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Zum Zeitpunkt seines Todes plante Ueli Steck bereits seinen nächsten großen Coup.

Trauer um die „Schweizer Maschine“

Drama am Mount Everest: Darum musste Ueli Steck sterben

Kathmandu - Über den plötzlichen Tod des verstorbenen Ueli Steck werden immer mehr Details bekannt. Offenbar wurde dem Bergsteiger eine vermeintlich leichte Route zum Verhängnis.

Der Schweizer Extrem-Bergsteiger Ueli Steck ist am Mount Everest tödlich verunglückt. Steck sei am Sonntagmorgen am Nuptse, einem Siebentausender südwestlich des höchsten Bergs der Welt, der mit dem Mount Everest einen Bergkamm teilt, ums Leben gekommen, sagte Ang Tsering Sherpa von der nepalesischen Bergsteiger-Vereinigung. „Das Wetter war gut, die Sonne schien“, sagte Sherpa, der die Tour mitorganisiert hatte, gegenüber dem „Tages Anzeiger“. Im Gespräch mit dem Schweizer TV-Sender „TeleZüri“ fügte er an, das es sich bei dem Nuptse zwar um einen steilen Berg handle. Doch dieser stellte Steck - so Sherpa sinngemäß - eigentlich nicht vor technische Herausforderungen. Trotzdem sei der geübte Bergsteiger ausgerutscht und abgestürzt.

Steck galt als einer der besten Bergsteiger der Welt und war für seine besonders schnellen Solo-Besteigungen bekannt. Dinesh Bhattarai vom nepalesischen Tourismusministerium sagte, der Unfall habe sich an einem Bergkamm ereignet, der den Mount Everest mit dem Nuptse verbindet. Steck sei etwa tausend Meter vom Nuptse-Lager 2 entfernt abgestürzt. Andere Bergsteiger am Everest hätten die Rettungskräfte alarmiert. 

Steck stand kurz vor seinem größten Triumph

"Das sind sehr traurige Nachrichten", sagte Mingma Sherpa, der erste Nepalese, der alle 14 Achttausender der Welt bestiegen hat. Der Tod eines so erfahrenen Bergsteigers zeige, wie unvorhersehbar die Berge sein könnten. Der britische Bergsteiger Kenton Cool, der den Mount Everest bereits zwölf Mal bezwungen hat, nannte Steck eine "wahre Inspiration für alle". Cool schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter: "Ein Mann, der uns gezeigt hat, was in den Bergen und darüberhinaus alles möglich ist." Der 40-jährige Steck war am Mount Everest, um sich an die Höhenluft zu gewöhnen. 

Im Mai wollte er den höchsten Berg der Welt bezwingen und dabei eine noch nie zuvor genutzte Route nehmen. Steck hatte in der Vergangenheit zahlreiche Geschwindigkeitsrekorde aufgestellt und immer wieder neue Wege begangen. In den Alpen erkletterte er 2015 nach eigenen Angaben binnen 62 Tagen alle 82 Gipfel von mehr als 4000 Metern Höhe - und machte damit seinem Spitznamen "Schweizer Maschine" alle Ehre. Steck, der im Oktober 1976 in Langnau im Schweizer Emmental geboren wurde, war schon im Alter von zwölf Jahren ein begeisterter Bergsteiger.

Der Mount Everest: Ein dunkles Kapitel in Stecks Vergangenheit

 Als 18-Jähriger bezwang er die Eiger-Nordwand und später einige der anspruchsvollsten Berge der Welt - oft ohne einfachste Hilfsmittel wie Sauerstoffflaschen oder Fixseile. 2013 machte Steck internationale Schlagzeilen, als er und zwei andere Bergsteiger sich am Mount Everest eine Schlägerei mit wütenden einheimischen Bergführern lieferten. Die Sherpas werden für ihre anstrengende und gefährliche Arbeit oft nur schlecht bezahlt. Damals schwor Steck, er werde nie wieder zum Mount Everest zurückkehren, weil sein "Vertrauen verloren" sei. Nur wenige Monate später war er jedoch wieder im Himalaya, um den 8091 Meter hohen Anapurna über die steile Südwand zu besteigen. 

Der prominente Extrem-Bergsteiger sehnte sich nie nach dem Ruhm

Nach 28 Stunden stand Steck als erster Bergsteiger allein auf dem Gipfel. Gipfelfotos konnte er allerdings nicht vorweisen, weil er beim Aufstieg seine Kamera verloren hatte. Trotzdem wurde ihm für die spektakuläre Besteigung der Piolet d'Or, die höchste Auszeichnung im Bergsteigen, verliehen. Um Ruhm oder Rekorde sei es ihm beim Bergsteigen aber nie gegangen, sagte der gelernte Zimmermann im August 2015 der Nachrichtenagentur AFP in einem Interview. Er sei immer nur zu seinem "persönlichen Vergnügen" geklettert, versicherte Steck. Auch ums Geschäft sei es ihm nie gegangen: Er sei schon zufrieden gewesen, als er mit dem Bergsteigen so viel verdient habe wie mit seinem erlernten Beruf.


AFP/sl

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