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„Keinen Spielraum für Lockerungen“

Was ist die zweite Corona-Welle?

  • Patrick Mayer
    vonPatrick Mayer
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Politiker in Deutschland warnen vor der zweiten Welle in der Coronavirus-Pandemie. Doch, für was steht diese zweite-Corona-Welle? Und wie wird sie nach Meinung von Virologen verlaufen? Ein Überblick.

München - Ansteckung, Symptome, Vorerkrankung, Sterberate - unser Wissen über Corona fügt sich in der Coronavirus-Pandemie zusammen wie ein Puzzle. Das gilt bei Corona zum Beispiel für die Immunität oder die Dunkelziffer an Covid-19-Infektionen in Deutschland. Und so verhält es sich jetzt auch mit der sogenannten zweiten Welle.

Zweite Welle der Coronavirus-Pandemie: Stürmisch oder wie eine Flut?

Die Fragen dahinter: Bricht sie stürmisch und unaufhaltsam über Deutschland herein, oder eher kontrolliert und über einen längeren Zeitraum hinweg als Dauerzustand?

Nach den gesammelten Erkenntnissen im Hochsommer, Stand Ende August, ist die zweite Variante für die zweite Corona-Welle wohl die wahrscheinlichere. Anpassungen nicht ausgeschlossen. Wie bei so Vielem in der Coronavirus-Pandemie, die eindeutig verbindliche Antworten oft nicht zulässt.

Coronavirus-Pandemie: „Zweite Welle“ in Deutschland „zeichnet sich ab“

„Die zweite Welle zeichnet sich deutlich ab, da wir nun über mehrere Wochen einen Anstieg der aktiven Infektionszahlen feststellen“, sagte der Leipziger Epidemiologe Markus Scholz der Deutschen Presse-Agentur (Veröffentlichung am 21. August): „Ich sehe daher aktuell keinerlei Spielraum für weitere Lockerungen – auch und gerade nicht für Großveranstaltungen. Die Menschen gehen umher, holen sich Getränke, gehen auf die Toilette – da finden dann sehr viele Kontakte statt, die bei einer großen Personenanzahl kaum nachzuvollziehen sind.“

Der Ärzteverband Marburger Bund war sich dagegen schon in einer Beurteilung von Anfang August sicher: Die zweite Welle hatte Deutschland schon zu diesem Zeitpunkt erfasst.

Konkret: Von einer „zweiten, flachen Anstiegswelle“ erzählte die Vorsitzende des Ärzteverbandes, Susanne Johna, damals im Gespräch mit der Augsburger Allgemeinen. Eine wichtige Zusatz-Information: Die zweite Welle sei in der Coronavirus-Pandemie nicht vergleichbar mit den Zahlen von März und April als die Werte an Neuinfektionen mit dem Erreger SARS-CoV-2 in die Höhe schossen.

Ärzteverband: Zweite Welle der Coronavirus-Pandemie so lange es keine Corona-Medikamente gibt

Johna lieferte seinerzeit auch einen Hinweis darauf, wie lange die zweite Welle in der Corona-Krise ihrer Meinung nach anhalten werde. Und zwar, so lange es keine Medikamente zur Behandlung von Covid-19 gebe.

Bis dahin heiße es in der zweiten Phase der Coronavirus-Pandemie: Eindämmen. „Das geht nur über die AHA-Formel - Abstand, Hygiene, Alltagsmaske - und lokale Quarantäne“, erklärte sie weiter. Ihrer Meinung nach „rettet der Mundschutz Leben.“

Wie mit einer dauerhaften zweiten Corona-Welle medizinisch umgegangen wird, ist indes detailliert geregelt. Nach Angaben des Marburger Bundes wird in Stufe eins eine geringere Anzahl an Intensivbetten für potenzielle Covid-19-Patienten freigehalten. Sind diese belegt, tritt 24 Stunden später Stufe zwei in Kraft und die Kapazitäten in den Intensivstationen werden erweitert.

Deutschland ist in der Corona-Krise auf die zweite Welle der Coronavirus-Pandemie vorbereitet

„So geht das Schritt für Schritt weiter, bis man dann in der höchsten Alarm- und Ausbaustufe alle für Covid-19-Patienten verfügbaren Intensivkapazitäten ausschöpft“, erzählte Johna. Doch, wie lässt sich die recht kryptische zweite Welle definieren, fassen und benennen?

Vereinfacht: Gehen die Corona-Infektionszahlen wieder nach oben, wie bei einer Kurve, wird es problematisch. Heißt: Wenn die Reproduktionszahl R steigt, ist dies ein Indiz für eine zweite Infektionswelle. Zur Einordnung: Die Reproduktionszahl R gibt an, wie viele Menschen von einer mit einem Virus infizierten Person im Schnitt angesteckt werden. Damit lässt sich die Wahrscheinlichkeit von Neuinfektionen besser vorhersagen. Liegt der Wert R um 1 herum, bleibt das Infektionsgeschehen gleich.

Eine klar definierte Grenze, für Jedermann verständlich, ab wann allgemein gültig von einer zweite Welle gesprochen wird, gibt es dagegen nicht.

Virologen über Coronavirus: Zweite Welle oder Dauerwelle in Deutschland?

Deutschlands Virologen, seit Monaten im Fokus der Öffentlichkeit, debattieren derweil eifrig über die Begrifflichkeit. Der Bonner Virologe Hendrik Streeck, Verfasser der Heinsberg-Studie, vermeidet zum Beispiel die Bezeichnung „zweite Welle“.

Er sprach im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von einer „Dauerwelle, die immer wieder hoch- und runtergeht“. Diese Einschätzung teilt der Vorstandsvorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery. Auch der 68-Jährige redete mit Blick auf das heimtückische Coronavirus von einer dauerhaften Infektionswelle.

Dass die zweite Phase der Pandemie sehr lange dauern wird, darin sind sich letztlich alle Experten einig. (pm)

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