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"Dieses Erlebnis vergisst man nie"

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- Andreas Müller-Cyran vom Münchner Kriseninterventionsteam KIT betreut Opfer und deren Angehörige nach Verbrechen und Unglücken. Gestern abend ist er mit KIT-Mitgliedern und Mitarbeitern der katholischen Notfallseelsorge nach Phuket geflogen, um deutsche Betroffene zu betreuen. Wir sprachen mit ihm kurz vor seinem Abflug.

Herr Müller-Cyran, wie werden Sie den Betroffenen helfen?

Müller-Cyran: Es geht jetzt erst einmal darum, die Leute aufzufangen, ihnen zuzuhören. Ihre Bedürfnisse sind wie eine Pyramide aufgebaut: Zuerst wollen sie in Sicherheit sein. Dann kommt die Kleidung. Viele sitzen ja nur in Badeschlappen und Bademänteln in ihrem Hotel oder in einem Auffanglager.

Wie haben Sie sich auf den Einsatz vorbereitet?

Müller-Cyran: Wir sind schlecht auf diese Situation vorbereitet. Wir waren noch nie in einer Situation, wo die regionalen Strukturen so zerstört sind. In New York am elften September oder beim Amoklauf in Erfurt waren die Katastrophengebiete regional begrenzt. Außerdem funktionierten die Kommunikationswege. In Phuket wird das anders sein. Wir vertrauen aber auf unsere langjährige Erfahrung mit Menschen in Krisensituationen.

Sie werden auf Menschen treffen, die jetzt noch nach Angehörigen suchen. Wie helfen Sie denen?

Müller-Cyran: Ich kenne diese Situation vom elften September. Dabei sind wir sehr auf die Zusammenarbeit mit den Behörden angewiesen, weil wir natürlich keine eigenen Vermisstenlisten führen. Mit den thailändischen Behörden in Kontakt zu treten, das dürfte schwieriger werden als die Suche nach Angehörigen im gut organisierten New York.

Wie wirkt sich eine solche Naturkatastrophe auf die Überlebenden aus?

Müller-Cyran: Im Unterschied zu einem Verbrechen können die Opfer in Südostasien die Ursache ihres Leids niemandem zuordnen. Auch die beispiellose Ausdehnung der Katastrophe macht es den Leuten schwer, zu begreifen, was geschehen ist. Was man gesehen hat, vergisst man ein Leben lang nicht. Wie lange die Menschen dieses Trauma mit sich herum tragen werden, hängt immer von ihrer Situation und der Persönlichkeit ab. Erfahrungsgemäß wirkt so eine Erfahrung aber länger nach, als die Betroffenen denken.

Wie stecken Sie selber die Belastungen dieses Einsatzes weg?

Müller-Cyran: Ich muss erst mal sehen, wie ich das wegstecke. Ich weiß auch nicht, welchen Gesundheitsrisiken wir uns dort aussetzen. Aber ich bin zuversichtlich.

Das Interview führte Lennart Herberhold

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