Mitten in Berlin: Diplomat hielt Angestellte als Sklavin

Berlin - Mitten in Berlin werden Hausangestellte von einigen ausländischen Diplomaten angeblich wie moderne Sklaven behandelt. Eine Frau wurde über Monate hinweg ausgebeutet, ohne dass sie jemals Geld bekam.

Das geht aus einem am Montag veröffentlichten Bericht des Deutschen Instituts für Menschenrechte hervor. Das Institut will deshalb die Klage einer indonesischen Angestellten gegen einen Diplomaten aus Saudi-Arabien notfalls bis vors Bundesverfassungsgericht tragen. Die Frau wurde angeblich über Monate hinweg ausgebeutet, ohne dass sie jemals Geld bekam. Inzwischen ist sie wieder in ihrer Heimat. Das Institut forderte, auch Hausangestellten von ausländischen Diplomaten den Rechtsweg vor deutschen Gerichten zu eröffnen. Bislang wird dies durch die diplomatische Immunität - geregelt durch die Wiener Konvention von 1961 - praktisch verhindert.

Das Arbeitsgericht Berlin hatte die Klage der Indonesierin Mitte Juni für unzulässig erklärt, weil der saudische Diplomat nicht der deutschen Gerichtsbarkeit unterworfen sei. Die 30-Jährige behauptet, in der eineinhalbjährigen Arbeitszeit auch regelmäßig misshandelt worden zu sein. Der Diplomat, seine beiden Frauen sowie die Kinder sprachen sie angeblich nur mit dem arabischen Wort für “Scheiße“ an. Den vereinbarten Monatslohn von 750 Euro habe sie nie erhalten. Erst Ende Oktober 2010 sei ihr die Flucht gelungen. Jetzt verlangt sie rund 70 000 Euro Lohn und Schmerzensgeld. Der Rechtsanwalt des saudischen Diplomaten, Philipp von Berg, wies die Vorwürfe im Namen seines Mandaten zurück. Unklar ist, ob der Attaché immer noch in Deutschland arbeitet oder inzwischen nach Hause zurückgekehrt ist. Nach Angaben des Beratungsvereins Ban Ying gibt es jedes Jahr in Berlin etwa fünf bis zehn vergleichbare neue Fälle.

dpa

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