RKI und Söder warnen eindringlich

„Wendepunkt“: Lauterbach kündigte Corona-Trendumkehr in Deutschland an - früher als gedacht?

  • Maximilian Kettenbach
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Die Corona-Zahlen in Deutschland stagnieren nach Wochen sinkender Infektionen mit dem Coronavirus. Die These von SPD-Mann Karl Lauterbach geht wohl auf - und wäre damit nicht an ihrem Ende angelangt.

München/Berlin - Es ist in der Coronavirus-Pandemie in Deutschland ein gerne bemühtes Ratespiel: Wie oft lag er richtig, der Chef-Mahner mit Blick auf Covid-19? Wann haben sich Vorhersagen von SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erfüllt? Oder auch mal nicht? Aktuell deutet sich an: Eine Theorie des Wissenschaftlers und Bundestagsabgeordneten wird wohl übererfüllt.

Und zwar die, dass die zuvor rückläufigen Infektionszahlen gegen Anfang März stagnieren und die Corona-Mutationen zu einer erneuten Trendumkehr des Infektionsgeschehens führen werden. Geäußert im exklusiven Interview mit Merkur.de. Seine Vorhersage könnte angesichts neuester Erhebungen nun sogar schon früher aufgehen als befürchtet.

Corona-Infektionen in Deutschland: Karl Lauterbach hatte stagnierende Covid-19-Zahlen angekündigt

„Wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, stehen wir mit Lockerungen ab Anfang März wieder vor steigenden Zahlen. Besonders die britische Variante ist bereits so stark verbreitet, dass es spätestens Anfang März bestenfalls zu einer Stagnation kommt, ehe die Fallzahlen dann wieder steigen würden“, hatte Lauterbach Anfang Februar gesagt.

Die Mutationen bauen sich ansonsten schonungslos zu einer dritten Welle auf.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zu Merkur.de

Der Blick auf die täglich aktualisierten Corona-Neuinfektionen (Quelle: Website der Bundesregierung) zeigt: Am Dienstag, 16. Februar, wurden nur noch 3856 neue Corona-Fälle binnen 24 Stunden registriert, einen Tag später waren es schon wieder 7556, und an diesem Donnerstag schließlich 10.207 binnen eines Tages.

Corona-Trendumkehr in Deutschland: „Wir stehen möglicherweise erneut an einem Wendepunkt“

Erst an diesem Freitag (19. Februar) waren die Neuinfektionen (9113) wieder leicht rückläufig. „Wir stehen möglicherweise erneut an einem Wendepunkt. Der rückläufige Trend der letzten Wochen setzt sich offenbar nicht mehr fort“, sagte Lothar Wieler, der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), zeitgleich bei einer Pressekonferenz in Berlin.

Binnen 24 StundenCorona-Neuinfektionen in Deutschland (registriert)
Sonntag, 14. Februar6114
Montag, 15. Februar4426
Dienstag, 16. Februar3856
Mittwoch, 17. Februar7556
Donnerstag, 18. Februar10.207
Freitag, 19. Februar9113

Quelle: bundesregierung.de, Stand 19. Februar, 15 Uhr

Ein Vergleich zwischen den Wochentagen hilft: Am Donnerstag, 18. Februar, waren es gerade mal 30 registrierte Neuinfektionen weniger als am Donnerstag, 11. Februar. In ganz Deutschland, wohlgemerkt. Zwischen dem Mittwoch, 10. Februar, und dem Mittwoch, 17. Februar, sowie den beiden aufeinanderfolgenden Freitagen (12. und 19. Februar) sank die Zahl jeweils nur um knapp 500 gemeldete Corona-Fälle. Dies legt eine Stagnation der einstmals rückläufigen Infektionen schon jetzt nahe.

Und Lauterbach? Der Lockerungsspielraum liege eigentlich bei null, meinte der 57-Jährige bereits vor knapp zwei Wochen im Gespräch mit Merkur.de: „Was ich mir einzig vorstellen könnte, wäre, bei wirklich guter Vorbereitung, Grundschulen und Kitas zu öffnen – wegen der schlimmen Folgeschäden für Kinder.“

Wie schwierig das unter Covid-19-Hygiene-Bedingungen ist, zeigen die kniffligen Corona-Regeln für Kitas in NRW, die ab dem 22. Februar nur teilweise und unter neuerlichen Beschränkungen öffnen.

Karl Lauterbach zu Corona-Pandemie in Deutschland: Coronavirus-Mutationen machen Sorgen

„Das ist das absolute Maximum an momentanen Lockerungen. Die Mutationen bauen sich ansonsten systematisch und schonungslos zu einer dritten Welle auf“, sagte Lauterbach Merkur.de weiter. Nach dem deutlichen Zahlenanstieg in Flensburg sagte Lauterbach in dieser Woche, dies sei ein erstes Beispiel, wie schnell es durch die Mutationen gehen könnte. Flensburg muss mittlerweile wieder zu drastischeren Maßnahmen zurückgreifen.

An diesem Freitag (19. Februar) äußerte sich etwa in Bayern Ministerpräsident Markus Söder (CSU) vielsagend. „Flensburg zeigt: Gestern alles okay, morgen Hotspot“, meinte der Unions-Politiker in München mit Blick zum Mutationsausbruch in Schleswig-Holstein an der Ostsee - und damit am anderen Ende Deutschlands.

Coronavirus-Pandemie in Deutschland: Markus Söder fordert Corona-Plan bis Ostern

Söder forderte einen „Plan, der bis Ostern Stabilität gibt, und dann in den Sommer hinein“. Es gebe bei Corona keine Punktlandung, sagte der bayerische Regierungschef weiter, „wenn der Sprungpunkt verpasst wird, dauert es unendlich lange, das wieder zu korrigieren.“ Lauterbach weiß das längst. (pm)

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