+
Ein Plakat mit einem Foto von Papst Benedikt XVI. hängt im Hauptportal des Freiburger Münsters.

Deutsche erwarten nicht viel vom Papstbesuch

Gütersloh - Die Mehrheit der Bundesbürger setzt trotz verbreiteter Unzufriedenheit mit der katholischen Kirche keine großen Hoffnungen in den Besuch von Papst Benedikt XVI. in Deutschland.

Viele Menschen würden sich zwar eine Öffnung der katholischen Kirche wünschen, die Erwartungen seien aber gering, ergab eine am Sontag veröffentlichte Emnid-Umfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung in Gütersloh.

53 Prozent der Befragten erwarten keine entscheidenden Impulse vom Besuch des Oberhauptes der katholischen Kirche. 41 Prozent rechnen dagegen mit konkreten Ergebnissen, etwa bei der Zusammenarbeit zwischen katholischer und evangelischer Kirche. Das Ergebnis entspricht einer anderen Umfrage, die kürzlich gemacht wurde.

Nur 11 Prozent halten die gegenwärtige Verfassung der Kirche für gut. 71 Prozent wünschen sich zwar eine Öffnung und Liberalisierung der katholischen Kirche, aber lediglich jeder Dritte meint, dass der Papst Impulse für eine Modernisierung geben wird. 37 Prozent gehen vielmehr davon aus, dass durch den Besuch eher konservative Positionen und kirchliche Grundsätze verstärkt werden. Ohnehin ist es nur für jeden fünften Befragten wichtig, was der Papst sagt. Selbst unter den Katholiken ist das Wort des Heiligen Vaters für nur 37 Prozent von Bedeutung.

Der Umfrage zufolge hat die “religiöse Identität“ der Deutschen trotz Kirchenaustritten und Missbrauchsfällen nicht gelitten. Knapp 20 Prozent der Befragten bezeichnen sich als sehr oder ziemlich religiös, 35 Prozent als mittel religiös, weitere 22 Prozent als wenig religiös. 24 Prozent wollen mit Religiosität nichts zu tun haben. Damit habe sich im Vergleich zu 2007 wenig geändert. 

Befragt wurden am 29. und 30. August insgesamt 1008 Menschen ab 14 Jahren.

Gute Quote für den Papst beim "Wort zum Sonntag"

Papst Benedikt XVI. hat bei seiner Ansprache in der ARD-Sendung “Wort zum Sonntag“ um 22.55 Uhr am Samstagabend 2,36 Millionen Zuschauer gehabt. Das entspricht einem Marktanteil von 12,2 Prozent - für eine kirchliche Sendung eine gute Quote. Das “Musikantenstadl“ mit Andy Borg sahen sich vorher im Ersten um 20.15 Uhr allerdings 4,55 Millionen Menschen an (16,3 Prozent).

Benedikt XVI. hatte schon im August 2006 vor seinem Bayern-Besuch ein TV-Interview gegeben, das in der ARD und im ZDF zu sehen war. Damals waren rund sechs Millionen Zuschauer dabei. 1987 hatte schon Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. vor seiner Deutschlandreise das “Wort zum Sonntag“ gesprochen.

Papst Benedikt sagte in seiner Ansprache, er freue sich besonders auf seine Rede im Bundestag und den Gottesdienst im Olympiastadion. Als einen Höhepunkt der am Donnerstag beginnenden Reise nannte das 84-jährige Oberhaupt der Katholiken das geplante Treffen mit der Evangelischen Kirche Deutschlands.

Das “Wort zum Sonntag“ war vom Vatikan-TV aufgezeichnet worden. Benedikt besucht vom 22. bis 25. September Berlin, Thüringen und Freiburg.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Saudiarabischer Prediger begründet Fahrverbot für Frauen mit deren "Winzgehirn"
In Saudi-Arabien hat ein Geistlicher das bestehende Fahrverbot für Frauen mit deren angeblichem "Winzgehirn" gerechtfertigt.
Saudiarabischer Prediger begründet Fahrverbot für Frauen mit deren "Winzgehirn"
Oktoberfest-Chef zieht nach erster Woche Bilanz - Darum ist es eine „ideale Wiesn“
Nach der ersten Wiesn-Woche zieht Festleiter Josef Schmid eine erste Bilanz - und spricht von einem Oktoberfest 2017, das rundum ideal ist. Bei den Besucherzahlen …
Oktoberfest-Chef zieht nach erster Woche Bilanz - Darum ist es eine „ideale Wiesn“
Wasserläufer gab es schon zu Dino-Zeiten
Frankfurt/Main (dpa) - Schon zu Zeiten der Dinosaurier glitten wohl langbeinige Wasserläufer über die Seen. Darauf weisen zwei in spanischem Bernstein entdeckte neue …
Wasserläufer gab es schon zu Dino-Zeiten
Militär rückt in Favela in Rio ein
Rio de Janeiro (dpa) - Gewehrsalven und verängstigte Menschen, die vor Schüssen Schutz suchen: In der größten Favela von Rio de Janeiro ist ein Krieg zwischen …
Militär rückt in Favela in Rio ein

Kommentare