Deutscher unter Terroropfern in Moskau

Moskau - Nach dem Terrorschock spricht Kremlchef Medwedew Klartext. Am Flughafen Domodedowo habe Anarchie geherrscht, der Geheimdienst habe versagt. Unter den 35 Todesopfern des Blutbades ist auch ein Deutscher.

Nach dem Selbstmordanschlag mit 35 Toten auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo hat der russische Präsident Dmitri Medwedew einen deutlich schärferen Anti-Terror-Kampf angekündigt. Russland brauche mit Blick auf die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi und andere Großereignisse einen “maximalen Schutz vor Anschlägen“, sagte er am Dienstag nach Angaben der Agentur Interfax bei einer Sitzung mit Vertretern des Inlandsgeheimdienstes FSB. Erneut rügte der Kremlchef laxe Sicherheitsvorkehrungen auf dem Airport. Dort habe praktisch “Anarchie“ geherrscht. Jeder habe dort kommen und gehen können, ohne kontrolliert zu werden. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa kam bei dem Terroranschlag auch ein Deutscher ums Leben.

Der 1976 geborene Mann befand sich unter den ersten identifizierten Leichen, erfuhr dpa in der russischen Hauptstadt. Nach Informationen der “Kölnischen Rundschau“ stammte der Mann aus Köln, er habe für das Heiztechnik-Unternehmen Vaillant gearbeitet. Vom Auswärtigen Amt in Berlin gab es dafür noch keine offizielle Bestätigung, es verdichteten sich aber Hinweise, wonach ein deutscher Staatsangehöriger unter den Opfern sei, sagte eine Sprecherin. Nach russischen Medienberichten befindet sich unter den rund 180 Verletzten auch eine deutsche Frau, die im Krankenhaus behandelt wird. Unter den Toten sind laut Zivilschutz acht Ausländer, darunter zwei Briten und ein Bulgare. Offiziellen Angaben aus Wien zufolge starb auch ein Österreicher.

Terroranschlag auf Moskauer Flughafen

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Blutbad schürt Angst vor kaukasischem Terror

Die Behörden vermuten nach eigenen Angaben, dass Terroristen aus dem russischen Konfliktgebiet Nordkaukasus hinter dem Anschlag stecken. Medienberichten zufolge hatte der FSB bereits seit einigen Tagen Hinweise auf einen bevorstehenden Terrorakt in Moskau. Medwedew sprach von klaren Signalen, dass der FSB seine Arbeit besser machen müsse als bisher. “Wir brauchen ein schärferes Kontrollsystem. Also eine totale Kontrolle. Wahrscheinlich wird sie länger dauern für die Passagiere, aber das ist der einzige Ausweg.“ Zugleich forderte er eine harte Bestrafung der Verantwortlichen in der Regierung und in den Behörden, die für die Sicherheit im Personenverkehr verantwortlich seien.

Auch der FSB müsse bei sich personelle Konsequenzen ziehen, verlangte der Präsident. Er kritisierte, dass die Zahl der Terroranschläge in Russland im vergangenen Jahr gestiegen sei. “Das ist für den FSB und andere Sicherheitsstrukturen ein ernstes Signal.“ Medwedew kündigte an, am Mittwoch nun doch zum Weltwirtschaftsforum zu reisen und dort eine Rede zu halten. Unmittelbar nach dem Anschlag hatte er das zunächst in Frage gestellt. Die Identifizierung der Leichen gestaltet sich für Ermittler schwierig. Viele Menschen seien von der Druckwelle der Bombe und durch umherfliegende Metallteile des Sprengsatzes zerrissen worden, sagten Ärzte. Zahlreiche Verletzte schweben weiter in Lebensgefahr.

Die Ermittler gegen davon aus, dass der Selbstmordattentäter, der seine Bombe in der Ankunftshalle zündete, ein Mann war. Medienberichte über eine weibliche Attentäterin bestätigten sie nicht. In Domodedowo, wo der Flugbetrieb wieder weitgehend normal läuft, legten Passanten Nelken nieder, der Anschlagsort selbst war abgeriegelt. Einheiten der Sonderpolizei OMON liefen verstärkt Streife. Strenger als sonst mussten ankommende Reisende schon beim Betreten des Flughafengebäudes ihre Taschen zur Kontrolle auf Laufbänder legen und durchleuchten lassen. Die Stimmung in der Zehn-Millionen-Stadt war aber insgesamt ruhig, größere Kontrollen oder auffällige Einschränkungen waren nicht zu beobachten.

Auch in der Metro, die im vergangenen Frühjahr Ziel eines schweren Anschlags war, gab es keine schärferen Sicherheitsvorkehrungen als an anderen Tagen. Kurz nach dem Blutbad hatte Medwedew auf Bahnhöfen und Flughäfen sowie an weiteren Verkehrsknotenpunkten eine erhöhte Sicherheitsstufe angeordnet. In der Krisenregion im Nordkaukasus, wo auch das frühere Kriegsgebiet Tschetschenien liegt, kämpfen Islamisten um Unabhängigkeit von Moskau. Sie hatten immer wieder gedroht, den Terror ins russische Kernland zu tragen. Zuletzt kamen bei einem Doppelanschlag auf die Moskauer Metro Ende März vorigen Jahres 40 Menschen ums Leben. Die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) verurteilte den Anschlag. Ein OIC-Sprecher nannte die Tat am Dienstag einen kriminellen und terroristischen Akt.

dpa

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