Demografie

Diese Trends bewegen Deutschland

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München - Die großen Städte wachsen, mehr Kinder kommen zur Welt – eine Übersicht über die wichtigsten Entwicklungen in unserem Land

1. Die Großstädte wachsen am meisten

Sind es nur die Jobs? Die Theater, Kinos, Restaurants? Fakt ist: Immer mehr Menschen wohnen in deutschen Großstädten, die Bevölkerung nimmt dort seit der Jahrtausendwende überdurchschnittlich stark zu. Am stärksten wächst, das kennen wir Oberbayern schon, München: Von 2000 bis 2015 gibt es hier ein Plus von 20,5 Prozent. Aktueller Stand: 1, 54 Millionen Münchner (Stand: Oktober 2016). Außerdem wuchsen Potsdam (+19,6) und Landshut (+17,8) besonders stark.

Gründe für das Wachstum laut Bundesinstitut für Stadtforschung: Zum einen steigt die Zuwanderung – Migranten zieht es in Städte. Zum anderen wollen Berufseinsteiger verstärkt in Metropolen leben – anders als früher ziehen sie nach einigen Jahren nicht zurück in ihren Heimatort. Die Landflucht wirkt sich auf Regionen fernab von Ballungsräumen aus.

Die stärksten Bevölkerungsrückgänge zwischen 2000 und 2015 verzeichneten die mittelgroße Stadt Suhl (– 22,1 Prozent) in Thüringen und der Kreis Oberspreewald-Lausitz in Brandenburg (– 21,7).

2. Der Westen wird immer jünger

Deutschlandweit sind 21 Prozent der Menschen älter als 65 Jahre, in Großstädten nur 19,8 Prozent. Dass die Städte jünger sind, liegt vor allem an den Hochschulen, die junge Menschen anziehen. Auch die Zuwanderer in den Städten sind eher jünger. Außerdem leben in den Städten laut Bundesinstitut für Stadtforschung mehr Eltern mit Kleinkindern unter sechs Jahren und weniger Menschen jenseits des Erwerbsalters – die ziehen sich auch aufgrund höherer Mieten eher auf das Land zurück.

Der Bayer ist im Schnitt 43,6 Jahre alt, der Deutsche 44,3 Jahre. Der Osten ist älter. Der Altersdurchschnitt in diesen Bundesländern liegt bei mehr als 46 Jahren.

3. Die Städter kriegen mehr Kinder

Es gibt gute Nachrichten: Deutschland kriegt wieder mehr Kinder. In Deutschland stieg die Geburtenrate 2015 auf 1,5 Kinder je Frau – so hoch war der Wert seit 1982 nicht mehr. Am höchsten war der Wert in Sachsen (1,59), am niedrigsten im Saarland (1,38). Auch Bayern hat zuletzt einen Geburtenrekord vermeldet. Innerhalb eines Jahres sind im Freistaat 118 300 kleine Bayern geboren worden. So viele wie seit 15 Jahren nicht mehr. Allerdings gibt es auch eine Merkwürdigkeit, die den Statistikern aufgefallen ist: Zuletzt kamen in einem Jahr 3000 mehr Buben als Mädchen auf die Welt. Die meisten dieser Kinder heißen: Marie und Maximilian, das sind die beliebtesten Vornamen in Bayern.

Da junge Menschen nicht nur in Großstädte wie München oder Nürnberg zuwandern, sondern oft auch bleiben und eine Familie gründen, gibt es dort mittlerweile mehr Geburten als auf dem Land. Das war früher anders. Auch der Zuzug von Flüchtlingsfamilien lässt die Geburtenzahlen selbstverständlich in die Höhe steigen.

4. Hotel Mama wird immer beliebter

Haben wir es uns doch gedacht: Auch bei den Nesthockern hat Bayern einen Spitzenplatz. Kein Wunder, bei den bayerischen Mamas ist es halt am schönsten. Ein Viertel der 25- bis 29-Jährigen im Freistaat lebt noch zu Hause. Ein Rekordwert. Nur Thüringen kann den Bayern hier das Wasser reichen. In den bayerischen Landkreisen Freyung-Grafenau und Straubing-Bogen ist die Quote der Daheimbleiber am allerhöchsten. Bundesweit leben sechs von zehn jungen Menschen zwischen 18 und 24 Jahren noch bei ihren Eltern – vor allem in ländlichen Gebieten bleiben die jungen Leute lange daheim.

Aber es gibt auch einen bedenklichen Teil dieser Statistik: Der Anteil der jungen Männer, die noch im Haushalt der Eltern leben, ist fast doppelt so hoch wie jener der jungen Frauen. Der Grund: Forscher glauben, dass Eltern Töchter oft stärker kontrollieren als Söhne und von ihnen auch mehr Mithilfe im Haushalt erwarten. Für Frauen bedeutet der Auszug folglich mehr Freiheit. Zudem hätten junge Frauen allgemein eine höhere Neigung zum Abwandern, sogar die aus Bayern.

