Impfangebot für alle Erwachsenen in Deutschland

Deutschland: Impfangebot für alle bis Ende des Sommers – ist das realistisch?

Derzeit geht es in Deutschland eher schleppend voran mit den Corona-Impfungen. Könnten dennoch bis Ende des Sommers alle Deutschen ein Impfangebot haben?

Die Bundesregierung hält an dem Versprechen fest, dass jeder Erwachsene in Deutschland ein Impfangebot bis Ende des Sommers 2021 erhalten soll, wie echo24.de* berichtet. Laut Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sind die Corona-Impfungen der beste, schnellste und effektivste Weg aus der Corona-Pandemie*.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rechnet sogar damit, dass bereits vor September alle ein Angebot bekommen haben. Doch wie realistisch ist dieses Versprechen, dass bis Ende diesen Sommer jeder Erwachsene in Deutschland ein Impfangebot erhält?

Impfangebot für alle bis Ende des Sommers – wie ist der aktuelle Stand?

Bislang ist rund jeder zehnte Erwachsene in Deutschland geimpft. Hierzulande starteten die Impfungen gegen das Coronavirus Ende Dezember 2020. Laut Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) sind 4.152.394 Personen in Deutschland (Stand: 31. März) bereits vollständig geimpft, insgesamt 9.620.262 Personen haben mindestens eine Erstimpfung erhalten. Bei dem aktuellen Impftempo ist es doch recht unrealistisch, dass bis Endes des Sommers, in etwa sechs Monaten, jeder Erwachsene ein Impfangebot erhalten haben soll. Dafür müsste der Impfprozess in Deutschland erheblich beschleunigt werden.

Im Ländervergleich schneidet Deutschland ziemlich schlecht ab und schafft es nicht mal unter die Top 10 mit der aktuellen Impfquote. Platz eins belegt momentan Israel mit einer Impfquote von 55,3 Prozent, dicht gefolgt von den Seychellen mit einer Quote von 37,5 Prozent. Allerdings darf dabei nicht außer Acht gelassen werden, dass Israel viel weniger Einwohner als Deutschland hat.

In Israel sind bislang 4,8 Millionen Menschen vollständig geimpft, in Deutschland bereits etwa 4,2 Millionen – durch die hohe Einwohnerzahl weist Deutschland daher nur eine Impfquote von fünf Prozent auf. Spitzenreiter ist bei Betrachtung der Anzahl bereits vollständig geimpfter Personen, die USA mit rund 54,6 Millionen Geimpften.

Impfangebot für alle Erwachsenen bis Ende des Sommers – ist das realistisch?

Aktuell sieht es eher schlecht aus, was ein beschleunigtes Impfverfahren angeht, denn der britische Corona-Impfstoff AstraZeneca, der neuerdings „Vaxzevria“ heißt, soll fortan laut Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO)* nur noch an Personen über 60 Jahren verimpft werden. Der Grund dafür sind 31 Fälle von Sinusvenenthrombosen nach AstraZeneca-Impfungen, die eventuell als Nebenwirkungen des Corona-Impfstoffs* auftreten können. Wer unter 60 ist, kann sich weiter auch mit AstraZeneca impfen lassen, aber auf eigenes Risiko. Das sorgt derzeit in den Impfzentren für Chaos und dürfte den Impfprozess in Deutschland vorerst wieder abbremsen.

Etwas Hoffnung schenkt derzeit die Zulassung des Corona-Impfstoffs von Johnson & Johnson* durch die Europäische Arzneimittel-Agentur am 11. März. Auch der Impfstoff des Tübinger Unternehmens CureVac befindet sich in der letzten Phase der Zulassungs-Studie und könnte bereits im Juni in der EU zugelassen werden*. Lieferungen der Impfstoffe werden durch die Bundesregierung ab Juni erwartet.

Die Voraussetzung für ein Angebot für alle bis Ende des Sommers: Mehr Impfstoff

Je mehr Impfdosen zur Verfügung stehen, desto schneller kann in Deutschland auch geimpft werden. Denn das Problem sind nicht die Impfzentren und überlastete Hausärzte, sondern die geringe Verfügbarkeit an Corona-Impfstoffdosen. Laut RKI wurden bis zum Ende der Kalenderwoche zwölf am 28. März 2021 insgesamt 15.872.775 Dosen Impfstoff ausgeliefert. 81,4 % dieser Dosen wurden im selben Zeitraum bereits verimpft. Die Lieferungen stammen von den Herstellern BioNTech/Pfizer* (10.928.775 Dosen), AstraZeneca (3.832.800 Dosen) und Moderna (1.111.200 Dosen).

Insgesamt erwartet die Regierung im zweiten Quartal des Jahres etwa 70 Millionen Impfdosen – davon rund 40 Millionen von Biontech, sechs Millionen von Moderna und etwa 15 Millionen von AstraZeneca. Von Johnson & Johnson* werden bis Ende des zweiten Quartals laut Bundesregierung 10 Millionen Impfdosen erwartet, von CureVac soll es 1,5 Millionen Impfdosen geben. Bis Ende 2021 sollen noch bis zu weiteren 300 Millionen Impfdosen geliefert werden. Allerdings sind diese Zahlen nicht verlässlich und können sich jederzeit ändern.

Impfangebot für alle bis Ende des Sommers – eine neue Strategie muss mehr

Der Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) fordert eine andere Impf-Strategie: kein Zurückhalten von Impfstoff-Dosen für die Zweitimpfung mehr. Denn bei allen zugelassenen Impfstoffen sei die Wirkung und der Schutz vor Ansteckungen und schweren Verläufen oder gar tödlichen Verläufen bereits nach der ersten Impfdosis sehr hoch. So könnte allen Impfwilligen „bis Ende Juni“ eine Erstimpfung verabreicht werden, was viele Todesfälle verhindern würde. Die Zweitimpfungen sollten dann im dritten Quartal erfolgen, wie der Tagesspiegel berichtet.

Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte der SPD, würde beim Impfverfahren in Deutschland auf eine andere Strategie setzen. (Symbolbild)

Zusammenfassend lässt sich sagen: Hält die Bundesregierung an der aktuellen Impfstrategie fest und sollte es weiterhin Lieferschwierigkeiten geben, ist es sehr unwahrscheinlich, dass bereits Ende diesen Sommer jeder Erwachsene ein Impfangebot erhalten haben. Um dies zu ermöglichen, benötigt es vermutlich eine neue Herangehensweise und vor allem: mehr verfügbare Impfdosen. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

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