Fahrzeuge fahren auf dem zeremoniellen Boulevard Rajpath bei starkem Smog.
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Dänische Wissenschaftler erkennen Zusammenhang zwischen schweren Covid-19-Verläufen und Industriechemikalien. (Symbolbild)

Stoffe in Luft und Essen

Corona-Risiken durch Chemikalie? Studie sieht Männer, Westeuropäer und Alte in Gefahr

  • Luisa Billmayer
    vonLuisa Billmayer
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Erhöhen ungesunde Industriechemikalien das Risiko schwer an Covid-19 zu erkranken? Eine dänische Studie kam zu diesem Ergebnis.

Odense - Luftverschmutzung und einige Industriechemikalien könnten einen negativen Einfluss auf den Verlauf einer Corona-Infektion haben. Das wollen Forschende aus Dänemark herausgefunden haben.

Corona-Studie aus Dänemark: Luftverschmutzung könnte Covid19-Verlauf verschlimmern

„Schweregrad von Covid-19 bei erhöhter Belastung von perfluorierten Alkylverbindungen“ lautet der Titel des Aufsatzes aus dem Oktober 2020. Laut dem Umweltbundesamt sind perfluorierte Alkylverbindungen (PFAS) Kohlenstoffverbindungen, die nicht in der Natur vorkommen, sondern bei chemischen Prozessen entstehen. Weil sie Wasser, Schmutz und Fett abweisen, werden sie gern in der Textil- oder Papierproduktion eingesetzt. Dadurch gelangen die Stoffe in die Umwelt und werden über die Luft und über Lebensmittel vom Menschen aufgenommen.

Die Untersuchung von 323 Corona-Infektionsfällen hat nun gezeigt, dass eine erhöhte PFAS-Konzentration im Körper auch das Risiko erhöht, schwer an Covid-19 zu erkranken. Mehrere PFAS wurden dabei in Betracht gezogen. Im Besonderen gibt es einen Zusammenhang bei dem Stoff Perfluorbutansäure (PFBA). Die Säure zählt zu den beschriebenen Alkylverbindungen und lagert sich in der Lunge ab.

Gefahr durch PFAS: Chemische Industrieabfälle - Forschung erkennt Covid-19-Zusammenhang

Festgestellt wurde die Konzentration im Körper der Probanden durch Blutanalysen. Bei schweren Covid19-Verläufen wurde mehr als doppelt so viel PFBA festgestellt. Daraus schlossen die Wissenschaftler: Wer mehr der Chemikalie in sich trägt, könnte schwerer an Corona erkranken. Zudem sei die Konzentration von PFAS bei Männern, bei Menschen westeuropäischen Hintergrunds und mit steigendem Alter höher gewesen. Ein Zusammenhang mit chronischen Krankheiten wurden jedoch nicht festgestellt.

Auch das Umweltbundesamt hat in einer Publikation über PFAS den Zusammenhang mit Corona aufgegriffen: „In einigen von schweren Covid-19-Infektionen besonders betroffenen Gebieten gibt es hohe Feinstaub- und NO2-Belastungen. Luftschadstoffe können Erkrankungen der Atemwege (mit)verursachen, begünstigen und verschlimmern. Dies könnte dazu führen, dass Menschen in Gebieten mit hoher Luftschadstoffbelastung empfindlicher auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 reagieren oder die Krankheit schwerer verläuft.“

Weil PFAS auch in Deutschland ein Problem sind, könnte der Zusammenhang zwischen der Belastung und schweren Erkrankungen eine Rolle spielen. In der Studie seien aber generell relativ geringe Konzentration der chemischen Stoffe festgestellt worden, räumten die Forschenden ein. Um die Ergebnisse zu festigen, sollten Gruppen untersucht werden, die PFAS noch stärker ausgesetzt sind. (lb)

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