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Die Suche nach Schuldigen am Dioxin-Skandal läuft auf Hochtouren.

Dioxin: Suche nach Schuldigen und Konsequenzen

Berlin - Wer ist schuld am Dioxin in Eiern und Tierfutter? Staatsanwälte ermitteln gegen den Futterhersteller, die Regierung prüft Konsequenzen. Bauern, deren Höfe auf Verdacht gesperrt wurden, sind wütend.

Nach den Dioxinfunden in Eiern und Tierfutter prüft die Bundesregierung schärfere Regeln für die Hersteller. Ursache des Skandals war die Verwendung von Fett, das nur für technische Zwecke geeignet ist, in der Futtermittelproduktion. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Firma Harles & Jentzsch aus dem schleswig-holsteinischen Uetersen. Mehr als 1000 Bauernhöfe in mehreren Bundesländern sind gesperrt. Sie dürfen ihre Ware erst wieder verkaufen, wenn sie auf eigene Kosten in Labortests die Unbedenklichkeit nachgewiesen haben.

Dioxin kann Krebs auslösen. Die genaue Quelle der Verunreinigung ist weiter unbekannt. Die Betroffenen weisen sich gegenseitig die Verantwortung zu. Politiker versicherten, dass keine Gefahr für die Gesundheit der Verbraucher bestehe - auch wenn belastete Eier in den Handel kamen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung gab ebenfalls vorläufig Entwarnung. “Von den Informationen, die wir haben, kann man davon ausgehen, dass eine akute Gefährdung des Verbrauchers beim Verzehr von Eiern nicht besteht“, sagte der Leiter für Futtermittel bei der Bundesbehörde, Helmut Schafft, am Dienstag.

DGE warnt vor Panikmache 

Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) warnte vor Panikreaktionen, riet aber, Kinder sollten derzeit sicherheitshalber nicht täglich Eiergerichte essen. Harles & Jentzsch kaufte nach eigenen Angaben jahrelang Reste aus der Biodiesel-Herstellung auf und verarbeitete sie für Viehfutter. “Wir waren leichtfertig der irrigen Annahme, dass die Mischfettsäure, die bei der Herstellung von Biodiesel aus Palm-, Soja- und Rapsöl anfällt, für die Futtermittelherstellung geeignet ist“, zitierte das “Westfalen-Blatt“ den Geschäftsführer Siegfried Sievert. Der Lieferant des Rohstoffs, die Petrotec AG aus Borken (Nordrhein-Westfalen), betonte: “Wir haben in sämtlichen Verträgen, Lieferscheinen und Rechnungen stets darauf hingewiesen, dass die Mischfettsäure aus Altspeisefett nicht für die Lebens- und Futtermittelindustrie, sondern ausschließlich zur technischen Verwendung bestimmt ist.“ Technische Verwendung kann zum Beispiel als Schmierfett sein.

Industriefette sind billiger als Nahrungsmittelfette. “Es stellt sich die Frage, ob es nicht ein zu hohes Risiko darstellt, wenn Betriebe, die Bestandteile für Futtermittel liefern, gleichzeitig technische Produkte vertreiben, die unter keinen Umständen in Lebensmittel oder Futtermittel gelangen dürfen“, sagte Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) der “Berliner Zeitung“ (Mittwoch). Ihr Ministerium werde mit den Ländern prüfen, ob und wie die Zulassungsbedingungen für Betriebe verschärft werden müssten. Der Agrarausschuss des Bundestags plant eine Sondersitzung. Nordrhein-Westfalens Agrarminister Johannes Remmel forderte, Futtermittel und Industriefette dürften nicht mehr am selben Ort verarbeitet werden dürfen: “Wir brauchen eine Trennung der Kreisläufe.“

Bauern befürchten Millionenschaden

Der Deutsche Bauernverband hält einen Millionenschaden für die gesperrten Höfe für möglich. “Wir reden über eine Sperrung von vielleicht einer Woche. Das tut weh. Das sind sehr schnell 10 000 oder 20 000 Euro Umsatz weniger in einem landwirtschaftlichen Betrieb“, sagte Generalsekretär Helmut Born am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Er forderte Schadenersatz: “Wer den Schaden verursacht, bezahlt ihn auch.“ Betroffen sind neben Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen mindestens auch Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen. Allein in Niedersachsen müssen die rund 1000 gesperrten Höfe nachweisen, dass ihre Lebensmittel unbedenklich sind. Solange dürfen sie mit Eiern und Fleisch nicht handeln. Die Kosten für die Kontrolle müssen sie selber bezahlen - die Stichprobe kostet laut Ministerium rund 1000 Euro.

Betroffen seien vor allem mittelständische Höfe. Die gesamten Labor-Tests könnten aber einige Wochen dauern, sagte ein Sprecher des Agrarministeriums in Hannover. Bei den Landwirten wächst inzwischen die Empörung. “Da ist kriminelle Energie am Werk gewesen“, sagte der ammerländische Kreislandwirt Manfred Gerken. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, der kleinere Höfe angehören, verlangte mehr Transparenz, wie die Wege bei der Futterherstellung verlaufen. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe ermittelt gegen Verantwortliche von Harles & Jentzsch. Oberstaatsanwalt Ralph Döpper in Itzehoe sieht einen Anfangsverdacht auf Verstoß gegen das Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittel-Gesetz. Auch die Staatsanwaltschaft im niedersächsischen Oldenburg ist eingeschaltet. Sie nahm ein Tanklager und eine Rührstation für Futterfett in Bösel bei Cloppenburg, die zu Harles & Jentzsch gehören, unter die Lupe.

dpa

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