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Der Fahrradsheriff unterwegs.

"Sie haben mich fast umgefahren"

Dieser Fahrradsheriff macht Autofahrer zur Schnecke

London - Ein wenig scheint er der geheimen Welt der Droiden aus den "Star Wars"-Filmen zu entspringen - und tatsächlich nennt sich Lewis Dediare selbst "Traffic Droid" (Verkehrsdroide).

Behängt mit Hupen, Signalhörnern, Stirn- und Taschenlampen sowie Kameras am Helm nimmt er im Herzen von London von seinem Fahrrad aus Verkehrssünder aufs Korn. "Stop, lassen Sie die Scheibe runter! Sie haben mich fast umgefahren, ist Ihnen das klar, sie erbärmlicher Autofahrer?", herrscht er den entgeisterten Fahrer eines Lieferwagens an und zückt eine rote Karte.

Mit seinem "Terminator"-Stil wird der behelmte Radfahrer von den einen gefürchtet, von den anderen belächelt. "Einige sagen, ich sehe aus wie eine fliegende Untertasse", witzelt er. Doch dem 49-Jährigen ist es bitterernst. Zu seiner Ausrüstung gehört auch ein Maßband. Damit misst er den Abstand zwischen Fahrzeugen und Fahrrädern. "Vorgeschrieben ist ein Meter, sonst bekommen Radfahrer es wie Pferde mit der Angst zu tun", erklärt er.

Am Anfang stand ein Fahrradunfall im Jahr 2009, "bei dem ich fast draufgegangen wäre", erzählt Dediare. Danach beschloss er, "etwas zu tun". Seitdem nutzt er die alltägliche zweistündige Radfahrt zu seinem Telekommunuikationsjob im Krankenhaus, um "Verkehrsidoten" zu filmen und bei YouTube bloßzustellen. Ob jemand anderen Verkehrsteilnehmern den Weg abschneidet, bei Rot über die Ampel fährt oder am Steuer mit dem Handy telefoniert - Dediares wachsamem Blick entgeht so gut wie nichts. Im Durchschnitt 25 Verkehrsverstöße registriert er pro Tag.

In der Regel vier davon meldet er der Polizei - je nachdem, wie schwer die Vergehen sind. Einige Verkehrsteilnehmer erhalten daraufhin Bußgeldbescheide, andere bekommen Strafpunkte oder verlieren sogar ihren Führerschein.

Einige Autofahrer reagieren naturgemäß sauer auf den selbsternannten Verkehrssheriff. "Wie sieht es denn mit den Radfahrern aus? Die gucken doch nicht links und nicht rechts und ignorieren jede Verkehrsampel", ätzt der Fahrer eines Kleinlasters, während er den "Traffic Droid" misstrauisch beäugt. Andere nennen Dediare einen "Denunzianten" und "Spitzel" - in einem Land, das bereits reichlich mit Videoüberwachungskameras ausgestattet ist.

Den derart Beschuldigten ficht das nicht an. Er tue lediglich seine "Pflicht als Bürger". Zwölfmal wurde Dediare nach eigenen Angaben bereits angegriffen, aber das bringt ihn nicht aus dem Konzept. Er verweist darauf, dass im Londoner Großstadtdschungel jedes Jahr im Durchschnitt 15 Fahrradfahrer getötet werden. Das seien eindeutig zu viel. Einen Grund dafür sieht er auch im Stellenabbau bei der Polizei. Mittlerweile findet Dediare Nachahmer. In Großbritannien sind inzwischen berits dutzende Verkehrsdroiden unterwegs.

AFP

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