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„Kontaktreduktion“: Delta falsch eingeschätzt - Drosten rechnet wieder mit Corona-Verschärfungen

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Von: Franziska Schwarz

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„Die Impfquote reicht überhaupt nicht“, ist sich Virologe Christian Drosten in einem aktuellen Interview sicher. England sei Deutschland zur Zeit in der Pandemiebekämpfung weit voraus.

Berlin - „Wir werden gesamtgesellschaftlich die Zahl der Kontakte wieder einschränken müssen“: Der Berliner Virologe Christian Drosten hält angesichts des sinkenden Impftempos in Deutschland neue Corona-Beschränkungen für möglich. „Die Infektionslast steigt im Herbst“, erläuterte der Forscher der Berliner Charité seine Prognose im Gespräch mit dem Deutschlandfunk (Dlf).

Es müsse unbedingt an der Impfquote gearbeitet werden. Die derzeitige Quote von 61 Prozent vollständig Geimpfter reiche überhaupt nicht. „Mit dieser Quote können wir nicht in den Herbst gehen“, sagte Drosten. Für Kinder unter 12 Jahren empfahl er, die regelmäßigen Corona-Tests in den Schulen beizubehalten.

Drosten geht von erneuten Kontaktbeschränkungen wegen Corona aus

Im Zusammenhang mit den erwarteten Kontaktbeschränkungen erwähnt Drosten in dem Dlf-Interview einen aktualisierten Lagebericht des Robert-Koch-Instituts (RKI). Dort stehe: „Wir werden gegen Anfang Oktober eine 10-prozentige Kontaktreduktion und gegen Anfang November eine 30-prozentige nochmalige Kontaktreduktion brauchen, angesichts der erwartbaren Lage in den Krankenhäusern.“

Der Grund für diese Annahme? Die erste Modellierung des RKI habe auf einem Kenntnisstand von Ende Juni basiert, doch inzwischen sei anzunehmen, das die Übertragungsrate der Delta-Mutation zu niedrig eingeschätzt wurde. Auch seien neue Daten aus England bekannt, nach denen Delta die Schwere eines Covid-Verlaufs teils sogar verdoppeln könnte. Inzwischen wisse man außerdem, dass Geimpfte „nach vier, fünf, sechs Monaten deutlich den Übertragungsschutz verlieren“.

„Einfach zu optimistisch“ seien überdies die RKI-Annahmen zur deutschen Impfquote in der ursprünglichen Modellierung: „Wir kommen als Bevölkerung mit der Impfgeschwindigkeit nicht hinterher.“

Corona in Deutschland: Kontaktbeschränkungen für Geimpfte?

Dlf-Journalistin Sandra Schulz zitiert in dem Gespräch auch Drostens Kollegen Hendrik Streeck. Der sprach kürzlich im Talk von Markus Lanz (ZDF) über seine Erfahrungen mit Impfskeptikern und warnte: „Man muss mehr verständlich machen, was der Impfschutz eigentlich ist, was er kann, was er nicht kann.“

„Ich bin auch kein Kommunikationsexperte“, ist Drostens Antwort darauf, bevor er sogleich auf eine positive, neue Entwicklung verweist – in England allerdings: Dort seien aktuell gut 95 Prozent der Erwachsenen (mindestens einmal) geimpft oder genesen. „In England hat man durchaus die Chance jetzt auf einen Herbst, der ganz anders aussehen wird als der letzte, und davon sind wir in Deutschland wirklich weit entfernt.“

Dass die Corona-Impfung hierzulande nun, da die Vakzine ausreichend vorhanden seien, auf Skepsis stößt, sei „ein großes Problem“, denn die beste Antwort auf die Pandemie als „gesamtgesellschaftliche Problem“ sei die Impfung. „Die Testung war von Anfang an ein Behelfsmittel“, so Drosten.

Der Experte geht also von erneuten Corona-Maßnahmen im Herbst aus, relativiert aber gleich zu Beginn des Dlf-Interviews, dass diese in Deutschland „relativ schnell in der Öffentlichkeit leichtfertig als Lockdown bezeichnet werden, was sie nie gewesen sind in diesem Sinne, wenn man das in anderen Ländern anschaut“. (frs)

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