Deutscher Tourist in Afghanistan getötet

Kabul - Bei einem Überfall in der westafghanischen Provinz Ghor sind nach Angaben der Polizei ein deutscher Tourist und sein afghanischer Begleiter getötet worden.

Der Reisepass des Deutschen sei gefunden worden, sagte der stellvertretende Polizeichef Ghors, Abdul Raschid Baschir, der Nachrichtenagentur dpa am Samstag. Provinzgouverneur Abdullah Hewad sagte der dpa, bei den Tätern habe es sich um “kriminelle Jugendliche“ und nicht um Taliban gehandelt.

Das Auswärtige Amt konnte den Fall zunächst nicht bestätigen. Die deutsche Botschaft in Kabul sei eingeschaltet und bemühe sich unter Hochdruck in engem Kontakt mit den afghanischen Behörden um Aufklärung, sagte ein Sprecher in Berlin.

Vize-Polizeichef Baschir sagte: “Ein deutscher Staatsbürger, der sich bei Einheimischen als Tourist vorstellte, ist von zwei unbekannten Bewaffneten erschossen worden. Ein weiterer Afghane wurde bei dem Angriff getötet.“ Die Angreifer hätten das Feuer auf das Geländefahrzeug eröffnet, in dem die Opfer gereist seien. Der Deutsche sei auf dem Weg nach Bamian gewesen, wo die Taliban 2001 zwei gigantische Buddha-Statuen in die Luft gesprengt hatten.

Die östlich von Ghor gelegene Provinz Bamian - eine der friedlichsten im Land - ist eine der wenigen Touristenattraktionen in Afghanistan. Allerdings besuchen Bamian vor allem Ausländer, die in dem Land arbeiten. Dass der Deutsche über Ghor dorthin reisen wollte, deutet darauf hin, dass er als Tourist vom Iran aus nach Afghanistan kam und seine Reise nach Osten in Richtung Kabul fortsetzen wollte.

Baschir sagte, zwei Dorfbewohner seien bei dem Angriff verletzt worden. Niemand sei festgenommen worden. Die Leiche des Deutschen sollte noch am Abend vom Krankenhaus ins Wiederaufbauteam in der Provinzhauptstadt Chaghcharan gebracht werden, das in der Internationalen Schutztruppe Isaf Litauen betreibt. Zu dem Vorfall sei es im Distrikt Lal Wa Sardschangal gekommen, der an Bamian angrenzt.

Aus Ghor werden selten Zwischenfälle gemeldet. Die Region gilt als ruhig, wird mangels größerer internationaler Präsenz allerdings auch kaum beachtet. Ghor gehört in der Isaf zum Regionalkommando West. In der Provinz haben Truppen aus Litauen das Kommando. Litauen hat nach Isaf-Angaben 235 Soldaten im Einsatz in Afghanistan.

Trotz der Reisewarnungen westlicher Außenministerien verschlägt es vereinzelt immer wieder Touristen nach Afghanistan. Auch Mitarbeiter westlicher Organisationen im Land missachten gelegentlich die strengen Sicherheitsauflagen, denen sie unterliegen.

So waren Anfang des Monats die Leichen von zwei Deutschen entdeckt worden, die nördlich von Kabul im Hindukusch-Gebirge wandern gewesen waren. Die afghanischen Behörden und die Bundesregierung gehen davon aus, dass die beiden Entwicklungshelfer aus Kabul im Alter von 59 und 69 Jahren Opfer eines Gewaltverbrechens wurden.

Einer der beiden Männer war für die staatliche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit in Afghanistan, die solche Ausflüge untersagt. Im September 2006 waren zwei deutsche Mitarbeiter der Deutschen Welle beim Zelten in Afghanistan erschossen worden.

dpa

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