1. Startseite
  2. Welt

Trotz erfreulicher Omikron-Daten macht Drosten eine Sache Sorgen: „Ist leider ein deutsches Spezial-Problem“

Erstellt:

Von: Marc Dimitriu

Kommentare

Drosten sieht ein „deutsches Spezial-Problem“, trotzdem machen ihn neue Omikron-Daten optimistisch.
Drosten sieht ein „deutsches Spezial-Problem“, trotzdem machen ihn neue Omikron-Daten optimistisch. © Jürgen Heinrich via www.imago-images.de

Obwohl es erfreuliche neue Daten zum Omikron gibt, bereitet eine Sache Virologe Drosten Sorgen. Das Problem sei ein speziell Deutsches.

Mainz/Köln - Eine letzte schwere Corona-Welle mit Omikron und dann wird alles besser? Prominente Virologen sehen Anlass für vorsichtigen Optimismus bei der weiteren Entwicklung der Pandemie in Deutschland. Der Berliner Virologe Christian Drosten verweist auf Daten aus Südafrika, wo sich die besonders ansteckende Virusvariante Omikron zunächst verbreitet hatte: „In gewisser Weise kann uns das beruhigen. Südafrika ist sicher ein Blick in eine Zukunft, in eine endemische Situation, die sich dort gerade einstellt“, sagte Drosten am Abend des 30. Dezember im ZDF-„heute journal“. Dort ist die Inzidenz in den letzten Tagen wieder deutlich gefallen auf 121,9. Mitte Dezember lag sie noch bei über 270.

„Das ist leider ein deutsches Spezial-Problem“: Drosten sieht Deutschland wegen vieler Ungeimpfter in Gefahr

„Nur sind wir leider noch ein ganzes Stück davon entfernt“, erklärt er mit Blick auf Deutschland. Der Übergang von einer pandemischen zu einer endemischen Situation bedeutet, dass das Virus sich zwar weiterhin verbreitet, aber weniger gefährlich ist - vergleichbar etwa den typischen Erkältungsviren, zu denen auch andere Coronaviren zählen. Sorgen mache sich Drosten aber um die relativ große Gruppe der Bürger, die weder geimpft noch genesen seien: „Das ist leider ein deutsches Spezialproblem.“ Wir wüssten nicht, was das für uns dann bedeutet, erklärte der Virologe. „Selbst wenn bei Geimpften die Krankheitsschwere doch erträglich werden sollte, haben wir doch diese große Gruppe in der Bevölkerung, um die man sich da Sorgen machen muss. Und die sicherlich ein bisschen das politische Handeln dann mitbestimmen wird.“

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) äußerte sich in der Nacht ebenfalls vorsichtig auf Twitter über die Daten aus Südafrika: „Sehr interessante Studie zu Omicron in SA im @TheLancet. Zeigt, dass Omicron sich zwar 4-mal so schnell wie Delta verbreitete, aber deutlich weniger schwere Fälle verursachte. Trotzdem lassen die Daten keine klaren Schlüsse auf ältere Ungeimpfte zu.“

Streeck: Virologe glaubt, dass Maßnahmen vorerst reichen - „Wir müssen erstmal abwarten“

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck sagte hingegen in der Sendung „RTL Direkt“: „Deutschland hat Glück, dass die anderen Länder uns voraus sind. Wir können sehen, was dort passiert, und uns darauf einstellen.“ Außerdem hätte die Politik hierzulande „ziemlich starke Maßnahmen“ ergriffen. „Das lässt hoffen, dass wir eine mildere Welle bekommen.“ Streeck und Drosten sitzen im neuen Expertenrat der Bundesregierung. Die meisten Experten wie auch Gesundheitsminister Lauterbach rechnen damit, dass eine schwere Omikron-Welle Deutschland erst noch bevorsteht.

Noch härtere Corona-Regeln hält Streeck derzeit nicht für notwendig: „Wir müssen erstmal abwarten, bis wir eine bessere Datenlage haben, um dann zu sehen, wie sich die Fallzahlen entwickeln.“ Mit milderem Wetter im Frühjahr werde die Zahl der Infektionen wieder zurückgehen, deshalb werde Deutschland sicher „einen entspannten Sommer haben“.

Lage in Großbritannien auch für Drosten ermutigend - Karagiannidis sieht große Belastung auf Krankenhäuser zukommen

Auch die Entwicklung in Großbritannien mit Blick auf Omikron sei ermutigend, sagte Christian Drosten, „denn die Zahl der schweren Erkrankungen scheint geringer zu sein“. Er sieht allerdings in Deutschland die Politik weiter gefordert, „vielleicht bis Ostern“. Danach könnte ein „Update“ der Impfstoffe mehr Sicherheit auch gegen Omikron schaffen.

Etwas pessimistischer als Drosten und Streeck zeigt sich der Leiter des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Christian Karagiannidis. Es sei möglich, dass die Omikron-Variante mildere Krankheitsverläufe verursache, sagte er der Rheinischen Post am 31. Dezember. „Die schiere Anzahl von Neuinfektionen, auf die wir derzeit zusteuern, könnte die Intensivkapazitäten dennoch vor große Herausforderungen stellen, noch mehr aber die Hospitalisierung insgesamt.“ Daher sollten sich Bund und Länder schnell auf ein Warnsystem aus den Faktoren Intensivbettenbelegung, Hospitalisierungsquote und Inzidenz einigen. (md mit dpa)

Auch interessant

Kommentare