Beunruhigende Prognose

Corona-Impfungen in Deutschland: Virologe Drosten malt düsteres Bild - „Es wird eben nicht so sein, dass ...“

Virologe Christian Drosten warnt vor einer vorschnellen Impfstoff-Euphorie und malt ein betrübliches Bild für den kommenden Sommer.

  • Im nächsten Jahr gibt es auch in Deutschland die ersten Impfungen gegen das Coronavirus.
  • Politik und Gesellschaft hoffen, der Covid-19-Pandemie so ein Ende setzen zu können.
  • Virologe Christian Drosten mahnt aber zur Vorsicht und gibt einen beunruhigenden Ausblick.

Berlin - Immer wieder dienstags erklärt Christian Drosten in seinem NDR-Podcast „Coronavirus-Update“ die wichtigsten Fragen zu Covid-19. Dabei geht er auch auf aktuelle Entwicklungen ein und beurteilt diese aus wissenschaftlicher Sicht. In den vergangenen Wochen sprachen in Deutschland viele von einem Silberstreif am Horizont: dem Impfstoff. Drosten nimmt in seiner jüngsten Folge allerdings einige Illusion mit Blick auf das Vakzin.

„Es wird nicht so sein, dass bis Ende Januar ganz viele Leute in der Bevölkerung schon geimpft sind. Diese zeitlichen Vorstellungen werden so einfach nicht zu erfüllen sein“, mahnt er. Die Zeithorizonte, von denen man in Deutschland momentan ausgehe, seien unrealistisch. „Wir haben in der Öffentlichkeit eine verzerrte Wahrnehmung, die sicherlich durch Erfolgsmeldungen aus der Politik entstanden sind“, so Drosten.

Christian Drosten im Podcast: Impfstoff wird die Corona-Pandemie nicht beenden

Vernachlässigt wurden dabei laut Drosten konkrete Fakten, über welchen Zeitrahmen gesprochen wird. Auch sei noch unklar, wann welche Liefermengen des Impfstoffs zur Verfügung stünden. Wird mit den aktuell in Aussicht stehenden Lieferzahlen gerechnet, werden diese nicht genügen, um die weltweite Ausbreitung des Virus zu stoppen, glaubt der Experte. „Wir müssen uns deswegen unbedingt mit der Realität befassen, dass wir mit nicht-pharmazeutischen Interventionen weiterarbeiten müssen.“ Abstandsregeln, Hygienemaßnahmen und Kontaktbeschränkungen werden uns also noch länger begleiten.

Trotz der Anwendung von Impfstoffen prognostiziert er für den Sommer 2021 alles andere als rosige Aussichten. „Wir werden zu irgendeinem Zeitpunkt im Sommer eine Situation haben, in der man vielleicht konstatieren kann, diejenigen, die ein sehr hohes Risiko haben und die sich impfen lassen wollten, die sind jetzt geimpft“, führt Drosten aus . Das mag zunächst nach einer guten Nachricht klingen, birgt aber auch ein großes Problem.

Corona-Impfung in Deutschland: Lockdown wird dann nicht mehr akzeptiert

Denn Drosten glaubt nicht, dass man nicht-pharmazeutische Maßnahmen dann noch an die Bevölkerung vermitteln kann. Das bedeutet neuerliche Lockdowns ganz gleich welcher Abstufung würden wahrscheinlich nicht mehr akzeptiert. Die Wirtschaft kehrt dann zurück zum Normalbetrieb, auch (Groß-)Veranstaltungen finden wieder statt. All das mit einer schwerwiegenden Konsequenz.

 „Wir werden zu einem Zeitpunkt in eine Situation kommen, in dem die Infektionen in der Bevölkerung in großem Maße laufen. Und das haben wir bisher noch nicht erlebt“, so Drosten. Die warmen Sommer-Grade würden sich zwar günstig auswirken, aber danach werde es ein verändertes Infektionsgeschehen geben: „ Wir werden dann aus dem Sommer rauskommen und werden dann auch große Infektionszahlen sehen in einer Bevölkerung, die wir im Moment nicht haben. In der gesunden, normalen, jüngeren Bevölkerung, wo keine Risikofaktoren sind.“ (mam)

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