+
Fast drei Millionen Beschäftigte putschen sich am Arbeitsplatz mit Medikamenten auf. Foto: Matthias Hiekel/Symbolbild

DAK-Studie: Millionen dopen am Arbeitsplatz

Termindruck, Stress und Angst um den Job - immer mehr Berufstätige greifen zu Beruhigungspillen oder Aufputschmitteln. Doch ein Experte warnt: "Wunderpillen gibt es nicht."

Berlin (dpa) - Stress und Leistungsdruck treiben immer mehr Menschen zum Doping am Arbeitsplatz. Bis zu fünf Millionen Beschäftigte putschen sich nach Schätzungen der Krankenkasse DAK manchmal mit verschreibungspflichtigen Medikamenten auf.

Regelmäßig dopen sich den Zahlen nach knapp eine Million Berufstätige. Männer bevorzugen Aufputschmittel, Frauen Beruhigungspillen. Das geht aus dem Gesundheitsreport 2015 der DAK-Gesundheit hervor.

Nach Angaben der Krankenkasse lag die Zahl der Berufstätigen, die eigentlich gesund waren, aber trotzdem leistungssteigernde Mittel oder Stimmungsaufheller für das sogenannte Hirndoping einnahmen, bei knapp drei Millionen. Das entspricht einer Steigerung in den vergangenen 6 Jahren um 2 Prozentpunkte auf 6,7 Prozent der Beschäftigten.

Die Kasse geht jedoch von einer Dunkelziffer von bis zu 12 Prozent oder rund 5 Millionen Beschäftigten aus, die schon einmal derartige Substanzen missbräuchlich eingenommen haben.

Auch wenn man noch nicht von einem Massenphänomen sprechen könne, seien Suchtgefahren und Nebenwirkungen des Hirndopings nicht zu unterschätzen, mahnte DAK-Chef Herbert Rebscher. Denn: "Wunderpillen gibt es nicht."

Entgegen der gängigen Meinung seien es in erster Linie nicht Top-Manager oder Kreative, die sich mit Medikamenten zu Hochleistungen bringen wollten, sondern das Problem liege ganz anders: "Je unsicherer der Arbeitsplatz und je einfacher die Arbeit, desto höher ist das Risiko für Hirndoping."

So hätten bei den Beschäftigten mit einer einfachen Tätigkeit bereits 8,5 Prozent Stimulanzien eingenommen, bei Gelernten oder Qualifizierten seien es 6,7 Prozent gewesen und bei Hochqualifizierten 5,1 Prozent. "Das Klischee der dopenden Top-Manager ist damit vom Tisch", erläuterte Rebscher.

Zu verschreibungspflichtigen Leistungssteigerern oder Beruhigungspillen zählen Medikamente zur Behandlung von Demenz, Depressionen oder Aufmerksamkeits- und Schlafstörungen. Ein Großteil kommt über Ärzte an die Mittel. Aber auch Freunde, Bekannte oder Familienangehörige seien oft bereit, solche Medikamente weiterzugeben. Ein zunehmender Faktor sei der Internethandel.

Die Krankenkasse wertete für ihren Report Arzneimitteldaten von 2,6 Millionen erwerbstätigen Versicherten aus und befragte zusätzlich 5000 Berufstätige im Alter zwischen 20 und 50 Jahren.

Initiative Gesundheit und Arbeit zu Hirndoping

Karrierebibel zu Doping am Arbeitsplatz

Ärzteblatt zu Doping im Beruf

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Musste Frau aus religiösen Gründen sterben? 
Heilbronn - Er soll eine schlafende Seniorin getötet und danach arabische Schriftzeichen mit religiösen Botschaften im Haus hinterlassen haben. Vor dem Heilbronner …
Musste Frau aus religiösen Gründen sterben? 
56 Schnäpse: Barbesitzer nach tödlichem Wettsaufen verurteilt
Clermont-Ferrand - Weil der Mann hinter der Theke nicht einschritt, hat ein Mann in Frankreich 56 Schnäpse geext. Der Bar-Rekord war ihm damit zwar sicher - sein Tod …
56 Schnäpse: Barbesitzer nach tödlichem Wettsaufen verurteilt
Mann (21) erwürgt Mutter und lässt das Baby im Stich
Wuppertal - Drama in einem Wuppertaler Mehrfamilienhaus: Neben der Leiche einer 20-jährigen Mutter liegt ihr schreiendes, drei Monate altes Baby. Die Obduktion ergibt, …
Mann (21) erwürgt Mutter und lässt das Baby im Stich
Heftige Schneefälle sorgen in Spanien für Chaos
Valencia - Rund 2000 Menschen haben im Osten Spaniens die Nacht zum Freitag bei eisigen Temperaturen auf einer eingeschneiten Autobahn verbracht.
Heftige Schneefälle sorgen in Spanien für Chaos

Kommentare