Deutscher Zug in Frankreich ausgeraubt

Paris - In Wildwestmanier hat eine Gruppe junger Krimineller in Frankreich einen Güterzug der Deutschen Bahn ausgeraubt. Wie die Täter vorgingen und welche Strafe ihnen droht:

In Wildwestmanier hat eine Gruppe junger Krimineller einen Güterzug der Deutschen Bahn überfallen. Die etwa 20 vermummten Täter blockierten am Donnerstagabend in der französischen Hafenstadt Marseille mit Einkaufswagen und Stahlträgern eine Gleisstrecke. Nachdem eine Regionalbahn in die Hindernisse gekracht war, plünderte die Bande drei Waggons des dahinter zum Halten gekommenen Güterzuges. Er gehört der Bahn-Tochter Euro Cargo Rail. “Vermutlich wollten die Täter eigentlich nur unseren Zug stoppen“, sagte eine Sprecherin des Unternehmens am Freitag. Zum Glück habe es keine Toten und Verletzten gegeben.

Über die geraubten Waren wollte Euro Cargo Rail keine genaueren Angaben machen. Sie seien aber von geringem Wert gewesen, einfache Verbrauchsgüter, sagte Sprecherin Nadja Rachow. Gerüchte, dass es sich um elektronische Geräte gehandelt haben könnte, seien falsch.

Die 26 Fahrgäste des in die Barrikade gekrachten Zuges wurden nach Angaben der französischen Bahn mit Ersatzfahrzeugen an ihr Ziel gebracht. Der Regionalexpress wurde durch den Aufprall so strak beschädigt, dass er nicht mehr weiterfahren konnte. Die Fahndung nach den Tätern blieb zunächst erfolglos. “Das ist ein schwerer gefährlicher Eingriff in den Bahnverkehr. Da steht Gefängnis drauf“, kommentierte ein Sprecher der Deutschen Bahn.

Nach Angaben der Bahn-Tochter Euro Cargo Rail sind Vorfälle wie der in der Hafenstadt Marseille äußerst selten. Aus Frankreich wurden aber bereits mehrfach ähnliche Attacken gemeldet. So erbeuteten Räuber 2008 ebenfalls in Marseille Computerzubehör. 1985 raubten Unbekannte aus einem Güterzug Geldmünzen im Gegenwert von heute rund 100 000 Euro.

Der wohl bekannteste Zugraub der Geschichte ereignete sich 1963 in Großbritannien. Damals überfiel Ronnie Biggs zusammen mit mehreren Komplizen den Postzug London-Glasgow. Die Täter erbeuteten seinerzeit 2,6 Millionen Pfund - was nach heutigen Maßstäben umgerechnet rund 43 Millionen Euro wären. Obwohl sie dem Zugführer Jack Mills eine Eisenstange auf den Kopf schlugen und der sich nie wieder von der Verletzung erholen sollte, galt die Tat eher als romantische Räuber- Anekdote denn als schweres Verbrechen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Tausenden Fukushima-Flüchtlingen droht Verlust ihrer kostenlosen Wohnungen
Tokio - Nach der Atomkatastrophe in Fukushima wurden den Opfern kostenlose Ersatzwohnungen gestellt. Jetzt soll das staatliche Wohngeld gestrichen werden - eine Tragödie …
Tausenden Fukushima-Flüchtlingen droht Verlust ihrer kostenlosen Wohnungen
Kinder und Jugendliche besser vor "Cybergrooming" schützen
Berlin (dpa) - Zur Eindämmung von sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im Internet fordert der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung strafrechtliche …
Kinder und Jugendliche besser vor "Cybergrooming" schützen
Justizopfer Harry Wörz erhebt schwere Vorwürfe gegen Polizei
Pforzheim - Er gilt als Justizopfer und wurde zu Unrecht am Mord seiner damaligen Ehefrau verurteilt. Heute kämpft der rehabilitierte Harry Wörz für die Wiederaufnahme …
Justizopfer Harry Wörz erhebt schwere Vorwürfe gegen Polizei
Flug MH370: Das wohl größte Rätsel der Luftfahrtgeschichte
Sydney - Fast drei Jahre nach dem ungeklärten Verschwinden des Flugs MH370 der Fluglinie Malaysia Airlines ist die Suche nach der Maschine eingestellt worden.
Flug MH370: Das wohl größte Rätsel der Luftfahrtgeschichte

Kommentare