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Die Feinstaubbelastung war weniger hoch als die Stickoxidkonzentration. Foto: Jan Woitas

Deutsche Luftbilanz 2015: Kein Grund zum Aufatmen

Dass einige Diesel-Autos im Verkehr deutlich mehr Schadstoffe in die Luft pusten als bisher offiziell angegeben, ist spätestens seit dem VW-Skandal bekannt. Doch auch der Feinstaub von Silvester-Böllern ist in geballter Form schlecht für die Gesundheit.

Berlin (dpa) - Bei der Stickstoffdioxid-Belastung in deutschen Großstädten ist trotz einer Rüge der EU noch keine Besserung in Sicht.

Das Umweltbundesamt (UBA) stellte 2015 an rund 60 Prozent aller Messstationen an stark befahrenen Straßen im Jahresdurchschnitt eine Überschreitung des Grenzwertes von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter fest. An zwei Standorten waren die Werte sogar mehr als doppelt so hoch wie erlaubt.

Der bundesweit höchste Wert wurde im vergangenen Jahr am Neckartor in Stuttgart gemessen. Hier lag die Konzentration der lungenschädlichen Stickoxide bei durchschnittlich 87 Mikrogramm. An der Landshuter Allee in München waren es 84 Mikrogramm pro Kubikmeter. Auch an einzelnen Messstationen in Köln, Kiel, Heilbronn, Hamburg und Darmstadt wurden Werte von über 60 Mikrogramm pro Kubikmeter festgestellt.

Die EU-Kommission hatte gegen Deutschland wegen der seit Jahren anhaltenden Überschreitung des Grenzwerts für Stickstoffdioxid (NO2) im vergangenen Jahr ein Vertragsverletzungsverfahren eröffnet. Wie spätestens seit dem VW-Skandal bekannt ist, haben die Probleme der Kommunen, die Grenzwerte einzuhalten, auch mit dem erhöhten NO2-Ausstoß von Diesel-Autos zu tun. Die UBA-Präsidentin, Maria Krautzberger, fordert deshalb: "Alte Diesel-Pkw müssen schrittweise aus den Städten verschwinden."

Besser sah es 2015 dagegen bei den Feinstaub-Werten aus. Hilfreich waren hier die überdurchschnittlich warmen Temperaturen. Denn die winzigen Partikel, die in die Lunge und auch in den Blutkreislauf eindringen, stammen nicht nur aus Diesel-Ruß, Reifenabrieb und Gewerbebetrieben. Auch Kamine und Holzöfen stoßen Feinstaub aus. Im vergangenen Jahr wurde der EU-Grenzwert für Feinstaub (PM10) nur an jeweils einer Messstation in Berlin und Stuttgart überschritten. Die EU schreibt vor, dass der PM10-Tagesmittelwert maximal 35 Mal im Jahr über 50 Mikrogramm pro Kubikmeter liegen darf.

Dass dieser überhöhte Wert im Berliner Bezirk Friedrichshain im vergangenen Jahr 36 Mal gemessen wurde, lag allerdings nicht nur an Verkehr und Holzöfen, sondern auch an Berlinern, die ihre Böller und Raketen am 31. Dezember schon vor Mitternacht zündeten. Am 1. Januar 2016 lag die Feinstaub-Konzentration dann mit 256 Mikrogramm pro Kubikmeter in diesem Bezirk sogar höher als an jedem anderen Ort in Deutschland.

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