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Anteil der Delta-Variante erneut nahezu verdoppelt: „Könnte sein, dass das jetzt ein Kipppunkt ist“

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Von: Patrick Huljina

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Der Anteil der Delta-Variante an den Corona-Neuinfektionen in Deutschland hat sich erneut nahezu verdoppelt. Das geht aus dem neuen RKI-Virusvariantenbericht hervor.

Berlin - Die Corona-Lage in Deutschland scheint sich weiter zu entspannen. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist rückläufig, liegt laut Robert-Koch-Institut (RKI) am Donnerstag (24. Juni) bei 6,6. Doch der Anteil der als besorgniserregend eingestuften Delta-Variante des Coronavirus* steigt. Laut dem neuen RKI-Virusvariantenbericht vom Mittwochabend (23. Juni) hat er sich erneut nahezu verdoppelt.

RKI: Anteil der Delta-Variante in Deutschland nahezu verdoppelt - drei Wochen in Folge

In der Woche vom 7. bis 13. Juni machte die Delta-Variante* in einer Stichprobe einen Anteil von 15,1 Prozent der Corona-Neuinfektionen in Deutschland aus. Die Werte für die Woche zuvor wurden wegen Nachmeldungen rückwirkend von etwa sechs auf acht Prozent korrigiert. In den Daten ist damit nun in der dritten Woche in Folge eine ungefähre Verdopplung des Delta-Anteils abzulesen: von vier auf acht auf 15 Prozent. Dieses Tempo hatten einige Experten befürchtet.

Laut RKI* ist die Delta-Variante in den vergangenen vier Wochen in jedem Bundesland nachgewiesen worden. Die meisten Ansteckungen haben demnach in privaten Haushalten stattgefunden. Zudem habe es größere Ausbrüche mit mehr als fünf Personen am Arbeitsplatz und in Schulen mit bis zu 24 Menschen gegeben. Etwa neun von zehn Infizierten mit der Delta-Variante sind laut RKI jünger als 60 Jahre.

Ausbreitung der Delta-Variante in Deutschland: „Könnte sein, dass das jetzt ein Kipppunkt ist“

„Diese starke Zunahme der Anteile geht mit einer leichten Zunahme der Delta-Fallzahlen im Vergleich zur Vorwoche bei weiterhin abnehmender Inzidenz einher“, schreibt das RKI im Virusvariantenbericht. Die aktuelle Verbreitung der Corona-Varianten* in Deutschland zeige, dass damit zu rechnen sei, dass Delta sich gegenüber den anderen Varianten durchsetzen werde. Noch dominiert die in Großbritannien entdeckte Variante Alpha (B.1.1.7)* das Infektionsgeschehen in Deutschland. Der Anteil an positiven Fällen in der Stichprobe ist jedoch nach Wochen mit Werten von um die 90 Prozent auf 74 Prozent geschrumpft.

Eine Fotomontage zeigt einen nach oben zeigenden Pfeil, die Deutschland-Karte und ein Schild mit der Aufschrift „Delta B.1.617.2“.
Der Anteil der Delta-Variante an den Corona-Infektionen in Deutschland ist erneut angestiegen. (Fotomontage) © Christian Ohde/imago-images

„Noch sind wir in der Waage. Aber es könnte sein, dass das jetzt ein Kipppunkt ist“, erklärte der Dortmunder Immunologe Carsten Watzl der dpa. Er sieht noch keinen Grund für Panik, ruf aber zur Wachsamkeit auf. Bei weiteren Lockerungen oder vielen Einschleppungen aus dem Ausland könnte sich die Corona-Lage* laut dem Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie wieder verschlechtern. „Das Gute ist: Wir haben einen Puffer, wir sind bei einer sehr niedrigen Sieben-Tage-Inzidenz.“

Ausbreitung der Delta-Variante in Deutschland: Experten fordern zur Impfung auf

In Großbritannien ist die Delta-Variante inzwischen für fast 90 Prozent aller Corona-Neuinfektionen* verantwortlich. Die Zahlen steigen aktuell wieder deutlich an, geplante Lockerungen mussten verschoben werden*. Dabei ist die Impfkampagne dort bereits weit fortgeschritten: 82,5 Prozent der Bevölkerung haben mindestens eine Erstimpfung, rund 60 Prozent der Menschen sind vollständig geimpft.

„Selbst bei dieser hohen Impfquote noch ein solcher Inzidenzanstieg. Sicherlich mit verringerter Krankheitsschwere, aber Ungeimpften hilft das wenig“, schrieb Christian Drosten auf Twitter. In der neuen Folge des NDR-Podcasts „Coronavirus-Update“ erklärte der Charité-Virologe, dass Deutschland im Vergleich zu Großbritannien in einer besseren Ausgangslage sei*. „Man hatte nicht so weit runtergebremst, wie wir das jetzt in Deutschland schon gemacht haben“, erklärte Drosten. „Wir müssen einfach schnell impfen“, lautete sein Appell um eine rasante Ausbreitung der Delta-Variante zu verhindern.

„Gebt uns genügend Impfstoffe! Wir dürfen beim Durchimpfen nicht nachlassen“, forderte auch Ulrich Weigeldt, der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Je mehr Menschen geschützt sind, desto geringer sind auch die Chancen für die Delta-Variante“, erklärte er weiter. (ph/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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