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Brittany Maynard setzt sich für Sterbehilfe in Amerika ein.

US-Kampagne für Sterbehilfe

Diese Frau (29) will am 1. November sterben

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Portland - Brittany Maynard (29) hat nur noch wenige Wochen zu leben. Die Amerikanerin will einem qualvollen Tod zuvorkommen und aus dem Leben scheiden. Sie weiß auch schon genau, wie und wann.

Ein Foto aus dem Hochzeitsalbum von Brittany und Dan.

Vor zwei Jahren hing Brittany Maynards Himmel voller Geigen. Die US-Amerikanerin aus San Francisco hatte gerade Dan geheiratet, die Liebe ihres Lebens. Die beiden waren rundum glücklich und dachten bereits daran, eine Familie zu gründen. Dann fingen die Kopfschmerzen an. Brittany ließ sich untersuchen. Am Neujahrstag 2014 bekam die 29-Jährige eine Nachricht, die alle ihre Pläne zunichte machte: Die Ärzte hatten in ihrem Kopf einen Tumor entdeckt, der sofort entfernt werden musste.

Nach der Operation hoffte die Frau auf ein sorgenfreies Leben, doch der Tumor kehrte zurück - aggressiver als vorher. Die Ärzte gaben der Frau nur noch sechs Monate zu Leben und rieten ihr zu einer Strahlentherapie. Doch die Behandlung, die unter anderem mit Kopfhaut-Verbrennungen ersten Grades einhergeht, "würde mich nicht retten können, sondern nur die Zeit zerstören, die mir noch bleibt", schreibt die Todkranke in einem Artikel, der am Donnerstag auf dem Portal des US-Senders CNN veröffentlicht wurde. Und ihr Sterben wäre unsagbar qualvoll.

Nur in fünf US-Bundesstaaten ist Sterbehilfe legal

Auch in ein Hospiz zu gehen, kam für sie nicht in Frage: Zu groß war ihre Angst, gegen die Schmerzmittel der palliativen Behandlung immun zu werden und langsam ihre Persönlichkeit ebenso zu verlieren wie die Fähigkeit zu sprechen, zu denken und sich zu bewegen. Dieses "Albtraum-Szenario", wie sie schreibt, mitzuerleben, das sich aufgrund ihres jungen Alters über Monate hinziehen könnte, wollte sie ihrer Familie ersparen. Alles was sie wollte, war in Würde zu sterben.

In den USA gilt der Death with Dignity Act bisher nur in fünf Bundesstaaten. Er erlaubt es Ärzten, unheilbar kranken Patienten ein Mittel zu verschreiben, das diese einnehmen können, wenn sie für sich entschieden haben, dass sie die Schmerzen nicht mehr ertragen können und wollen. In ihrer kalifornischen Heimat war das nicht möglich, also siedelte Brittany zusammen mit ihrem Dan nach Portland in Oregon um.

"Ich habe inneren Frieden gefunden."

"Seit vier Wochen befindet sich jetzt das tödliche Medikament in meinem Besitz", schreibt sie. Jetzt sei sie unheimlich erleichtert. All die Ungewissheit und die Angst seien fort, sie habe inneren Frieden gefunden, so die 29-Jährige. "Ich verbringe die Tage oder Wochen, die mir noch auf dieser wunderschönen Erde bleiben, mit Freude und Liebe und unternehme Dinge mit den Menschen, die ich liebe."

Noch denkt sie nicht an ihren letzten Tag: "Ich will nicht sterben. Aber ich sterbe. Und dann will ich wenigstens selber wählen können, wie ich sterbe. Niemand hat das Recht, mir diese Entscheidung abzunehmen. Niemand hat das Recht, mir zu sagen, dass ich es verdient habe, wochen- oder monatelang entsetzliche körperliche und psychische Schmerzen zu ertragen."

Brittanys Video zieht Kreise

In einem Video erzählt sie ihre Geschichte. So will sie eine Kampagne unterstützen, die erreichen will, dass ärztlich begleitetes Sterben in mehr US-Bundesstaaten erlaubt wird. Schließlich hat nicht jeder Todkranke die Möglichkeit, zum Sterben in einen anderen Staat zu ziehen.

Und es funktioniert: Der Youtube-Clip wurde bereits über 5,5 Millionen-mal angeklickt, auf Facebook geben immer mehr Menschen den "Like"-Daumen für ihre Seite.

Am 1. November will Brittany sterben

Ihren Tod hat Brittany genau geplant, und er klingt überhaupt nicht furchterregend. Er wird in ihrem Schlafzimmer im ersten Stock ihres Haus zu ihr kommen. "Ich werde zu meinem Mann, meiner Mutter, meinem Stiefvater und meiner besten Freundin sagen: "Ich liebe dich. Sei bei mir und verabschiede dich von mir, wenn ich friedlich hinübertrete in das, was auch immer da ist." Im Hintergrund werden Songs zu hören sein, die sie liebt.

Sollte sich ihr Zustand nicht dramatisch verbessern, steht auch der Todestag bereits fest: der 1. November. So können sie und ihre Angehörigen sich in Ruhe vorbereiten, erklärt sie in einem NBC-Interview. Fünf Tage vorher, am 26. Oktober, hat ihr Dan Geburtstag, den wollen die beiden noch zusammen feiern.

Haakon Nogge

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