Demo vor Bundeswehr-Lager: Viele Tote

Kabul/Berlin - Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei vor einem Bundeswehrstützpunkt in Nordafghanistan sind nach amtlichen Angaben zwölf Menschen getötet worden.

Vier davon starben vermutlich unmittelbar vor der Niederlassung des Regionalen Beratungsteams (PAT) der Bundeswehr in der Provinzhauptstadt Talokan, wie das Verteidigungsministerium am Mittwoch mitteilte. Zwei deutsche Soldaten und vier afghanische Wachleute wurden verletzt, als aus der Menge Handgranaten und Brandsätze in das Lager geworfen wurden.

Die Demonstranten waren mit den Leichen von vier bei einem nächtlichen NATO-Einsatz getöteten Personen - zwei Männer und zwei Frauen - in die Hauptstadt der Provinz Tachar gezogen. Sie warfen der afghanischen Regierung und der NATO vor, Zivilpersonen getötet zu haben. Die NATO erklärte dagegen, es handele sich um Aufständische. Auch die Frauen seien bewaffnet gewesen und hätten versucht, auf die Einsatzkräfte zu schießen. Zunächst versuchte die afghanische Polizei nach amtlicher Darstellung, die Demonstration mit Warnschüssen aufzulösen.

Die Demonstranten zogen in die Innenstadt, kamen dann aber wieder zurück. “Im Rahmen der Eskalation wurden dann auch Schusswaffen eingesetzt“, erklärte der Sprecher des Verteidigungsministerium, Christian Dienst. Von wem, war zunächst unklar. Vermutlich wurden vier Demonstranten getötet und zehn verletzt. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) ließ sich laufend über die Lage unterrichten und sagte die Aufklärung der Vorfälle zu. Zu Ausschreitungen kam es aber nicht nur am Bundeswehrposten, sondern auch in der Innenstadt von Talokan. Afghanische Behörden sprachen von insgesamt zwölf Toten und 50 Verletzten bei den Zusammenstößen, darunter einige Polizisten.

Die rund 1.500 Demonstranten riefen Schmährufe gegen die USA und Präsident Hamid Karsai. “Tod Karsai! Tod den USA!“ hieß es. Die Proteste wurden gewalttätig, als einige Demonstranten begannen, Läden zu plündern und Steine zu werfen.

Karsai kritisiert NATO-Einsatz

Gouverneur Abdul Dschabar Takwa erklärte, er sei über den NATO-Angriff nicht informiert worden, der den Ausschreitungen vorangegangen war. Dem widersprach die NATO. Der Gouverneur sei vor dem Angriff unterrichtet worden. Dies sei übliche Praxis in Tachar vor derartigen Razzien, erklärt Major Michael Johnson. Sie hätten sich gegen die Islamische Bewegung Usbekistans, eine in Nordafghanistan starke Gruppe Aufständischer, gerichtet. Der afghanische Präsident Hamid Karsai stellte sich hinter die Provinzregierung.

Trotz seiner wiederholter Warnungen vor Einsätzen, die mit afghanischen Sicherheitskräften nicht koordiniert seien, gingen diese offenbar weiter, kritisierte er. Die Außenstelle der Bundeswehr gehört zum Regionalen Wiederaufbauteams (PRT) Kundus in der Provinz Tachar. Seit 1. Juni 2006 hat Deutschland im Rahmen der Afghanistan-Schutztruppe ISAF die Führung des Regionalkommandos Nord mit seinen neun Provinzen.

Im Osten Afghanistans wurden bei einem Anschlag auf einen Polizeibus mindestens 14 Menschen getötet. Der Anschlag wurde nach Angaben der Behörden auf einer Straße in der Stadt Dschalalabad verübt. Nach Angaben eines Arztes wurden 16 Menschen verwundet.

Die Bundeswehr in Afghanistan

Unsere Soldaten in Afghanistan

Von Rahim Faiez und Heidi Vogt

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