5. Das Umland zieht die Menschen an

Manche Regionen sind beliebter als andere – gerade das Berliner und Hamburger Umland und freilich auch der Speckgürtel München ziehen viele Menschen aus anderen Bundesländern an. Bei Umzügen innerhalb Deutschlands war 2015 unterm Strich Brandenburg mit 11 440 mehr Zu- als Fortzügen am attraktivsten, gefolgt von Schleswig-Holstein (+7093).

In Bayern ergibt sich ein Plus von rund 6800. Im Freistaat zeigt sich bei der sogenannten Binnenwanderung regional ein stark unterschiedliches Bild. Während in den nördlichen Landkreisen Kronach oder Kulmbach mehr Menschen ab- als zuwandern, sieht es im Süden ganz anders aus: Vom Unterallgäu über Weilheim-Schongau, Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach, Rosenheim bis hin zum Berchtesgadener Land ziehen alle Landkreise in Alpennähe überdurchschnittlich viele Menschen aus anderen Bundesländern an. Auch in den Landkreisen Pfaffenhofen, Dachau, Neumarkt in der Oberpfalz und im Nürnberger Land ist dieser Trend erkennbar.

6. In der Stadt gibt’s den besten Lohn

Wer mehr verdienen will, muss oft in eine Stadt ziehen. In Wolfsburg lag das sogenannte Mediangehalt 2015 bei monatlich 4610 Euro brutto – das heißt, dass die eine Hälfte der sozialversicherungspflichtigen Vollzeit-Arbeitnehmer mehr, die andere Hälfte weniger erhielt. Damit war das Monatseinkommen in der niedersächsischen VW-Stadt am höchsten. Der Medianwert ist beim Vergleich von Einkommen in der Regel aussagekräftiger als das Durchschnittseinkommen: Menschen, die extrem viel verdienen, fallen dabei weniger ins Gewicht.

Auch am Audi-Standort Ingolstadt (4545 Euro), in Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz/4491) und Erlangen (4486) bekam man einen richtig guten Lohn. Das geringste Einkommen gab es im sächsischen Erzgebirgskreis (2036), in Vorpommern-Rügen (2057), im brandenburgischen Elbe-Elster-Kreis (2060) und im sächsischen Görlitz (2068).

Die Gehälter schwanken von Bundesland zu Bundesland: Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit zeigt für verschiedene Berufe die unterschiedlichen Gehälter auf. Ein Beispiel: Das mittlere Gehalt eines Bürokaufmanns/einer Bürokauffrau in Deutschland beträgt 2984 Euro, in Bayern 3014 Euro, in Sachsen-Anhalt 2186 Euro.

7. Mieten explodieren – aber nicht überall

Wie viel Miete zahlen Sie? 4,20 Euro pro Quadratmeter kalt? Dann sind Sie ein Glückspilz – oder Sie leben in Ohrdruf, einer Kleinstadt in Thüringen. Nirgends im Land ist es im Schnitt billiger. Andernorts explodieren die Preise. Zwischen 1995 und Herbst 2016 legten die Mieten laut dem Immobilienverband Deutschland in München um rund 65 Prozent zu. Das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte stieg im gleichen Zeitraum aber nur um 33 Prozent.

Die Großstädte boomen im ganzen Land – und die Mieter büßen es. In Stuttgart kostet der Quadratmeter zwölf Euro, in Ingolstadt elf Euro. Wer es billiger haben will, der muss die westdeutschen Boom-Städte und ihre Speckgürtel weiträumig umfahren. In Wunsiedel in Oberfranken gibt’s den Quadratmeter zum Beispiel noch für weit unter fünf Euro. Wenn man denn da hin will.


Die zehn teuersten Städte

München, Bayern

14,50 Euro*

Stuttgart, Baden-Württemberg

12,00 Euro

Köln, Nordrhein-Westfalen

12,00 Euro

Hamburg, Hamburg

12,00 Euro

Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen

12,00 Euro

Erlangen, Bayern

11,50 Euro

Ingolstadt, Bayern

11,00 Euro

Bad Homburg, Hessen

11,00 Euro

Konstanz, Baden-Württemberg

10,75 Euro

Freiburg, Baden-Württemberg

10,57 Euro


Die zehn günstigsten Städte

Ohrdruf, Thüringen

4,20 Euro*

Windeck, Nordrhein-Westfalen

4,30 Euro

Gelsenkirchen, Nordrhein-Westfalen

4,40 Euro

Schmölln, Thüringen

4,40 Euro

Waltershausen, Thüringen

4,40 Euro

Zittau, Sachsen

4,40 Euro

Dingelstädt, Thüringen

4,50 Euro

Helmstedt, Niedersachsen

4,50 Euro

Kirchberg/Hunsrück, Rheinland-Pfalz

4,50 Euro

Mayen, Rheinland-Pfalz

4,50 Euro


*) monatliche Nettokaltmieten, je Quadratmeter Wohnfläche; bezogen auf ca. drei Zimmer, ca. 70 Quadratmeter, jeweils guter Wohnwert; ohne öffentlich geförderten Wohnungsbau; Wiedervermietung/Neuvertragsmiete Quelle: IVD-Institut Gesellschaft für Immobilienmarktforschung und Berufsbildung, Preisspiegel 2015/2016

sts, caz, dpa






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