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Auch das Berliner Herzzentrum scheint von der Darmkeim-Infektionswelle betroffen zu sein.

Krise weitet sich aus

Berlin: Darmkeim-Fälle auch am Herzzentrum

Berlin - Der Darmkeim-Ausbruch bei Säuglingen sorgt für neue Aufregung. Eine Bezirksbehörde berichtet von einer Krisensituation und Infektionen auch am Herzzentrum. Derweil hat die Justiz Krankenakten gesichert.

Die Darmkeim-Infektionen bei Säuglingen in Berlin haben wahrscheinlich ein größeres Ausmaß als bislang angenommen. Auch am Deutschen Herzzentrum habe es mehrere Darmkeim-Fälle gegeben. Das berichtete das Bezirksamt Berlin-Mitte am Donnerstagabend und sprach in einer Mitteilung von einer sich „ausweitenden Krise“. Ein Krisenstab habe seine Arbeit aufgenommen. Am 5. Oktober war dort ein Säugling vermutlich an dem Keim gestorben, der zuvor in der Charité behandelt worden war.

Bislang war bekannt, dass zwei Stationen der Charité - in unmittelbarer Nachbarschaft des Herzzentrums - von dem Keimausbruch betroffen sind. Das Bezirksamt berichtete aber am Abend, es habe auch im Herzzentrum vier Darmkeim-Infektionen gegeben. Darunter sei der Fall des gestorbenen Babys, der bereits bekannt ist und untersucht wird. Bei einem weiteren Säugling sei der Darmkeim festgestellt worden, das Kind war aber ohne Krankheitssymptome.

Den Beginn des Darmkeim-Ausbruchs im Deutschen Herzzentrum nannte das Gesundheitsamt nicht. Auch die Staatsanwaltschaft machte bislang keine Angaben zu Fällen in dieser Einrichtung.

Bessere Aufklärung gefordert

Nach den Informationspannen der Berliner Charité zu den Darmkeim-Infektionen in den vergangenen Tagen soll jetzt das Krisenmanagement verbessert werden. Zugleich liefen die juristischen Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung an: die Staatsanwaltschaft ließ Krankenakten der Charité und des Deutschen Herzzentrums sicherstellen. Vor knapp drei Wochen war ein neugeborenes Baby vermutlich an den Darmkeimen gestorben. Von der Charité war es wegen eines Herzfehlers in das Herzentrum verlegt worden.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, die Beweismittel konzentrierten sich auf einen Zeitraum bis in den September hinein. Die Ursache für die Infektionen auf insgesamt zwei Säuglingsstationen der Charité war am Donnerstag nach wie vor nicht geklärt.

Unter der Leitung der Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sollen die Charité und das Herzzentrum jetzt für Aufklärung auch der Informationspannen sorgen. Berlins Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) kündigte am Donnerstag im Abgeordnetenhaus an, das Team werde sich an diesem Freitag treffen, um die Aufklärung und eine bessere Kommunikation zwischen den Institutionen voranzutreiben.

Wird das Frühchen exhumiert?

Czaja hatte zuvor Kommunikationspannen bei der Charité beklagt und eine bessere Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen gefordert. Es könne nicht sein, dass ein Neugeborenes im Herzzentrum operiert werde und sterbe, dort ein Totenschein ausgestellt werde und „die Charité das Herzzentrum keine einzige Minute darüber informiert, dass das Kind mit Serratien-Keimen besiedelt war“, kritisierte Czaja im rbb-Inforadio.

Geprüft werde auch weiter, ob das Baby, das bereits bestattet ist, für eine Obduktion exhumiert werden soll. Ein externer Gerichtsmediziner müsse beurteilen, ob dies noch sinnvoll sei, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft: „Das dauert.“. Erst am Mittwoch hatten die Ermittler offiziell erfahren, dass das Kind, das sie eigentlich obduzieren sollten, längst beigesetzt war.

Der Zustand der weiteren sechs erkrankten Kinder auf zwei Charité-Stationen für Früh- und kranke Neugeborene war unterdessen weiter stabil. „Wir haben keine Veränderungen zum Vortag, keine neuen Infizierten“, berichtete eine Sprecherin. Sieben weitere Kinder würden derzeit noch intensiv beobachtet, hieß es.

dpa

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