Kaum Schutzbekleidung

Viren-Forscher aus Wuhan hantierten wohl sorglos mit Fledermäusen: Videos aus China aufgetaucht

  • Christina Denk
    vonChristina Denk
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Immer wieder tauchen Fragen zur Herkunft des Coronavirus auf. Videos aus Wuhan zeigen die Viren-Forscher nun bei der Arbeit. Offenbar fehlen zahlreiche Schutzvorkehrungen.

Wuhan - Wie ist das Coronavirus entstanden? Eine Frage, die seit Beginn der Pandemie immer wieder im Raum steht. Nun sind Videos aus dem Institut für Virologie in Wuhan aufgetaucht. Sie entstanden zwei Jahre vor dem Ausbruch der Pandemie. Zu sehen sind die Forscher bei der Arbeit mit Fledermäusen. An den Sicherheitsmaßnahmen mangelt es offenbar deutlich.

Keine Masken, keine Schutzbekleidung und immer wieder fehlen auch Handschuhe. taiwannews berichtete im Januar als Erstes über die Aufnahmen. Es sind Videos, die im Dezember 2017 im chinesischen Staatsfernsehen ausgestrahlt wurden. Sie sollten die Arbeit von Laborchefin Shi Zhengli und ihrem Team von Wissenschaftlern demonstrieren. Die Mitarbeiter des Instituts forschen an der Herkunft der SARS-Viren.

Fehlende Schutzbekleidung bei SARS-Forschungen: Videos zeigen, was schief lief

Obwohl die Forscher in Wuhan in einem hochsicheren Labor für die Erforschung gefährlicher Viren, einem Biosafety Level-4 Labor, arbeiten, zeigen die Aufnahmen zahlreiche Versäumnisse. Immer wieder tragen die Forscher vor allem bei der Arbeit in der Natur kaum Schutzkleidung. Potentiell infektiöser Kot wird mit der bloßen Hand eingesammelt, beschreibt taiwannews die Aufnahmen.

Und während einige Wissenschaftler zum Einsammeln der Fledermäuse Ganzkörperanzüge tragen, behandeln ihre Kollegen die Tiere in Alltagskleidung. In einer Sequenz ist ein „Teammitglied in einem Camouflage T-Shirt und ohne persönliche Schutzausrüstung am Eingang einer Höhle in Yunnan zu sehen, in der viele Coronaviren entstehen“, so die Zeitung. Wichtig hier zu erwähnen: Neben den SARS-Viren gibt es auch weniger gefährliche Coronaviren, informiert unter anderem das Leibniz-Institut.

Doch wie viel die Schutzkleidung den Forschern bringt, sollten sie sie tragen, ist ebenfalls zweifelhaft. Ein Wissenschaftler beschreibt in den Aufnahmen, wie leicht die Bisse der Fledermäuse durch die Handschuhe zu spüren sind. Die New York Post zeigt in einem Video einige Ausschnitte der Szenen, die auch die Bisse präsentieren. (siehe Video)

Aufnahmen aus dem Wuhan-Labor: Laborchefin widerspricht - „Dieser Job ist nicht so gefährlich“

„Dieser Job ist nicht so gefährlich wie alle denken“, sagte die Laborleiterin Shi Zhengli allerdings in einem Artikel im chinesischen Fachblatt „China Science Exploration Center“. Obwohl die Fledermäuse viele Viren in sich tragen, wäre die „Wahrscheinlichkeit einen Menschen direkt zu infizieren sehr gering“, schrieb Shi Zhengli weiter. Der Text wurde später von der chinesischen Zensur gelöscht, so taiwannews.

Zudem gab Shi Zhengli an, dass ihre Mitarbeiter in Gebieten, in denen sie Fledermäuse mit auf Menschen übertragbaren Viren vermuteten, weitreichendere Sicherheitsmaßnahmen ergreifen würden. „In den meisten Fällen wird nur der gewöhnliche Schutz verwendet“, so die Laborchefin.

Die Herkunft von SARS-CoV-2 und das Institut in Wuhan waren in den letzten Wochen wieder vermehrt in den Fokus gerückt. Das Wall Street Journal berichtete zuletzt über drei erkrankte Mitarbeiter des Instituts für Virologie in Wuhan zu Beginn der Pandemie. Eine unveröffentlichte Studie, die der Daily Mail vorliegt, spricht sogar von aktiver Vertuschung. US-Präsident Biden gab einer neuen Geheimdienst-Untersuchung nun 90 Tage, um den Verdacht zu prüfen. (chd)

Rubriklistenbild: © Kyodo News/imago

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