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Die verschiedenen Phasen der Bergung des Kreuzfahrtriesen in einer Collage.

Meisterstück der Ingenieurskunst 

"Costa"-Bergung war "wie Achterbahnfahrt"

Giglio - Nach einer 20-stündigen Zitterpartie steht die havarierte 114.500 Tonnen schwere "Costa Concordia" wieder aufrecht. Im Hafen von Giglio gab es Beifall für die Leistung des Bergungsteams.

"Es war ein wenig wie Achterbahn-Fahren", beschreibt der südafrikanische Einsatzleiter Nick Sloane das Meisterstück seines Bergungsteam. Mehr als 20 Monaten lag das Kreuzfahrtschiff vor der Toskanainsel im Mittelmeer. Die vom täglichen Anblick entnervten Anwohner hatten der Bergung ebenso lang entgegengefiebert. Mit 36 schweren Stahlseilen wurde der einst so prachtvolle Koloss nun langsam aufgerichtet. Das gewaltigste Schiffsrettungsprojekt aller Zeiten hat seine größte Hürde genommen.

Zeugnis dessen ist die rostbraune Narbe, die sich quer über den Stahlkorpus des einst so prachtvollen schwimmenden Palasts zieht: Hier die weitgehend unversehrte Backbordseite, dort die schwer beschädigte Steuerbordflanke mit hunderten zerquetschten Balkonen. Steuerbords fraß das Salzwasser über Monate hinweg den Lack ab.

"Es wieder auferstehen zu sehen, ist ziemlich emotional für mich", sagt Luciano Castro, ein Überlebender des Schiffsunglücks, der eigens zur Bergung des Wracks angereist war. Der Anblick sei gespenstisch, bestätigen andere Überlebende, fast wie in jener Nacht des 13. Januar 2012, als der Koloss mit 4229 Menschen an Bord kenterte und 32 Menschen, darunter zwölf Deutsche, in den Tod riss. "Dieses Schiff hätte mein Ende sein können", sagt Castro. "Stattdessen stehe ich hier und kann meine Geschichte erzählen."

Bilder von der Bergung der "Costa Concordia"

Bilder von der Bergung der "Costa Concordia"

Geleitet wurde das heikle Bergungsmanöver von einer schwimmenden Kommandobrücke aus. "Wie in einem Orchester und extrem konzentriert" sei es dort zugegangen, berichtete ein Besucher später. Eine Frau und zehn Männer aus Großbritannien, Deutschland, Belgien und Italien waren dort im Einsatz, Sloanes engster Beraterzirkel aus Ingenieuren, Computerexperten und einem Architekten.

"Das ganze Team ist stolz auf diesen Erfolg", seufzte der von tiefen Augenringen gezeichnete Südafrikaner dann am Morgen und gab seiner Frau vor den Kameras der 400 akkreditierten Journalisten aus aller Welt einen Kuss der Erleichterung. Rund 600 Millionen Euro sind bis jetzt in das beispiellose Bergungsunternehmen geflossen, Versicherungsexperten gehen von einer Gesamtrechnung von bis zu 1,1 Milliarden Euro aus.

Inzwischen ruht der Schiffsrumpf auf einer gigantischen Stahlplattform unter Wasser. Er soll nun teilweise repariert und mithilfe mehrerer Stahlcontainer als Auftriebskörper zum Abschleppen im Frühjahr vorbereitet werden. Danach wird das Wrack verschrottet. Doch bevor es dazu kommt, müssen nach einigen Sicherheitschecks noch die Schiffsflure durchkämmt werden, in denen die Leichen von zwei vermissten Passagieren vermutet werden.

Luxusliner läuft auf Grund - Tote und Verletzte

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Viele der 14 Schiffsdecks liegen indes weiter unterhalb der Wasserlinie. Die "Costa Concordia" ist so hoch wie ein elfstöckiges Haus, 290 Meter lang und zweieinhalb Mal so schwer wie die "Titanic". Ob die Suche überhaupt zu einem Ergebnis führt, ist also offen.

afp

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