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Der Biker-Pfarrer Ruprecht "Rupi" Müller-Schiemann hält auf seinem Motorrad einen Motorradfahrer-Gottesdienst in der Bergkirche in Niedergründau (Hessen) ab. Jetzt geht der Motorradpfarrer in den Ruhestand.

Deutschlands ältester Motorradpfarrer nimmt seinen Helm

Gründau - Er war der bundesweit erste Seelsorger, der von Landeskirchen beauftragt wurde, sich um Motorradfahrer zu kümmern. Nach vielen Jahren der Seelsorge auf zwei Rädern rollt der Geistliche jetzt in den Ruhstand.

30 Jahre warb der Pfarrer aus Hessen in Lederklamotten für ein friedlicheres Miteinander auf den Straßen. Am Sonntag hört der Geistliche auf.

Er fährt mit seiner schweren Maschine konsequent bis vor den Kirchenaltar und predigt stilecht in einer Lederkluft: Am Sonntag ergreift Ruprecht Müller-Schiemann jedoch ein letztes Mal bei einem Gottesdienst in Gründau das Wort. Nach 30 Jahren geht der 62-Jährige, Spitzname “Rupi“, in den Ruhestand. Der evangelische Geistliche hat ein ungewöhnliches Kapitel Kirchengeschichte in Deutschland geschrieben. “Ich bin ader erste von Landeskirchen beauftragte Motorradseelsorger gewesen und aktuell der älteste“, sagt er stolz. Lange Jahre war er in Deutschland auch der einzige Geistliche dieser Art.

1981 fing er in Hessen an - und versuchte dafür zu sorgen, dass weniger Motorradfahrer ihr Leben lassen. Er warb gebetsmühlenartig für ein friedlicheres Miteinander und Sicherheit im Straßenverkehr. Wie es dazu kam? “Wir wollten nicht immer nur hinterher hinken und trösten, wenn etwas passiert ist. Wir müssen präventiv tätig werden“, sagte Müller-Schiemann, der eine große Gemeinde hat. “20 000 Motorradfahrer und ihre Familien in ganz Hessen“, erzählt der Pfarrer stolz, der auch als Kur- und Klinikseelsorger in Bad Orb tätig war.

“Die Biker sind damals auf uns zugekommen und haben gesagt: Wir wollen Kirche“, erinnert er sich an die Anfänge. Erst kamen wenige Hundert Teilnehmer zu den Gottesdiensten an wechselnden Orten. In den vergangenen Jahren wurden es Events mit Rockmusik im Gotteshaus. Zum sogenannten “Anlassen“, dem groß veranstalteten Start in die Motorradsaison in Hessen kamen in den vergangenen Jahren jedes Mal mehrere Zehntausend Menschen. Und Pfarrer “Rupi“ gab den Bikern seinen Segen - mit Mikro in der Hand auf einem Motorrad sitzend.

Wie viel er fernab aller Showanteile bewirkt hat, vermag der etwas andere Geistliche nicht einzuschätzen. “Selbst, wenn ich durch meine Predigten nur einen tödlichen Unfall verhindert habe, bin ich schon auf der Gewinnerseite. Ich gehe davon aus, dass ich die Leute zum nachdenken gebracht habe.“ Er habe auch dafür gesorgt, dass sich Menschen angenähert habe. “Da haben sich auf einmal Biker und Motorradpolizisten bei Festen gegrüßt und geduzt.“ Müller-Schiemman sagt: “Ich gehe mit dem Bewusstsein, Spuren hinterlassen zu haben.“

Der Abgang des altgedienten Pfarrers ist auch ein neuer Anfang. Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) in Kassel teilte mit, dass im Januar Thorsten Heinrich neuer Bikerpfarrer wird. Der Nachfolger soll am Sonntag beim Gottesdienst in der Bergkirche von Gründau zugegen sein. Name? Große Geheimniskrämerei! Der Verband christlicher Motorradfahrer (VCM) begrüßt, dass es einen Nachfolger gibt: “Solch eine Stelle darf man nicht verwaist lassen“, sagt VCM-Sprecher Andreas Göring.

Motorradseelsorger sind mittlerweile in einigen Landeskirchen vertreten. “In Hamburg und im Raum Hannover gibt es beispielsweise auch immer große Gottesdienste für Biker“, sagt Müller-Schiemann, der nun mit Wehmut seinen Helm nimmt. Er freut sich auf mehr Freizeit, längere Fahrten ohne Termindruck mit seiner Tourenmaschine, einer BMW 1100 RW. Für eine Harley habe es nicht gereicht, sagt er.

Und nun? “Ich will jetzt in Zukunft die Kraft der Natur und des Motorrads intensiver genießen.“ Für die Zukunft hat “Rupi“ einen Wunsch: “Wir müssen bewusster im Straßenverkehr unterwegs sein, um die Verbindung von Mensch zu Mensch zu schaffen und dafür zu sorgen, dass sich der Traum von unbegrenzter Mobilität nicht zum Alptraum entwickelt.“

dpa

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