„Ein Mädchen wurde im Panzer geboren“

Droht Deutschland eine Schnee-Katastrophe wie vor 40 Jahren? Archivbilder rauben den Atem

Deutschland erlebt gerade eine Wetterlage, die es vor 40 Jahren so ähnlich gab - und die in die Geschichte einging. Bundeswehr-Soldaten mussten damals ausrücken.

  • Wer aktuell in Deutschland trotz Corona unterwegs sein muss, könnte Probleme bekommen.
  • Die Deutsche Bahn machte bereits eine klare Ansage an ihre Fahrgäste.
  • Ein ähnlich extremer Winter im Land ist inzwischen Legende.

Offenbach - Deutschland befindet sich gerade im Wochenende der Wetter-Extreme - und das weckt Erinnerungen an den Winter 1978/79. Die nicht mehr ganz so jungen Semester dürften sich erinnern: Chaos, als in Teilen das Landes das Verkehrs-, Versorgungs- und Kommunikationsnetz zusammenbrach.

Der Temperatursturz vom 29. Dezember 1978 führte im Norden der Bundesrepublik sowie der damaligen DDR, in Dänemark und im Süden Schwedens zu Durcheinander. Die Fotos aus dem Archiv sprechen Bände:

Zwei Männer graben in Schleswig-Holstein graben im Winter 1979 mit einer Schaufel ein Auto aus den Schneemassen.

Schnee-Katastrophe von 1978/79: „Ganze Dörfer hatten keinen Kontakt zur Außenwelt“

„Autos wurden freigeschaufelt, Panzer räumten Autobahnen von den Schneemassen, und ein Mädchen wurde im Panzer geboren“, fassen zwei dpa-Korrespondent aktuell die Lage damals zusammen. „Der Bahnverkehr brach zusammen, Straßen wurden unpassierbar. Stundenlang mussten frierende Autofahrer auf der blockierten A7 ausharren“, schreiben Thomas Strünkelnberg und Friedemann Kohler.

„Ganze Dörfer hatten keinen Kontakt zur Außenwelt, in manchen Orten wurden Lebensmittel knapp. Vom 13. bis zum 18. Februar herrschte im Nordwesten von Niedersachsen Katastrophenalarm. Nur die Kinder freuten sich, weil sie tagelang schulfrei hatten“, heißt es in dem Bericht weiter.

Ein Mann in Hamburg befreit im Winter 1979 sein Auto mit einer Schaufel von den Schneemassen.

Geburt im Panzer während Schneekatastrophe von 1979/78: „Es war lausig kalt“

Weil die Räumfahrzeuge die Schneemassen auf den Autobahnen damals kaum bewältigten, kam Hilfe von der Bundeswehr - ein Glück für zwei werdende Eltern, die feststeckten. Ein Panzer nahm sie dem dpa-Bericht zufolge mit, noch in dem Gefährt wurde das Kind geboren.

„Das war eine abenteuerliche Fahrt. Die Heizung war ausgefallen, es war lausig kalt“, sagte die Mutter. Schließlich kam der Hausarzt dazu, weiter ging es auf der Bundesstraße im Krankenwagen - der Säugling war gesund.

Jahrhundert-Winter 2021? Es drohen bis zu 40 Zentimeter Neuschnee

Und im Jahr 2021? Meteorologen sprachen jetzt schon vorher von einem „denkwürdigen Ereignis mit Seltenheitswert“ - und erwarten ein Temperaturgefälle von rund - 20 Grad. Das Bemerkenswerte: Durch Deutschland zieht sich wettermäßig zurzeit ein Graben. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartet für den Norden Schneestürme und klirrende Kälte - und für den Süden frühlingshaften Föhn.

Es drohen bis zu 40 Zentimeter Neuschnee, dazu „enorme Schneeverwehungen“, vor allem in der Region vom Emsland und dem Münsterland bis hin zum Harz. Im Ruhrgebiet, dem Siegerland, in Mittelhessen und Oberfranken hingegen gibt es von Sonntagnachmittag bis Montag gefrierenden Regen, der eine mehrere Zentimeter dicke Eisschicht zur Folge haben könnte.

Zwei Männer suchen im deutschen Winter 1979 unter den Schneemassen ein Auto - und schaufeln es frei.

Wetter in Deutschland: Schnee-Chaos legt Züge der Deutschen Bahn lahm

Die Deutsche Bahn warnt vor Zugausfällen und Verspätungen. Wegen der Prognose verkehre am Samstag und Sonntag kein Fernverkehr zwischen Kiel und Hamburg, Hamburg und Lübeck sowie zwischen Hamburg und Westerland. Kunden könnten bereits fürs Wochenende gebuchte Fernverkehrstickets „bis einschließlich sieben Tage nach Störungsende entweder flexibel nutzen oder kostenfrei stornieren“.

Im Frühjahr 1979 blieb der Schnee lange liegen. Als es taute, gab es viele Überschwemmungen. (dpa/frs) *Merkur.de gehört zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

Rubriklistenbild: © Georg Spring/dpa

Auch interessant

Kommentare