Drogensüchtiger bekommt Geld für Sterilisation

London - Eine umstrittene Organisation aus den USA hat einem drogensüchtigen Briten rund 230 Euro (200 Pfund) bezahlt, damit sich dieser sterilisieren lässt.

Die Vereinigung “Project Prevention“ will verhindern, dass mögliche Kinder drogenabhängiger Eltern psychisch und körperlich unter den Folgen der Sucht leiden. Wie der Sender BBC am Montag berichtete, bezahlt sie Alkohol- und Drogensüchtigen daher Geld für ihre endgültige Entscheidung gegen Nachwuchs. Britische Organisationen zur Suchthilfe kritisieren das Projekt.

In den USA haben bereits 3500 Männer und Frauen das Angebot angenommen, heißt es in dem Bericht des Senders, der am Montagabend ausgestrahlt werden sollte. Seit einigen Monaten hat die Organisation ihre Aktivitäten nach Großbritannien ausgeweitet. Der 38 Jahre alte Mann hatte den Eingriff bereits Mitte September vornehmen lassen. Die Gründerin von “Project Prevention“, die US-Amerikanerin Barbara Harris, hat vier Adoptivkinder, deren leibliche Mutter drogenabhängig war.

Sie habe selber gesehen, wie die Sucht der Mutter die Kinder beeinflusst habe, heißt es auf der Internetseite der Organisation. Eines ihrer Kinder habe durch den Drogenkonsum der leiblichen Mutter während der Schwangerschaft Hirnschäden erlitten. Mehrere Hilfsorganisationen für Drogenabhängige richten sich gegen das Angebot. “Project Prevention“ habe in Großbritannien nichts zu suchen, sagte Simon Antrobus von der Organisation “Addaction“. “Sie nutzen extrem verwundbare Menschen aus, und dass zu einem Zeitpunkt in ihrem Leben, in dem sie wahrscheinlich an einem Tiefpunkt angelangt sind.“

Die Ärztevertretung British Medical Association teilte mit, man habe noch keinen Standpunkt zu den Vorgängen entwickelt. Generell müssten Ärzte aber vor jeder Sterilisation genau beraten und prüfen, ob der Patient die Folgen des Eingriffs durchdacht habe.

Der 38 Jahre alte Brite, der seinen Namen geheim halten wollte, ist dem Bericht zufolge seit 15 Jahren drogenabhängig. Im Alter von elf Jahren war er erstmals mit Rauschgiften in Kontakt gekommen. Das Geld habe ihn definitiv dazu angeregt, die Sterilisation durchführen zu lassen, sagte er der BBC. Darüber nachgedacht habe er aber auch schon vorher. Der Mann wollte mit dem Geld unter anderem Mietschulden bezahlen. “Ich werde niemals in der Lage sein, ein Kind aufzuziehen. Ich kann ja kaum für mich selber sorgen“, sagte er.

dpa

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