+
Dieter Degowski während der Geiselnahme von Gladbeck im Jahr 1988.

Haftlockerung für Geiselmörder

Degowski bereitet sich auf Freiheit vor

Düsseldorf/Werl - Nach mehr als 25 Jahren hinter Gittern wird Geiselmörder Dieter Degowski auf ein Leben in Freiheit vorbereitet. Er hat bereits mehrere Ausgänge absolviert. Ohne Beanstandungen.

Der Gladbecker Geiselgangster (58) habe nach begleiteten Ausführungen in Handschellen das Gefängnis inzwischen auch für bewachte Ausgänge ohne Fesseln verlassen dürfen, bestätigte ein Sprecher des NRW-Justizministeriums in Düsseldorf am Montag einen Bericht der „NRZ“. Degowski wisse, dass er sich nichts zuschulden kommen lassen dürfe und sich an die strengen Auflagen halten müsse, sagte der Justizsprecher: „Sonst ist das Thema für ihn erledigt.“

Das "Gladbecker Geiseldrama"

Degowski und sein Komplize Hans-Jürgen Rösner hatten 1988 drei Tage lang die Republik in Atem gehalten, als sie einen Linienbus mit 30 Geiseln in ihre Gewalt brachten und damit quer durch die Republik fuhren. Zwei Geiseln und ein Polizist kamen beim „Gladbecker Geiseldrama“ ums Leben. Beginn des Dramas war ein Banküberfall in Gladbeck im Ruhrgebiet gewesen.

In einem in Bremen entführten Linienbus erschoss Degowski den 15 Jahre alten Emanuele De Giorgi, der sich schützend vor seine kleine Schwester gestellt hatte. Eine zweite Geisel, die 18-jährige Silke Bischoff, starb später durch eine Kugel aus Rösners Waffe. Außerdem starb ein Polizist bei einem Unfall während der Verfolgung der Geiselnehmer.

Degowski sitzt seit fast 26 Jahren hinter Gittern. Mit einer Haftentlassung sei nicht vor 2016 zu rechnen, sagte der Ministeriumssprecher. Degowski und Rösner waren jeweils wegen Mordes zu lebenslanger Haft mit besonderer Schwere der Schuld verurteilt worden.

Komplize Rösner bleibt "unkooperativ"

Die Vollzugslockerungen seien, abgesehen von der Bekanntheit des Täters, ein „normaler Vorgang“, sagte der Sprecher. Etwa 40 bis 50 „Lebenslängliche“ und fünf bis sechs Gefangene, die zusätzlich wegen besonders schwerer Schuld verurteilt wurden, durchliefen ständig diese mehrjährige Prozedur der kleinen Schritte. Bei einer Verurteilung eines Mörders zu lebenslanger Haft liegt die durchschnittliche tatsächliche Haftdauer bei 18 Jahren.

Degowskis Komplize Hans-Jürgen Rösner kommt dagegen nicht in den Genuss von Vollzugslockerungen. Er wird als unkooperativ eingestuft. Außerdem war in seiner Zelle Heroin gefunden worden.

Mit den Haftlockerungen für Degowski kommt der Vollzug einem Beschluss des Arnsberger Landgerichts vom vergangenen Jahr nach, das eine unvorbereitete Haftentlassung abgelehnt hatte. Der Werler Gefängnisdirektor Michael Skirl hatte Degowski als „typischen Mitläufer“ bezeichnet. Im Gefängnis hatte der eine Ausbildung zum Koch abgeschlossen.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Jugendlicher eröffnet Feuer in mexikanischer Schule
Monterrey - In einer Schule im Norden von Mexiko hat ein 15-jähriger Schüler das Feuer eröffnet. Die genaueren Beweggründe des Täters sind noch nicht bekannt.
Jugendlicher eröffnet Feuer in mexikanischer Schule
Mord in Krefeld - Zehn Verdächtige festgenommen
Krefeld - Drei Monate nach dem Mord an einem Rentner in Krefeld hat die Polizei zehn Verdächtige festgenommen.
Mord in Krefeld - Zehn Verdächtige festgenommen
Erntehelfer schuftet sich zu Tode - Landwirt angeklagt
Freiburg - Beim Stapeln schwerer Heuballen im Hochsommer klagte er über gesundheitliche Probleme, doch der Landwirt gönnte dem rumänischen Erntehelfer keine Pause. Jetzt …
Erntehelfer schuftet sich zu Tode - Landwirt angeklagt
Studie: Wer viel flucht, ist ehrlicher
München - Während des US-Wahlkampfes ließ Donald Trump gerne mal den einen oder anderen unfeinen Ausdruck fallen. Das könnte ein Grund für seinen Sieg gewesen sein. …
Studie: Wer viel flucht, ist ehrlicher

Kommentare