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Astrid Osterland knietauf dem Georgen-Parochial-Friedhof I in Berlin an einem Grab. Eine kleine Ecke auf dem Friedhof im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg mit 80 Plätzen für Särge und Urnen ist Deutschlands erster Lesbenfriedhof.

In Berlin

Das ist Deutschlands erster Friedhof für Lesben

Berlin - Lesben schaffen auf einem Berliner Friedhof eine Ecke für sich. Grenzen sie sich damit selbst aus, oder sind solche Grabanlagen gut für die Friedhofskultur?

„Warum sollte ich mich ausgerechnet neben meiner Mutter begraben lassen?“, fragt Astrid Osterland. „Neben meiner Mutter, die nie verstehen konnte, dass ich Frauen liebe.“ Osterland ist 69 Jahre alt, der Tod beschäftigt sie. Als sie von der Idee hört, einen Friedhof für Lesben zu gründen, ist sie sofort begeistert.

Aus der Idee ist Deutschlands erster Lesbenfriedhof geworden. Es ist eine kleine Ecke auf dem Georgen-Parochial-Friedhof I im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg mit 80 Plätzen für Särge und Urnen. Anfang April weihten die Frauen das Gelände ein. Das erste Grab ist noch frisch. Im Oktober haben die Frauen eine der Initiatorinnen begraben.

Pfarrer Jürgen Quandt weist den Begriff „Lesbenfriedhof“ brüsk zurück. „Das ist eine Gemeinschaftsgrabanlage, wie es viele gibt, nicht mehr und nicht weniger.“ Quandt ist Geschäftsführer des Friedhofsverbands Berlin-Stadtmitte, der mit der Frauenwohnstiftung Sappho eine Vereinbarung über die Grabanlage der homosexuellen Frauen geschlossen hat. „Solche Vereinbarungen gibt es auch mit anderen Gruppen.“ Seine Kirchengemeinde, die Heilig-Kreuz-Passion, pflege etwa ein Armengrab für Menschen, die andernfalls anonym bestattet würden.

Osterland ist Mitarbeiterin der bundesweiten Sappho-Stiftung, die Orte für lesbische Frauen schaffen will. Die 69-Jährige zeigt auf einen großen Grabstein gegenüber von ihrem Gelände - ein Erbgrab. Familienmitglied um Familienmitglied ist auf dem Grabstein aufgelistet. „Wir verfolgen denselben Gedanken. Allerdings ziehen wir die Wahlverwandtschaft der Blutsverwandtschaft vor“, sagt sie.

Pfarrer Quandt erinnert das Areal der Lesben an die Grabanlagen der Diakonissen. „So etwas gibt es schon seit frühester Zeit.“ Negative Reaktionen auf die Grabanlage der Lesben könne er nicht nachvollziehen. „Die Tatsache, dass Frauen als lesbische Frauen bestattet werden wollen, hat ganz offensichtlich noch nicht die gesellschaftliche Akzeptanz, die es haben sollte.“

„Gemeinschaftsgrabanlagen entwickeln die Bestattungskultur weiter“, sagt Quandt. „Außerdem fühlen sich die Gruppen für die Pflege der Gräber verantwortlich.“ Die Frauen mussten ihr Gelände erst einmal von Gestrüpp befreien. Sie haben Blumen und Büsche gepflanzt. Ein Gärtner legte einen geschwungenen Weg an, der an ein keltisches Symbol für die Windungen des Lebens stehen soll.

Lesbenfriedhof: Zwei Drittel der Plätze schon weg

Es sind nicht nur Berlinerinnen, die sich einen Platz auf dem Friedhof reserviert haben, sagt Osterland. Mittlerweile seien zwei Drittel der Plätze weg. Auch Astrid Osterland weiß schon genau, wo ihre Urne einmal vergraben werden soll.

Emanzipation nehmen die Frauen ernst. Den Sarg der ersten Verstorbenen haben sie selbst von der Kapelle den Hügel hoch zum Grab getragen, obwohl Sargträger bereit standen. Ihre Friedhofsecke sei selbstverständlich auch ein politischer Ort. „Sich verstecken, heißt Angst haben.“ Verstecken aber wollen sich die Frauen auch nach dem Tod nicht mehr. Sie wollen deshalb noch ein Schild aufbauen, damit jeder Besucher weiß, wer dort liegt.

„Der Friedhof soll ein öffentlicher Ort sein, ohne Zaun“, sagte Osterland. „Aber doch für uns, ein Gedenkort für unsere Schwestern.“ Im Herbst haben sich die Frauen auf dem Friedhof getroffen, um Haikus zu dichten und im Kreis zu tanzen. „Wir wollen den Tod ins Leben holen. Der Friedhof soll nicht nur ein Ort der Trauer sein.“ Das nächste Mal wollen sie vielleicht einen Foto-Workshop machen und anschließend auf dem Friedhof gemeinsam etwas essen.

Osterland zupft an den Zierfrüchten des frisch gepflanzten Apfelbaums, der an dem ersten Grab steht. Was geht ihr durch den Kopf, wenn sie an den eigenen Tod denkt? „Ich liege neben meinen Freundinnen und streite auch nach dem Tod noch weiter mit ihnen über den queren Feminismus“, antwortet sie.

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dpa

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