„Zünglein an der Kälte-Waage“

Wetter in Deutschland: Winter-Wende dank Phänomen? Polarwirbelsplit könnte alles ändern

  • Michelle Brey
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Dürfen wir auf weiße Weihnachten im Jahr 2020 hoffen? Einen erheblichen Einfluss auf das Winter-Wetter in Deutschland hat der Polarwirbel.

  • Deutschland-Wetter*: Der Dezember ist nass und kalt.
  • Dürfen wir im Corona*-Jahr 2020 auf ein winterliches Weihnachtsfest hoffen?
  • Ausschlaggebend ist der Polarwirbel.
  • Dieser News-Ticker wird regelmäßig aktualisiert.

Update vom 14. Dezember 2020, 12 Uhr: So richtig ist der Winter in Deutschland noch nicht angekommen. Zumindest am kalendarischen Winteranfang, dem 1. Dezember, sah man vielerorts die ersten vereinzelten Schneeflocken. Nur in den Alpen gab es bereits richtig viel Schnee.

Die Aussichten sind laut Wetterprognose des Deutschen Wetterdienstes (DWD) auch nicht sehr vielversprechend. Am Montag „greift das Frontensystem eines Tiefs über dem Nordostatlantik auf Deutschland über und leitet eine weitere Milderung ein.“ Im Alpenvorland, im Lee der östlichen Mittelgebirge und in Teilen von Baden-Württemberg prognostiziert der DWD vereinzelt Sonne. Die Höchstwerte liegen zwischen vier und 13 Grad.

Und mit den weitgehend milden Temperaturen soll es auch im Verlauf der Woche weitergehen. Bis Donnerstag werden Höchstwerte bis elf beziehungsweise 13 Grad prognostiziert. Mit Schnee ist damit erstmal nicht mehr zu rechnen. Lediglich in der Nacht kühlt es ab. Bis zu minus vier Grad am Mittwoch und minus fünf Grad am Donnerstag können gebietsweise für Frost sorgen. Für Gebiete in Bayern warnt der DWD: „In der Nacht zum Dienstag südlich der Donau und an den östlichen Mittelgebirgen verbreitet leichter Frost. Stellenweise Reifglätte.“ Besonders Autofahrer müssen Acht geben. Hinzu kommt Nebel, der „vereinzelt Sichtweiten unter 150 m.“ verursacht.

Wetter in Deutschland: Winter-Wende dank Phänomen? Polarwirbelsplit könnte alles ändern

Unsere Erstmeldung vom 12. Dezember 2020:

München - Das Wetter in Deutschland im Dezember ist nass und kalt. Vielerorts waren auch die ersten Schneeflocken bereits zu sehen. In den Alpen gab es indes ein echtes Wetter-Chaos. Orte in Tirol und Italien sind unter einer dicken Schneedecke versunken. Doch wie stehen die Chancen auf winterliche Weihnachten mit Schnee* in Deutschland? Ein Polarwirbelsplit könnte scheinbar alles ändern.

Wetter in Deutschland: Winter-Wende dank Polarwirbel?

Als das „Zünglein an der Kälte-Waage“ bezeichnete Meteorologe Paul Heger von wetter.com den Polarwirbel. Dabei handelt es sich um einen Wirbel in einer Höhe von rund 30 Kilometern, der nur rund ein halbes Jahr lang existiert. In der Höhe herrschen extrem kalte Temperaturen - „deutlich unter Minus 70 Grad“. „Der Wirbel bildet sich über der Arktis im Herbst und löst sich im Frühjahr langsam wieder auf.“ Ein Starkwindband sorgt dafür, dass die Kälte in der Höhe zusammengehalten wird, erklärte Heger.

„Bei einem stabilen Polarwirbel haben wir in der Regel auch einen starken Jetstream, der die Tiefs von Westen nach Osten ziehen lässt. Bei dieser Wetterlage haben wir Luft vom Atlantik, die bei uns in Deutschland deutlich zu mild ist für eine dauerhafte Winterlage.“ Als Beispiel nannte Heger den Winter 2019/20. Der Polarwirbel sei jedoch „immer etwas in Schwingung“. So könne sich der Wirbel zu einem Oval formen.

Deutschland-Wetter: Weiße Weihnachten durch Phänomen?

„Im Extremfall teilt sich der Wirbel in verschiedenen Höhenschichten komplett“, erklärte der Meteorologe. In diesem Fall spricht man von einem Polarwirbelsplit. Dieser sorge für kräftige Hochs, blockierende Wetterlagen und bringe den Jetstream ins „Schlingern“. Auswirkungen seien beispielsweise große Regenmengen. Nicht selten bilde sich das Hoch auf eine Art und Weise, sodass Deutschland mit „sehr kaltem Ost- bis Nordostwind*“ konfrontiert ist. Auch Dauerfrost und Schnee sind dann möglich.

Trifft das auch auf den Winter 2020 zu? Wie Meteorologe Jan Schenk von The Weatherchannel beispielsweise erklärte, wird der Polarwirbel „gestört“ und soll sich in diesem Jahr in einen Polarwirbelsplit teilen. Die Chancen auf kaltes Winter-Wetter möglicherweise sogar mit Schnee an Weihnachten steigen damit.

Zunächst aber bleibt es wechselhaft in Deutschland. Für Sonntag (13. Dezember) prognostiziert der Deutsche Wetterdienst (DWD) Regen oder Sprühregen, in den Alpen Schnee. Die Höchstwerte liegen zwischen fünf und neun Grad.

Auch der 100-jährige Kalender hat eine Prognose hinsichtlich weißer Weihnachten getroffen. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks (mbr)

Rubriklistenbild: © Roland Weihrauch/dpa

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