Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie, Charité Berlin, nimmt an einer Pressekonferenz zur aktuellen Lage um die Corona Pandemie teil.
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Im NDR-Podcast erklärte Christian Drosten, dass „jeder“ gegen das Coronavirus immun wird.

NDR-Podcast

Drosten radikal: Entscheidung gegen Corona-Impfung ist aktive Entscheidung für eine Infektion

  • Michelle Brey
    vonMichelle Brey
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Der Impfstoff ist der große Hoffnungsträger in der Corona-Pandemie. Virologe Drosten hat eine deutliche Botschaft an Menschen, „die sich aktiv gegen eine Impfung entscheiden“.

München - „Der Sommer in Deutschland wird gut werden“: Mit diesen Worten machte der Virologe Christian Drosten zuletzt Hoffnung. In der 88. Folge des NDR-Podcasts „Coronavirus-Update“ mit dem Titel „Impfmission possible“ hatte er nun eine Botschaft an Impfskeptiker und erklärte den Effekt einer ersten Impfdosis auf die Verbreitung des Coronavirus anhand einer Studie.

Effekt der ersten Corona-Impfdosis - Drosten: „Und die Pandemie wäre vorbei“

Eine viel gestellte Frage, auf die es nun Antworten gibt: Welchen Effekt hat die erste Impfung gegen das Coronavirus auf die Verbreitung? Eine Studie von Public Health England beleuchtete das Thema. Dabei wurden die Vakzine der Hersteller Biontech/Pfizer und Astrazeneca betrachtet. Über eine halbe Million Infizierte und deren Haushaltskontakte seien einbezogen und ausgewertet worden. Die Ergebnisse seien auf alle Alterklassen übertragbar, erklärte Christian Drosten.

„Die Botschaft ist sehr einfach“, sagte Drosten. Je nach Auswertung der Daten betrage die Reduktion der Weitergabe des Virus nach einer Impfdosis um bis zu 49 Prozent. „In anderen Worten: Eine Impfung halbiert die Weiterübertragung“, fasste er zusammen.

„Wenn wir also schon die ganze Bevölkerung versorgt hätten mit einer ersten Dosis, dann würden wir ganz von selbst halbieren“, so der Virologe in Bezug auf den R-Wert. Diese Kennzahl gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter durchschnittlich ansteckt. „Wir kämen dann auf 0,5 - und die Pandemie wäre vorbei“, stellte Drosten das Studienergebnis in einen Kontext für Deutschland. Gleichzeitig relativierte er mit Blick auf die aktuellen Impfzahlen: „So eine erwartbare Halbierung haben wir in Deutschland aber nicht.“

Hierzulande sind 33,3 Prozent der Gesamtbevölkerung - also jeder Dritte in Deutschland - mindestens einmal geimpft worden. 9,6 Prozent haben laut Robert-Koch-Institut den vollständigen Impfschutz erhalten (Stand: 11. Mai, 15.35 Uhr). Die Ergebnisse der Studie auf Deutschland zu projizieren, wäre deshalb nicht möglich. Dennoch werde man das „irgendwann“ erreichen - in Form von Impfung oder Infektion.

Corona in Deutschland: Wann ist Deutschland immun? - Drosten gibt Prognose ab

Denn, so Drosten, „jeder wird immun“. 100 Prozent der Bevölkerung werde ungefähr innerhalb der kommenden eineinhalb Jahre immun gegen das Coronavirus, so die Schätzung des Virologen im NDR-Podcast. „Entweder durch die Impfung oder durch eine natürliche Infektion“, erklärte er. „Dieses Virus wird endemisch, das wird nicht weggehen. Und wer sich jetzt beispielsweise aktiv dagegen entscheidet, sich impfen zu lassen, der wird sich unweigerlich infizieren.“

Dagegen könne man nichts tun, weil die Maßnahmen mit der Zeit immer weiter abnehmen würden. Dann zirkuliere das Virus in der Bevölkerung, beispielsweise unbemerkt im Rachen von Geimpften oder bei jüngeren Kindern, die noch keine Impfung erhalten können. „Das Virus wird unerkannterweise unter einer Decke des Immunschutzes sich weiter verbreiten. Und dann trifft es immer auch auf Leute, die nicht immunisiert sind durch eine Impfung, die voll empfänglich sind.“

Corona-Botschaft an Impfskeptiker: „Die müssen wissen, dass sie sich damit aktiv für die natürliche Infektion entscheiden“

Nach Einschätzung des Virologen wird es daher auch im nächsten Winter noch Covid-19-Fälle auf den Intensivstationen geben. Zum Winter hin, so Drosten zu Beginn des NDR-Podcasts, werde das Geschehen dann dem der Influenza ähnlicher. Ob man sich impfen lasse, sei „eine freie Entscheidung“. Drosten verdeutlichte jedoch: „Ich glaube, diejenigen, die sich aktiv gegen die Impfung entscheiden, die müssen wissen, dass sie sich damit auch aktiv für die natürliche Infektion entscheiden. Ohne jede Wertung.“

Indes können viele anscheinend ihre Corona-Impfung in Deutschland gar nicht mehr erwarten. Wie die ARD zeigte, wollten sich in einer Woche in nur einer Stadt 2000 Menschen vordrängeln. (mbr)

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