Biontech-Gründer Özlem Türeci und Uğur Şahin - die beiden rechnen mit einer „Pandemie der Ungeimpften“ (Symbolbild)
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Die Biontech-Gründer Özlem Türeci und Uğur Şahin sind gegen eine Impfpflicht.

Corona in Deutschland

Corona-Warnung von Biontech-Gründern: „60 Tage Zeit, um einen harten Winter zu vermeiden“

  • Veronika Silberg
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Wie wird der nächste Corona-Winter aussehen? Die Biontech-Gründer Özlem Türeci und Ugur Şahin rechnen mit einer „Pandemie der Ungeimpften“.

Mainz/Hamburg – Nur noch „60 Tage Zeit“ bleiben unserer Gesellschaft laut den beiden Biontech-Gründern Özlem Türeci und Uğur Şahin, um einen harten Corona-Winter zu vermeiden. Die beiden Wissenschaftler rechnen mit weiteren Wellen, aber auch damit, dass Covid seinen Schrecken im Frühjahr verlieren wird. „Im Frühjahr werden ein Großteil der Menschen entweder geimpft sein oder eine Infektion gehabt haben“, prognostiziert Şahin in einem Interview mit dem Spiegel am Freitag.

Zwar werde das Coronavirus weiter Escape-Mechanismen entwickeln, aber „die Erkrankungen bei Geimpften und Genesenen werden dann nicht mehr schwer sein“, erklärte der Mediziner dem Magazin beim gemeinsamen Gespräch mit seiner Frau und Kollegin Özlem Türeci. Das Virus breite sich zudem fast nur noch unter Ungeimpften aus. „Wir werden es in den kommenden Monaten mit einer Pandemie der Ungeimpften zu tun haben.“

„60 Tage Zeit, um einen harten Winter zu vermeiden.“ Biontech-Gründer Ugur Sahin zu Corona

Şahin und Türeci lehnen eine generelle Impfpflicht dennoch ab. Fast 70 Prozent der Deutschen sind bereits gegen Covid-19 geimpft. Nun solle an Antworten und Ideen gearbeitet werden, auch den Rest der Bundesrepublik zu überzeugen.

Impfdurchbrüche erklärt das Team unter anderem mit einer langsam nachlassenden Impfstoffwirkung. Die Antikörper nehmen etwa sechs Monate nach einer Corona-Impfung ab. Hinzu kommt das spezielle Verhalten der Virus-Mutationen. Delta zeichne sich dadurch aus, dass schneller viele Viruspartikel produziert werden und dadurch ein höherer Antikörperspiegel benötigt wird als beim Wildtyp. „Durch diese Kombination sehen wir dort Impfdurchbrüche vor allem von bereits im Januar Geimpften“, erklärt Uğur Şahin.

Booster-Impfung gegen Impf-Durchbrüche: Wirksamkeit könnte bis zu 95 Prozent erreichen

Um solche Impfdurchbrüche zu vermeiden, halten Şahin und Türeci eine Drittimpfung, also eine sogenannte „Booster-Impfung“ für nötig. Im Spiegel-Interview erklärt Şahin, er rechne damit, dass in den nächsten Wochen viele Studiendaten kommen, die statistisch valide belegen, wie wichtig das Boostern ist. „Das israelische Gesundheitsministerium hat erste Daten veröffentlicht, die zeigen, dass nach einer dritten Biontech-Impfung der Schutz vor einer Infektion mit Delta bei über 95 Prozent liegt.“

Auch was neue Corona-Mutanten angeht, rät Türeci weiter wachsam zu bleiben: „Gefährlich wäre operative Hektik bei geistiger Windstille.“ (vs)

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