zu nehmen. Zur Einordnung: Während Kollegen eindringlich zu einem harten Lockdown auch über die Feiertage mahnen, rät Streeck zu einem liberalen Umgang mit der Pandemie.

Corona-Pandemie in Deutschland: Hendrik Streeck erzählte von Morddrohungen und Polizeischutz

„Die Energie der Gesundheitsämter sollte sich darauf richten, diejenigen zu schützen, denen ein schwerer Verlauf droht“, sagte der 43-Jährige zum Beispiel im November im Interview mit der Frankfurter Rundschau*: „Die AhA-L-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmasken, Lüften, d. Red.) sollten weiter von allen eingehalten werden und es ist auch wichtig, Cluster-Ausbrüche zu verhindern. Aber wir verfügen nur über begrenzte Ressourcen.“

Zur selben Zeit erzählte Streeck ntv von offenbar heftigen Aggressionen gegen seine Person: „Wir haben eben auch Polizei vor der Tür, weil ich Morddrohungen bekommen habe.“

Corona-Pandemie in Deutschland: Heftige Anfeindungen gegen Hendrik Streeck bei Twitter

Der Bonner Virologe hat sich jetzt entsetzt über persönliche Anfeindungen gegen ihn im Netz geäußert. Anlass war
ein Hashtag #SterbenmitStreeck bei Twitter.

„Wenn wissenschaftliche Debatte und Forschung dazu führen, dass mit # zu meinem Ableben oder sterben mit mir aufgerufen wird, ist das nicht nur sehr verletzend, es erschreckt mich gerade zu, wie groß der Hass und die Diffamierung im Netz geworden ist“, schrieb Streeck dazu auf dem Kurzbotschaftendienst.

Hendrik Streeck: Deutscher Viorologe wehrt sich gegen Corona-Anfeindungen bei Twitter

Der Virologe erfuhr bei Social Media prompt viel Unterstützung. Ein Twitter-Nutzer schrieb dazu:. „Wer den Hashtag benutzt, disqualifiziert sich meiner Meinung nach selbst für jede ernsthafte Diskussion.“

Eine andere Userin meinte: „Lassen Sie sich nicht entmutigen. Wir brauchen gerade in dieser Situation eine breite wissenschaftliche Debatte, solange sie seriös ist.“

Aber auch in den Kommentaren zum Tweet des Virologen fand sich teils wieder scharfe Kritik. (pm mit Material der dpa) *fr.de ist Teil des deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Auch interessant

Kommentare