Anklage wegen Drogenhandels

Deutsche im Libanon entführt und festgenommen

Beirut - Im Libanon wurden am Freitag zwei Deutsche entführt. Die Geiselnahme war allerdings schnell beendet. Beide werden nun wegen Drogenhandels angeklagt.

Entführt - freigelassen - festgenommen: Nach einer kurzen Geiselnahme sind zwei Deutsche im Libanon von ihren Entführern wieder auf freien Fuß gesetzt, anschließend aber in Polizeigewahrsam genommen worden. Die Deutschen befänden sich in den Händen der libanesischen Polizei, teilte das Auswärtige Amt am Samstag mit. Den beiden Männern wird nach Angaben der amtlichen libanesischen Nachrichtenagentur NNA Drogenhandel vorgeworfen.

Am Freitag waren die beiden Deutschen, die auch die libanesische Staatsbürgerschaft haben sollen, zunächst im christlichen Dorf Schrifa im östlichen Bekaa-Tal von Bewaffneten verschleppt worden. Ein Vertreter der Sicherheitsbehörden sagte AFP, die Entführer hätten keine politischen, sondern finanzielle Motive gehabt. Nach seinen Angaben verlangten sie 6000 Euro Lösegeld.

Laut NNA versuchten die Geiselnehmer vergeblich, bei einem Büro für Geldtransfers eine Auszahlung auf den Namen eines der Entführten zu erzwingen. Später riefen die Täter einen Freund der beiden Verschleppten an und forderten Lösegeld. Auch dies scheiterte offenkundig. Die genauen Umstände der Freilassung blieben zunächst unbekannt.

"Nachdem sie freigelassen wurden, hat eine Polizeieinheit die Deutschen wegen Verdachts auf Drogenhandel festgenommen", meldete NNA. Nach den Entführern werde gesucht. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin sagte, die Botschaft in Beirut und das Außenministerium seien mit dem Fall befasst. "Wir sind mit den beiden Deutschen und mit allen relevanten Stellen in Kontakt."

Das Bekaa-Tal an der Grenze zu Syrien gilt als Hochburg der Hisbollah-Miliz und anderer bewaffneter Gruppen. In der Region haben in den vergangenen Jahren auch Drogenproduktion und -Handel zugenommen. In der Gegend um Schrifa ist der Anbau von Cannabis verbreitet.

Während des libanesischen Bürgerkriegs in den Jahren 1975 bis 1990 waren im Libanon mehrfach Ausländer entführt worden, seit dem Ende des Kriegs kam dies aber selten vor. Im Jahr 2011 war eine Gruppe estnischer Radfahrer im Libanon vier Monate lang in den Händen von Entführern. Im September 2010 hatte ein einflussreicher libanesischer Clan zwei polnische Touristen im Bekaa-Tal kurzzeitig verschleppt.

afp

Rubriklistenbild: © dpa

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