„Macht Angst“

Experte warnt vor Begriff der „vierten Welle“ - und hat bittere Prognose für Nicht-Geimpfte

  • Michelle Brey
    VonMichelle Brey
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Ein Experte betrachtet den Begriff der „vierten Welle“ kritisch. Er erwartet hohe Inzidenzen, aber weniger Patienten in den Krankenhäusern. Für Nicht-Geimpfte sieht er schwarz.

Berlin / München - Wochenlang deuteten sinkende Fallzahlen auf einen entspannten Sommer hin. Zwar steigt die Sieben-Tage-Inzidenz, doch noch immer liegt sie in Deutschland auf einem niedrigen Niveau. Ein Blick in andere Länder wie Spanien, Portugal, oder die Niederlande genügt allerdings: Die Corona-Richtwerte steigen dort immens. Hintergrund ist unter anderem die hochansteckende Delta-Variante des Virus. Auch in Deutschland dominiert sie bereits das Infektionsgeschehen. Grund zur Sorge vor einer vierten Corona-Welle auch hierzulande?

„Vierte Welle“ in Deutschland? - „Dank der Impfung wird das nicht der Fall sein“

Hohe Inzidenzen, ansteigende Zahlen an Corona-Neuinfektionen, kritische Belegung der Intensivbetten und viele schwere Krankheitsverläufe: So könnte man die ersten drei Corona-Wellen in Deutschland kurz und knapp umschreiben.

Nun soll sich das ändern. Den Begriff der „vierten Welle“ sieht der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft deshalb kritisch. „Das sorgt bei den Bürgern nur für die Angst, dass mit steigenden Fallzahlen die Intensivstationen wieder mit Covid-Patienten volllaufen - dank der Impfung wird das aber nicht der Fall sein“, sagte Gerald Gaß am Dienstag gegenüber der Bild-Zeitung. „Wir erwarten bei gleicher Inzidenz viel weniger Corona-Patienten in den Kliniken“, so der Experte.

Ähnlich hatte sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn via Twitter geäußert. Auf der Plattform schrieb er: „Da die gefährdeten Risikogruppen geimpft sind, bedeutet eine hohe Inzidenz nicht automatisch eine ebenso hohe Belastung bei den Intensivbetten. Die Inzidenz verliert zunehmend an Aussagekraft [...].“ Am Montag war dann in einem Bericht der Bild-Zeitung unter Berufung auf ein „internes Dokument“ des Robert-Koch-Instituts (RKI) über eine „Wende in der Corona-Politik“ berichtet worden.

Die Inzidenz solle nicht mehr über die Corona-Maßnahmen entscheiden. In dem Papier stelle das RKI die „Hospitalisierung (Krankenhauseinweisung) als zusätzlichen Leitindikator“ für die Politik vor. Die Regierung trat dem entgegen und bekräftigte am Montag, die Inzidenz weiter zu beobachten. Es sei allerdings wichtig, weitere Parameter wie die Krankenhauseinweisungen wegen Covid-19 hinzuzuziehen, um die Lage einzuschätzen.

Schwere Covid-19-Erkrankungen - Gaß mit unschöner Prognose für Nicht-Geimpfte

Denn schwere Covid-19-Erkrankungen werde es auch in Zukunft geben. Laut Gaß unter denjenigen, „die sich nicht impfen lassen und auch nicht an Schutzmaßnahmen halten wollen“. Hätten alle ein Impfangebot erhalten, gehöre das „in das persönliche Risiko eines jeden Einzelnen wie etwa beim Rauchen“, verglich er gegenüber der Bild-Zeitung. Laut RKI-Impfdashboard sind in Deutschland 43 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig geimpft. Insgesamt haben 58,7 Prozent mindestens eine Impfdosis erhalten. Indes lieferte eine Studie neue Hinweise auf die Wirksamkeit der Impfstoffe gegen die Delta-Variante. (mbr/dpa)

Rubriklistenbild: © Jefferson Bernardes/dpa

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