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Das Delfinsterben an der Ostküste der USA bereitet den Meeresbiologen Sorgen.

Virus als Ursache vermutet

Rätsel um Delfinsterben in den USA

New York - Ein mysteriöses Delfinsterben beunruhigt die USA - zu Hunderten werden tote Tiere an die Strände gespült. Steckt ein gefährliches Virus dahinter?

Sie sehen aus, als würden sie lachen, aber das ist nur die Physiognomie. Delfine sind die munteren, intelligenten Tiere, die wohl jeder mag. Doch in den USA macht „Flipper“ gerade ganz andere Schlagzeilen. Zu Hunderten werden tote Tiere an die Strände zwischen New York und Florida gespült. Und keiner weiß genau, was den klugen Säugetieren den Garaus macht.

Von einem „alarmierenden Anstieg“ der Fälle spricht die für den Schutz der Ozeane zuständige Umweltbehörde NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration). Schon vor drei Wochen haben die Experten das Phänomen offiziell zur „Ungewöhnlichen Todeshäufung“ erklärt. In diesem Sommer wurden bis zum Dienstag 404 Delfine angeschwemmt, sagt eine NOAA-Sprecherin. Der Durchschnitt liegt bei 26.

Viele der Tiere haben Lungenschäden

An den Küsten der Mittelatlantik-Staaten der USA sind Experten und Freiwillige unterwegs, um die Kadaver einzusammeln. „Sie arbeiten rund um die Uhr, um schnell zu toten oder lebenden Tieren zu kommen, damit wir die Sterblichkeit erfassen können“, sagt Teri Rowles, die bei der NOAA eine Expertengruppe zur Gesundheit von Meeressäugern leitet. Was sie vorfinden: Delfine aller Altersklassen und beiderlei Geschlechts, an den Strand gespült, manchmal noch lebend, zumeist längst tot und oft schon stark verwest. Die angespülten Tiere sind deutlich abgemagert, viele haben Lungenschäden.

Betroffen ist vor allem der Große Tümmler. Das sind genau die Tiere, die die meisten Menschen mit dem Begriff „Delfin“ in Verbindung bringen. Sie machen in Freizeitparks Kunststücke und winken in Delfinarien scheinbar fröhlich den Besuchern zu. Und es ist „Flipper“: Der „kluge Delfin“, der Fernsehgeschichte schrieb und auch in mehreren Kinofilmen auftrat - alles Große Tümmler.

Meeresbiologen vermuten einen Virus

Es ist das größte Delfinsterben seit einem viertel Jahrhundert in den USA. Damals, 1987/88, waren zwischen New Jersey und Florida etwa 750 Tiere verendet. Letztlich wurde ein Virus gefunden. Und diesmal?

„Der Hauptgrund für die Todesfälle könnte ein Virus sein“, heißt es auch diesmal von der NOAA. In 32 Kadavern aus allen betroffenen Staaten seien das Cetacean morbillivirus oder zumindest Hinweise darauf gefunden worden. Ein ganz ähnlicher Erreger kann bei Hunden eine gefürchtete Krankheit auslösen, die Staupe. Und auch das Masernvirus ist mit ihm eng verwandt.

Für die Meeresbiologen ist das Virus zumindest der Hauptverdächtige. Doch sie haben auch noch Brucella in einigen Tieren gefunden. Wegen dieses weitverbreiteten Bakteriums wird Milch pasteurisiert. Hier macht Brucella offenbar, zumindest in einigen Fällen, mit dem Virus gemeinsame Sache - und hat möglicherweise zu Entzündungen von Lungen, Gehirnen, Haut und Knochen geführt.

Das Delfinsterben ist nicht vorbei

Zumindest zwei gute Nachrichten gibt es: Menschen können sich kaum anstecken, Badende müssen keine Sorge haben. Dennoch sollten tote oder auch sterbende Tiere keinesfalls berührt werden - ein Laborant hatte sich bei der Arbeit mit Brucella infiziert.

Die zweite gute Nachricht: Die Art ist nicht gefährdet, noch leben Zehntausende Delfine vor der Ostküste. Allerdings hatte die Epidemie von 1987/88 dem Bestand arg zugesetzt. „Die Hälfte der Population war betroffen. Wir machen uns auch diesmal große Sorgen“, sagt Biologin Rowles. Denn für dieses Mal gilt: Es ist noch nicht vorbei.

dpa

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