Ein Schild in Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen wünscht „Guten Sommer und guten Abstand“.
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Ein Schild in Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen wünscht „Guten Sommer und guten Abstand“.

Nachbarland beendet Beschränkungen

Vorbild Dänemark: Aus für Corona-Maßnahmen? Vorher muss Deutschland in einem Punkt aufholen

  • VonSophie Marie Unger
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Dänemark setzte alle Corona-Beschränkungen außer Kraft. Deutschland wünscht sich auch die Normalität zurück, muss zuerst aber bei der Impfquote aufholen.

Deutschland - Zurzeit blicken viele Länder neidisch auf Dänemark. Dort sind am 10. September alle restlichen Corona-Beschränkungen aufgehoben worden. Der Grund: Das Coronavirus gilt nicht mehr als eine für die Gesellschaft kritische Krankheit. Das Land stützt sich dabei vor allem auf die hohe Impfquote. Zurzeit sind mehr als 83 Prozent der Bevölkerung von über 12 Jahren vollständig geimpft. Bei den Menschen über 60 Jahren sind es sogar mehr als 96 Prozent. Zur Feier des Tages fand in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen prompt ein Rockkonzert mit 50.000 Teilnehmer statt. Ist das in naher Zukunft auch in Deutschland denkbar?

Hospitalisierungen in Deutschland sinken: Experten sind trotzdem skeptisch

In Deutschland gestaltet sich die gesamte Situation etwas komplexer. Obwohl der Sieben-Tage-Wert bei der Hospitalisierung laut RKI auf 1,79 pro 100.000 Einwohner sank (Stand: Montag, 13. September), zeigen sich die Corona-Experten dieses Landes weiterhin von ihrer skeptischen Seite. Das große Sorgenkind ist die relativ niedrige Impfquote. Bisher sind erst 61 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung vollständig geimpft.

Die Impfsituation hat sich laut Charité-Virologe Christian Drosten über den Sommer zudem negativ entwickelt. Im August nahm die Impfquote überhaupt nur noch um rund zehn Prozentpunkte zu. Dies wiederum erhöht das Risiko einer vierten Welle im Winter enorm. Auch Kanzleramtsminister Helge Braun warnte am Sonntagabend in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“ hinsichtlich der rückläufigen Impfentwicklung vor der vierten Welle. „Wenn wir nichts tun, dann kommt sie ziemlich sicher“, sagte Braun. 

Impfkampagne wieder vorantreiben? Das sind Deutschlands aktuelle Maßnahmen

An genau jenem Punkt will die deutsche Bundesregierung ansetzen und startete am 13. September mit einer bundesweiten Impfwoche. Egal ob in Einkaufszentren, Bibliotheken oder Moscheen - jeder Bürger kann sich an zahlreichen Stellen ohne Termin und kostenfrei gegen Corona impfen lassen. Wer in diesem Zeitraum nicht kann, hat vermutlich Glück gehabt, denn die Aktionen sollen künftig ausgeweitet werden. „Das endet nicht mit der Impfwoche, das wird in den nächsten Wochen fortgesetzt“, so Kanzleramtsminister Helge Braun. Die eingeschlafene Impfquote soll dadurch wieder angekurbelt werden. Für den Virologen Martin Stürmer greifen die PR-ähnlichen Maßnahmen aber nicht weit genug.

Virologe Stürmer fordert Aufklärung

Es müsse spezifischere Aufklärungsarbeit betrieben und mehr Bewusstsein darüber geschaffen werden, dass die Pandemie doch noch nicht zur Gänze vorbei ist, so Stürmer im ARD-Morgenmagazin. Für den Herbst empfiehlt er, die Sieben-Tage-Inzidenz „wieder mit in die Parameter-Bestimmung mit reinzunehmen“. Auf die Frage, wann Deutschland - so wie Dänemark - zur Normalität zurückkehren kann, spricht sich Stürmer eindeutig für ein Anheben der Impfquote aus, ein Konzert mit 50.000 Teilnehmern hält er aber für absurd. Somit scheint Deutschland auf dem richtigen Weg, wie weit sich dieser jedoch noch hinzieht, ist ungewiss.

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