+
Am Haupteingangstor zur KZ-Gedenkstätte in Dachau (Bayern) fehlt am 02.11.2014 die Tür. Unbekannte haben in dem ehemaligen Konzentrationslager die historische Tür mit dem Schriftzug "Arbeit macht frei" gestohlen.

"Arbeit macht frei"

Diebe stehlen Haupteingangstür des KZ Dachau

Dachau - "Arbeit macht frei": Die zynische Inschrift der Nazis an Konzentrationslagern lässt Besucher bis heute erschaudern. In Dachau haben Unbekannte die Pforte mit dem Schriftzug gestohlen.

Unbekannte haben in der KZ-Gedenkstätte Dachau die historische Tür am Haupteingangstor mit dem Schriftzug „Arbeit macht frei“ gestohlen. „Das ist eine neue Qualität der Schändungsenergie“, sagte die Leiterin der Gedenkstätte, Gabriele Hammermann, am Sonntag. Die Tür sei „das zentrale Symbol für den Leidensweg der Häftlinge“. Im Konzentrationslager Dachau bei München und seinen 140 Außenlagern hatten die Nationalsozialisten bis 1945 mehr als 200 000 Menschen aus ganz Europa inhaftiert, Zehntausende kamen dort ums Leben. In der Gedenkstätte Auschwitz hatte es vor fünf Jahren eine ähnliche Tat gegeben.

Die KZ-Gedenkstätte Dachau ist immer wieder Ziel krimineller Taten mit rechtem Hintergrund. Die schwarze schmiedeeiserne Tür misst knapp einen mal zwei Meter und ist Bestandteil des großen Haupteingangstors. Der oder die Täter mussten nach Angaben der Polizei ein Flügeltor übersteigen, um auf das Gelände der Gedenkstätte zu gelangen. Möglicherweise sei die Tür mit einem Fahrzeug abtransportiert worden, sagte ein Sprecher. Der Sicherheitsdienst der Gedenkstätte hatte den Diebstahl am frühen Sonntag festgestellt. Kurz vor Mitternacht sei sie noch da gewesen.

Durch das 1936 errichtete Tor am sogenannten Jourhaus mussten während des Nationalsozialismus die Insassen jeden Tag ins Dachauer KZ und hinaus gehen. Die Inschrift „Arbeit macht frei“ verdeutliche zudem die verharmlosende NS-Propaganda, welche die Konzentrationslager als bloße Arbeitslager darstellen wollte, sowie den Zynismus der Nazis, für die Zwangsarbeit das zentrale Instrument zur Peinigung und Kontrolle ihrer Gegner war.

Das umzäunte Gelände der Gedenkstätte werde seit 2001 von einem privaten Sicherheitsdienst überwacht, sagte Hammermann. Die ganze Nacht über kontrolliere ein Mitarbeiter die Umgebung in unregelmäßigen Abständen. Gegen eine Überwachung mit Videokameras habe man sich in den KZ-Gedenkstätten entschieden, weil man aus ihnen „keinen Hochsicherheitstrakt“ machen wollte. „Diese Entscheidung muss nun aber möglicherweise auf den Prüfstand“, sagte Hammermann.

Ob Neonazis oder ein „irrer Sammler“ hinter dem Diebstahl stecken, konnte der Polizeisprecher zunächst nicht sagen. Man ermittle „in alle Richtungen“, hieß es.

Im Dezember 2009 war aus der Gedenkstätte des Vernichtungslagers Auschwitz ebenfalls der Schriftzug „Arbeit macht frei“ gestohlen worden. Der Diebstahl des bekannten Symbols für den Holocaust rief weltweit Empörung hervor. Die Diebe zersägten den Schriftzug in drei Teile und vergruben ihn in einem Wald. Der schwedische Auftraggeber des Diebstahls wurde später zu knapp drei Jahren Haft verurteilt.

Dachau war das erste große, dauerhaft angelegte KZ der Nazis und wurde zum Modell für die vielen später errichteten Konzentrationslager. Nach Angaben des Deutschen Historischen Museums kamen in Dachau mindestens 30.000 Gefangene ums Leben. Die KZ-Gedenkstätte geht von etwa 41 500 Ermordeten aus.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Lotto am Samstag vom 20.01.2018: Das sind die aktuellen Lottozahlen von heute
Ob Sie gewonnen haben, erfahren Sie hier bei uns: Hier gibt es die aktuellen Lottozahlen vom Samstag, 20.01.2018. Drei Millionen Euro liegen im Jackpot, der am …
Lotto am Samstag vom 20.01.2018: Das sind die aktuellen Lottozahlen von heute
Mindestens zwei Tote und viele Verletzte bei Hotelbrand in Prag
In der tschechischen Hauptstadt Prag hat es einen folgenschweren Hotelbrand gegeben, es gibt zwei Todesfälle zu beklagen.
Mindestens zwei Tote und viele Verletzte bei Hotelbrand in Prag
Massaker von Las Vegas: Polizei legt neue Details offen
Nach dem folgenreichsten Verbrechen der jüngeren US-Geschichte legt die Polizei ihren vorläufigen Abschlussbericht vor. Mit vielen Details - und doch bleibt die …
Massaker von Las Vegas: Polizei legt neue Details offen
Verfolgungsjagd: So dämlich verspielt Häftling in offenem Vollzug seine Freiheit
In Berlin hat ein Häftling im offenen Vollzug auf denkbar dämliche Art und Weise seine Freiheit verspielt. Jetzt kommt er komplett hinter Schloss und Riegel.
Verfolgungsjagd: So dämlich verspielt Häftling in offenem Vollzug seine Freiheit

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion