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Kapitän Schettino steht vor Gericht.

Schwere Vorwürfe gegen Kapitän

"Costa Concordia": Alarm kam viel zu spät

Grosseto - Die Besatzung der havarierten „Costa Concordia“ hat einer Zeugenaussage zufolge die Havarie zunächst verschwiegen und dadurch eine schnellere Rettung der Passagiere verhindert.

„Während sie uns vom Schiff aus beruhigt haben, hat die Polizei vom Anruf einer Verwandten eines Passagiers berichtet“, sagte Fregattenkapitän Gregorio de Falco von der Hafenkommandatur Livorno am Montag im Prozess gegen Unglückskapitän Francesco Schettino in Grosseto. „Erst danach wussten wir, dass die Situation schlimmer ist, aber niemand von der Concordia hatte bis dahin um Hilfe gebeten.“

Das Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“ war im Januar 2012 vor der italienischen Mittelmeer-Insel Giglio auf einen Felsen gefahren und havariert, 32 der mehr als 4200 Menschen an Bord starben. Schettino muss sich seit Juli unter anderem wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung und Körperverletzung vor Gericht verantworten. Ihm wird auch vorgeworfen, die Evakuierung verzögert und das Schiff verlassen zu haben, als noch Passagiere an Bord waren.

Als Schettino von Bord ging, waren nach Angaben de Falcos noch mehrere hundert Menschen auf dem havarierten Kreuzfahrtgiganten. In einem Telefongespräch aus der Unglücksnacht zwischen de Falco und Schettino, das am Montag im Gericht vorgespielt wurde, antwortete der Kapitän auf die Frage nach den Menschen an Bord des Schiffes: „Ich weiß es nicht, ich bin in einem Rettungsboot, ich glaube maximal etwa zehn Personen sind noch auf der anderen Seite.“

Bilder von der Bergung der "Costa Concordia"

Bilder von der Bergung der "Costa Concordia"

De Falco hatte nach der Havarie Bekanntheit erlangt und war in Italien zum Helden geworden, weil er Schettino mit deutlichen Worten aufgefordert hatte, auf das Schiff zurückzukehren. „Gehen Sie zurück an Bord, verdammt!“, sagte er in der Aufnahme, die am Montag vor Gericht vorgespielt wurde. De Falco sagte vor Gericht: „Ich frage mich heute noch, warum Schettino von Bord gegangen ist.“

Nach Angaben des Hafenkommandanten hat die Crew der „Costa Concordia“ erst nach mehreren Telefonaten von dem Leck im Rumpf des Schiffs berichtet und das Ausmaß des Unglücks zugegeben, so dass Hubschrauber und andere Boote zur Hilfe geschickt werden konnten. Im ersten Kontakt um kurz nach 22 Uhr in der Unglücksnacht sei zunächst nur von einem Stromausfall die Rede gewesen, sagte de Falco.

dpa

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