Neuer Impfstoff

Corona-Impfstoff bereits im Winter möglich? Experte macht Hoffnung

  • Anna-Katharina Ahnefeld
    vonAnna-Katharina Ahnefeld
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Zeiten von Corona: Selten hat die Welt so gebannt auf die Entwicklung eines Impfstoffs geschaut. Die Hoffnung ruht unter anderem auf dem Tübinger Unternehmen Curevac. Ein Infektiologe prescht mit einer Prognose vor.

  • Das deutsche Biopharmaunternehmen Curevac gibt sich zufrieden mit der ersten Testphase ihres Impfstoffkandidaten.
  • Ein Infektiologie macht Hoffnung auf einen baldigen Impfstoff gegen das Coronavirus*.
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Tübingen - Eine Nachricht, die kurz nach dem zweiten bundesweiten Lockdown in der Corona-Pandemie hoffnungsvoll klingt: Das Tübinger Biopharmaunternehmen Curevac ist zufrieden mit den ersten Tests ihres Corona-Impfstoffkandidaten. Weltweit und in Deutschland wird aktuell nach einem Impfstoff* gegen das neuartige Coronavirus geforscht. Die deutschen Pharmaunternehmen* Curevac und Biontech aus Mainz haben gute Chancen im Rennen um einen erfolgreichen Kandidaten.

Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur hat Curevac nach einer mehrmonatigen Testphase ihrem Impfstoffkandidaten eine gute Verträglichkeit bescheinigt. Vorstandsvorsitzender Franz-Werner Haas sagte am Montag in Tübingen, dass die Daten der Phase eins sehr ermutigend seien. „Sie stellen einen entscheidenden Meilenstein in unserem Covid-19-Impfstoffprogramm dar
und unterstützen nachdrücklich die Weiterentwicklung unseres Impfstoffkandidaten“, äußerte sich Haas weiter.

Corona-Impfstoff noch dieses Jahr: Infektiologe gibt sich optimistisch

NameCurevac, biopharmazeutisches Unternehmen
Gründung2000, Tübingen
ForschungArzneimittel auf Basis des Botenmoleküls messenger RNA
Aktuell Entwicklung eines Impfstoffes gegen Covid-19

Etwas forscher formulierte es der deutsche Infektiologe Peter Kremsner in einem Gespräch mit Focus Online. Er ist Direktor des Tropeninstituts Tübingen und testet als Studienleiter und Hauptprüfer seines Instituts den von Curevac entwickelten Impfstoff. „Die Chancen, dass wir noch im Winter einen Sars-CoV-2-Impfstoff bekommen, stehen gut“, sagte Kremsner. Und gibt sich damit angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen optimistisch.

250 Probanden haben in der ersten Testphase den Impfstoffkandidaten verabreicht bekommen. Es seien keine schwerwiegenden Nebenwirkungen beobachtet worden, so Kremsner gegenüber dpa. „Alle berichteten Ereignisse waren vorübergehend und klangen schnell ab, in der Regel innerhalb von 24 bis 48 Stunden“, erklärte Kremsner in Bezug auf Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Muskelschmerzen und leichtes Fieber.

Impfstoff gegen Corona: Tübinger Unternehmen Curevac bald in heißer Phase

Aktuell läuft mit 690 Teilnehmern in Peru und Panama die zweite Testphase. Im Anschluss beginnt die globale klinische Studie mit bis zu 30.000 Probanden. Und das noch in diesem Jahr, ist die Planung des Tübinger Unternehmens Curevac. CVnCoV, so der Name des potenziellen Impfstoffes, imitiert laut Curevac die natürliche Immunantwort auf die Infektion, die bei genesenen Covid-19-Patienten beobachtet wird. Die Studie des Unternehmens war im Juni angelaufen.

Wie lange der potenzielle Impfstoff vor einer Corona-Infektion schütze, sei noch nicht vorhersagbar. Das bekräftigten ebenfalls kürzlich zwei Forscher aus Hongkong. „Es kann gar nicht, drei Monate, 20 Jahre oder lebenslang schützen – das wissen wir schlicht bei noch keinem Impfstoff bisher“, sagte Kremsner. Doch auch bei diesem Punkt bleibt er optimistisch: „Corona-Viren mutieren weniger stark als Grippeviren, deshalb könnte es schon sein, dass ein Impfstoff nicht nur saisonal wirksam ist“, zitiert Focus Online den Infektiologen.

Corona: Biontech forscht ebenfalls an Impfstoff - Chef spricht von guten Fortschritten

Auch ein weiteres deutsches Unternehmen hat mit ihrem Impfstoff die Genehmigung für eine klinische Studie erhalten. Das Mainzer Unternehmen Biontech in Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischer Partner Pfitzer. Das Ehepaar Sahin, dass das Unternehmen leitet, spricht ebenfalls von ermutigenden Fortschritten. Ugur Sahin verkündete in einem Interview der Zeitungen VRM, dass das Unternehmen erste Testdaten aus der entscheidenden Studie zur Wirksamkeit ihres Impfstoffes erhalte. Bei einem positiven Resultat könnte bereits Mitte November bei der US-Gesundheitsbehörde FDA eingereicht werden. Biontech stehe auch in Verbindung mit der Europäischen Arzneimittelagentur.

Hoffnung auf Corona-Impfstoff: Biontech lagert potenziellen Kandidaten

„Wir haben schon angefangen, Impfstoff zu produzieren. Der lagert bei uns, ist in den Qualitätskontrollen und noch nicht freigegeben“, sagte Sahin weiter. Eine Freigabe erfolgt, wenn eine Genehmigung des Impfstoffes vorliegt. „Wir gehen
davon aus, dass eine Immunität bestehen wird, die aus meiner Sicht mindestens ein Jahr anhalten wird. Dann wäre eine jährliche
Nachimmunisierung erforderlich. Ich gehe davon aus, dass wir wahrscheinlich sogar länger warten können“, so Sahin zu der Wirksamkeit des potentiellen Impfschutzes. (aka) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Der Forschungs- und Entwicklungschef des Pharmaunternehmens Sanofi-Aventis, Jochen Maas, erklärte kürzlich, an welchen drei Typen des Corona-Impfstoffs gearbeitet wird. Er gab ebenfalls eine herbe Prognose zur Corona-Pandemie ab.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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