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Demonstrationen und Anschläge am Jahrestag des Irakkriegs

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- Washington/Bagdad - Demonstrationen und Anschläge haben am Wochenende den zweiten Jahrestag des Beginns des Irakkrieges begleitet. US-Präsident George W. Bush würdigte zu diesem Anlass die bisher erzielten Fortschritte im Irak.

Die größte Friedensdemonstration fand am Samstag in Rom statt. Nach inoffiziellen Angaben zogen mehr als 100 000 Menschen mit Slogans wie «Stoppt den Krieg» durch das Zentrum Roms. Sie legten den Verkehr weitgehend lahm. Rund 45 000 Menschen kamen laut Polizeischätzung in London zu einer Protestkundgebung vor der amerikanischen Botschaft zusammen. Sie verlangten den Abzug aller ausländischen Truppen aus dem Irak. Sie riefen Slogans wie «George Bush und Uncle Sam - Irak wird euer Vietnam».

Mehrere tausend Menschen protestierten am Samstag in San Francisco, New York, Los Angeles und anderen US-Städten gegen den Irakkrieg. Die Aktionen verliefen weitgehend friedlich. Die Demonstranten riefen zum Abzug der US-Truppen aus dem Irak auf. Einige trugen Sarg-Attrappen, Fotos von getöteten Soldaten und Zivilisten und Banner mit Anti-Bush-Parolen. Die Aktionen waren jedoch deutlich kleiner als beim ersten Jahrestag.

Auch in verschiedenen Großstädten Skandinaviens, in Istanbul, Ankara und Athen sowie mehreren Städten Australiens marschierten Demonstranten gegen die fortdauernde Besetzung des Irak. Ministerpräsident John Howard, ein enger Verbündeter der USA, erklärte, der Krieg sei das richtige Mittel gewesen. In Deutschland gab es keine nennenswerten Protestaktionen.

Bush verteidigte den Krieg in seiner wöchentlichen Radioansprache mit den Worten: «Weil wir gehandelt haben, ist die irakische Regierung keine Bedrohung mehr für die Welt und das eigene Volk.» Die Wahlen im Januar und die Bildung eines Übergangsparlaments zeigten, dass die irakische Bevölkerung ihr Schicksal in die eigene Hand nehme.

Bush wies weiter darauf hin, dass die Entwicklungen im Irak insgesamt eine positive Auswirkung auf die Region hätten. Es gebe «hoffnungsvolle Zeichen» im weiteren Nahost-Raum. Der «Sieg der Freiheit» im Irak inspiriere «demokratische Reformer von Beirut bis Teheran». Dass heute Frauen in Afghanistan wählen könnten, Palästinenser der bisherigen Gewaltanwendung eine Absage erteilten und hundertaussende Libanesen aufstünden und demokratische Rechte forderten, seien «Meilensteine in der Geschichte der Freiheit».

Unterdessen dauerte die Gewalt im Irak an. Bei Sprengstoffanschlägen auf US-Soldaten und ein Fahrzeug mit ausländischen Zivilisten sollen am Sonntag im Westirak bis zu vier Menschen ums Leben gekommen sein. Dies berichteten Augenzeugen. Bei einem Bombenanschlag in der nordirakischen Stadt Kirkuk waren am Samstag drei Polizisten getötet und acht verletzt worden. Die Polizisten hatten an der Trauerfeier für einen Kollegen teilgenommen, der am Vortag getötet worden war.

Zum Jahrestag kam es im Ölemirat Katar am Samstagabend zum ersten schwereren Terroranschlag gegen Ausländer. Ein ägyptischer Selbstmordattentäter riss dabei einen britischen Staatsbürger mit in den Tod. Die Explosion ereignete sich vor einem britischen Schulgebäude, in dem gerade eine Theateraufführung stattfand. Zwölf Menschen wurden verletzt. In Katar befindet sich ein wichtiger amerikanischer Stützpunkt.

Der im Irak untergetauchte Terroristenführer Abu Mussab al-Sarkawi ist am Sonntag von einem Militärgericht in Jordanien zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Er wurde in Abwesenheit für schuldig befunden, unter anderem im August 2003 den Selbstmordanschlag auf die jordanische Botschaft in Bagdad geplant zu haben. Damals kamen 18 Menschen ums Leben.

Der radikale Schiiten-Prediger Muktada al-Sadr hat der US- Regierung vorgeworfen, sie habe dem Irak seit dem Krieg vor zwei Jahren bewusst Schaden zugefügt. Er sagte zum Jahrestag: «Die amerikanische Präsenz im Land hat in den vergangenen zwei Jahren Zerstörung gebracht und zur Spaltung des irakischen Volkes geführt.»

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