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Forscher sieht „nächste Phase der Pandemie“ vor der Tür: „Covid-22 könnte noch schlimmer werden“

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Von: Marcus Giebel

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Eine OP-Maske liegt in einer Fußgängerzone auf Kopfsteinpflaster
Zwei Markenzeichen der Corona-Pandemie: Neben verwaisten Straßen sind auch die Masken allgegenwärtig. © Nadine Weigel/dpa

Alle sehnen das Ende der Corona-Pandemie herbei. Dabei folgt das Schlimmste womöglich noch: Ein Forscher gibt einen Ausblick auf die nächste Phase und Covid-22.

München - Klingt es nicht wie ein Traum? Nach einem großen Stück der Normalität aus der Zeit vor Sars-CoV-2? Am Premierentag des neue TV-Senders der Bild ließ sich Armin Laschet auf Nachfrage zum Versprechen hinreißen, unter ihm als Kanzler werde es keinen weiteren Lockdown geben.

Womöglich hat sich der Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens da absichtlich etwas weit aus dem Fenster gelehnt. Schließlich ist Wahlkampf und der Kanzlerkandidat von CDU und CSU seit seinem gemeinsamen Auftritt mit Angela Merkel und Markus Söder vor Parteifreunden am Wochenende zum Kampf um Stimmen motiviert. Im Wahlkampf-Modus wird so einiges positiver gezeichnet, da muss ein Teil der Wahrheit schonmal etwas zurückstehen.

Forscher warnt vor Covid-22: Keine wirkliche Gewissheit über die weitere Entwicklung der Pandemie

Denn natürlich ist es auch im zweiten Corona-Sommer so, dass niemand seriös die nahe und ferne Zukunft vorhersagen kann, welche Kapriolen die Pandemie noch beschert. Es gibt schlicht keine Gewissheit über die weitere Entwicklung.

Sai Reddy etwa malt im Interview mit der Schweizer Boulevardzeitung Blick eher ein düsteres Bild. Der Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich erwartet in Herbst und Winter „sechs sehr harte Monate. Der Sommer 2021 fühlte sich an wie derjenige von 2019. Aber der kommende Herbst und Winter werden so sein wie im letzten Jahr.“ Als Gründe führt er die sehr ansteckende Delta-Variante sowie die zu geringe Impfrate an.

Forscher warnt vor Covid-22: „Jeder Ungeimpfte kann durch Delta zum Superspreader werden“

Nun bezieht sich der Immunologe zwar auf Schweizer Daten und in unserem Nachbarland sowie Liechtenstein - die Daten werden zusammengefasst - sind erst knapp 51 Prozent der Bevölkerung offiziell immunisiert. Für Deutschland wird dieser Wert mittlerweile mit 59 Prozent angegeben. Aber auch das ist laut Experten viel zu gering, um der zuerst in Indien entdeckten Mutation Herr werden zu können.

Reddy betont: „Neuste Daten zeigen: Die Viruslast von Delta ist so groß, dass jeder Ungeimpfte, der sich mit der Variante ansteckt, ein Superspreader sein kann.“ Also im schlimmsten Fall Dutzende Mitmenschen infizieren.

Ein Mädchen sitzt an einem Tisch und füllt einen Zettel aus
Sollten noch nicht geimpft werden: Kinder unter zwölf Jahren könnten nun auch in den Fokus der Pandemie rücken. © Uwe Anspach/dpa

Forscher warnt vor Covid-22: „Bei neuer Variante können wir uns nicht mehr auf die Impfung verlassen“

Dabei nimmt er besonders die Jüngsten in den Blick, die ja noch gar nicht durch Vakzine geschützt werden sollten, weil die Datenlage zu gering ist. Reddy hofft auf eine „massive Kampagne“ zur Impfung von Kindern bis zwölf Jahren - wenn die wissenschaftlichen Erkenntnisse dafür sprechen.

Doch er weiß auch: Delta wird nicht das Ende der Fahnenstange sein, die nächste Impfspritze kommt bestimmt. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass eine neue Variante auftaucht, bei der wir uns nicht mehr nur auf die Impfung verlassen können“, verdeutlicht Reddy: „Deshalb müssen wir uns für die nächsten Jahre auf mehrere Impfungen einstellen, die laufend an neue Varianten angepasst werden.“

Forscher warnt vor Covid-22: „Beta und Gamma können Antikörpern teilweise ausweichen“

Aktuell sei die Lage unter den Corona-Mutationen so: Die Varianten aus Südafrika und Brasilien, die mittlerweile auf die Namen Beta und Gamma umgetauft wurden, hätten „Fluchtmutationen entwickelt: Sie können den Antikörpern teilweise ausweichen. Delta wiederum ist viel ansteckender, hat aber bis jetzt keine Fluchtmutationen gebildet.“

Was folgen werde, sei bereits abzusehen: „Es ist die nächste Phase der Pandemie, wenn Beta oder Gamma infektiöser werden oder aber Delta Fluchtmutationen entwickelt. Das wird das große Problem des kommenden Jahres sein.“ Eine neue Untervariante von Delta beunruhigt Experten* bereits.

Video: Immer mehr junge Menschen mit schweren Corona-Verläufen in Klinik

Forscher warnt vor Covid-22: „Könnte noch schlimmer werden als das, was wir jetzt erleben“

Reddy spricht längst nicht mehr von Covid-19, sondern von Covid-21. Wobei erklärt werden sollte: Covid ist lediglich die Abkürzung für „Corona-Virus Disease“ - auf Deutsch: Coronavirus-Krankheit. Als Anhängsel folgt das jeweilige Jahr, die ersten Krankheitsfälle waren bereits 2019 aufgetaucht. Der US-Amerikaner befürchtet: „Covid-22 könnte noch schlimmer werden als das, was wir jetzt erleben.“

Ob sich dann noch vollmundige Versprechen im Wahlkampf aufrecht erhalten lassen? Wohl eher nicht. Aus gutem Grund. Von daher sind Aussagen, die Lockdowns völlig ausschließen, leider nichts anderes als Wahlkampfgetöse.

Forscher warnt vor Covid-22: „Tanzen vielleicht für den Rest unseres Lebens mit dem Virus“

Aber zurück zu Reddys neuer Pandemie-Phase. „Wenn eine solche Variante auftaucht, müssen wir sie so früh wie möglich erkennen und die Impfstoffhersteller müssen die Vakzine rasch anpassen“, setzt der 40-Jährige seine Hoffnung weiter auf die Pharmakonzerne: „Das Auftauchen dieser neuen Variante ist das große Risiko. Wir müssen uns darauf vorbereiten.“

Und wie endet das alles dann einmal? Vielleicht nie, mutmaßt Reddy. „Das Virus und unser Immunsystem sind jetzt eng miteinander verbunden - wie zwei Tänzer: Das Immunsystem bewegt sich und das Virus reagiert“, veranschaulicht er den Wettstreit, der in unseren Körpern vonstatten geht: „Wir werden noch lange mit dem Virus tanzen. Wahrscheinlich über Jahre, vielleicht für den Rest unseres Lebens.“ (mg) *Merkur.de und 24vita.de sind ein Teil von IPPEN.MEDIA

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