Dieses Schild hing in einem Dresdner Linienbus.
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Dieses Schild hing in einem Dresdner Linienbus.

Rassismus-Eklat

Busfahrer provoziert mit eindeutiger Botschaft und Ausrede: Arbeitgeber reagiert gnadenlos

  • Carolin Huber
    vonCarolin Huber
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Ein Busfahrer sorgt mit Schild in Frakturschrift für Aufregung. Bekannt wird der Fall, nachdem ein Fahrgast ein Bild im Internet veröffentlicht. 

  • Busfahrer sorgt mit einem Schild für Empörung.
  • Aufgefallen ist das Schild einem jungen Fahrgast, er wendet sich per Twitter an Verkehrsbetriebe.
  • Reaktion des Transport-Unternehmens auf Schild und Ausrede: Fahrer suspendiert.

Update vom 18. Dezember, 9.55 Uhr: Einen Tag nachdem ein passiv-rassistisches Schild mit den Worten „Diesen Bus steuert ein Deutscher Fahrer“ auf Twitter für Aufregung gesorgt hat (siehe unten), reagiert der Arbeitgeber des Busfahrers: „Wir sind erschrocken. Unser Unternehmen kann keine Plattform für politische Auseinandersetzungen sein“, sagt Matthias Peschke, Firmenchef von Sachsentransporte

Mittlerweile ist der 52-jährige Busfahrer vom Dienst freigestellt. Warum wird dieser Busfahrer nicht gekündigt? Laut Peschke sei der Busfahrer seit acht Jahren bei Sachtsentransporte tätig, bisher sei dieser Busfahrer nie negativ aufgefallen. 

Gegenüber Kollegen hat der Busfahrer erklärt, was ihn zum Anbringen des Schildes motiviert haben soll. „Er wollte klarmachen, dass er der deutschen Sprache mächtig ist“, sagt ein Kollege. Wegen Personalknappheit sollen beim Busunternehmen Sachsentransporte gerüchteweise Fahrer aus Serbien und Osteuropa angeworben werden, die kein Deutsch können. „Davon höre ich zum ersten Mal“, dementiert Geschäftsführer Peschke gegenüber der „Bild Zeitung“. 

„Deutscher Busfahrer“ provoziert mit Schild: Passagier fassungslos

Erstmeldung vom 9. Dezember 2019, 7.25 Uhr:

Dresden - „Diesen Bus steuert ein Deutscher Fahrer“ - diese provokant klingenden Worte hat sich ein Busfahrer in Dresden in Frakturschrift an seine Windschutzscheibe geheftet. Das wurde ihm jetzt zum Verhängnis.

Es war ein ganz normaler Montagmorgen für Peter Dörffel, einen 23-jährigen Krankenpfleger aus Dresden. Bis er beim Einsteigen in den Bus der Linie 90 zwischen Löbtau und Gompitz das Schild bemerkte, das sein Busfahrer sich an die Scheibe gepinnt hatte. „Diesen Bus steuert ein Deutscher Fahrer“, stand da - in altdeutscher Frakturschrift verfasst.

Beim Aussteigen machte Dörffel ein Foto und veröffentlichte es auf Twitter:

Deutscher Busfahrer provoziert mit Schild in Frakturschrift: „Was zur Hölle soll das“

„Was zur Hölle soll das“, betitelte Dörffel sein Bild kurz und knapp. Die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB), an die er den Tweet adressierte, reagierten umgehend mit einem kommentierten Retweet: „Hallo, die Nachricht hat uns schon erreicht. Wir fragen uns auch, was mit dem Kollegen nicht stimmt.“ Man kündigte außerdem an, das Verhalten werde Konsequenzen haben.

DVB reagiert auf Skandal um ein Schild in Frakturschrift: „Absolut inakzeptabel“

„Solch ein Verhalten ist absolut inakzeptabel. Wir haben uns umgehend mit dem entsprechenden Subunternehmen in Verbindung gesetzt. Jetzt muss der Vorfall aufgearbeitet werden“, sagte DVB-Sprecher Falk Lösch später den Dresdner Neusten Nachrichten. „Das schadet unserer Reputation. Wir sind weltoffen.“ 

Der Busfahrer, der für das Subunternehmen Sachsentransport arbeitet, werde keine Busse der Stadt Dresden mehr lenken. Insbesondere sei die Aktion auch deswegen schädlich, weil das Unternehmen sich aufgrund der großen Personalnot gerade bemüht, Busfahrer aus Serbien für Dresden anzuwerben. 

Video: Schnell reagiert - Busfahrer schließt Dieb im Bus ein

Busfahrer: Helden des Alltags und Stein des Anstoßes

In der Region um München hat ein anderer Busfahrer kürzlich für Rührung gesorgt. Er half einem Flüchtlingsjungen, der falsch zugestiegen war, seinen Weg zurück nach Hause zu finden, wie Merkur.de* berichtet. Ein dritter Busfahrer dagegen muss ein Nachspiel befürchten, nachdem er in einem Schulbus zu heftig durchgriff. Auch hier berichtete Merkur.de*.

Das war wohl keine gute Idee: Die Polizei München machte zwei Schüler ausfindig, die über soziale Netzwerke antisemitisches Material verbreitet haben.

Ein Aushang in Berlin beginnt mit "Ich suche dich" - doch es geht um etwas Schlimmes.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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