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Wie wird der Corona-Winter? Während Drosten mahnt, ist Streeck „nicht so pessimistisch wie der Kollege“

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Von: Tim Althoff

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Hendrik Streeck ist etwas optimistischer als Christian Drosten.
Hendrik Streeck ist etwas optimistischer als Christian Drosten. © Christoph Hardt / imago images

Corona-Experte Christian Drosten warnt vor der kommenden Corona-Welle in den kalten Monaten. Kollege Hendrik Streeck macht jedoch hinsichtlich der Impfquote Hoffnung.

Bonn - Geimpft, Genesen, Getestet. Die 3 G‘s sollen uns so gut es geht durch die kommenden kalten Monate bringen, jedoch sind sich alle Experten einig, dass es trotzdem zu einer erneuten Coronavirus-Welle kommen wird. Daran kann nur eine höhere Impfquote etwas ändern, die in Deutschland leider nicht mehr an Fahrt aufnehmen will. Diese müsse in den hohen 90er-Bereich, um ein hohes Infektionsgeschehen zu verhindern - aktuell stecken wir in den 60ern fest und die Anzahl an Erstimpfungen (68 Prozent) zeigt, dass sich das vorerst auch nicht ändern wird.

Nun ist also die Frage, wie wir uns am besten durch den Winter bewegen. Steigen die Maßnahmen mit den Zahlen? Müssen wir wieder vorsichtiger sein? Haben wir doch schon genug geimpft, um etwas beruhigter zu sein? Selbst die Experten sind sich nicht einig. Die beiden berühmtesten deutschen Corona-Forscher, Christian Drosten und Hendrik Streeck, sind sich mit ihren Meinungen während der Pandemie immer mal wieder in die Quere gekommen, so auch aktuell in der Frage um die vierte Welle.

Coronavirus: Hendrik Streeck sieht Impfquote positiver

Während Drosten fast schon traditionell den Mahn-Finger hebt, auf die „üble“ Zahl der Impfungen hinweist und bereits deutliche Anzeichen einer Herbst/Winter-Welle sieht, zeigt sich Kollege Streeck beruhigter. „Ich denke schon, dass wir in einer besseren Impfquote sind, als wir derzeit glauben. Ganz so pessimistisch wie Kollege Drosten sehe ich das nicht“, erklärt der Bonner Virologe gegenüber „ntv“. Die Impfquote bei über 18-Jährigen läge bei 75 Prozent, außerdem gebe es einen „relativ großen Anteil an Genesenen“.  „Und wenn man den Genesenen-Status anhand von Antikörpern zum Beispiel auch zulassen würde, und nicht nur einen alten PCR-Test, würden wir sehen, dass wir wahrscheinlich noch eine sehr viel höhere Schutzquote in dem Sinne haben“, führt Streeck aus.

Trotzdem ist auch er der Meinung, dass die Fallzahlen im Herbst und Winter wieder steigen werden, das läge an der natürlichen Saisonalität des Virus. So betrachtet er große Feiern im Innenbereich noch als zu risikoreich und spricht sich dafür aus, die Corona-Maßnahmen nicht vollständig aufzuheben, sondern langsam vorzugehen und die Maßnahmen schrittweise runterzufahren. Schließlich würden wir uns in der Übergangsphase von der Pandemie zu Endemie befinden. Das bedeutet, dass das Virus weltweit weiterhin zirkuliert und immer wieder für saisonale Ausbrüche sorgt, dem Großteil der Bevölkerung aufgrund von Impfungen und zunehmender Immunisierung aber nicht mehr so gefährlich werden kann.

Hendrik Streeck: Übergangsmethoden für die Übergangsphase

„Viele Menschen sind geschützt, entweder durch die Impfung oder Genesung und das Virus kann sich nicht mehr gut ausbreiten“, beobachtet Streeck. In einer solchen Übergangsphase müsse man entsprechend mit Übergangsmethoden reagieren und versuchen, Maßnahmen anzuziehen und zurückzunehmen, wenn es notwendig ist. Vor allem mit der 3G-Regel, die er weiterhin als notwendig betrachtet.

Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, wie sich das Infektionsgeschehen in Deutschland verhält. Es ist zu befürchten, dass das Virus die kälteren Temperaturen ausnutzt und diejenigen Menschen angreift, die sich nicht mit der Schutzimpfung dagegen wehren. Dann bleibt zu hoffen, dass sich die Krankenhausaufenthalte und Patienten auf der Intensivstation in Grenzen halten. Ansonsten droht uns ein weiterer langer Winter mit notwendigen Maßnahmen, die niemandem gefallen. (ta)

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