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Eine Reproduktion eines Farbausdruckes der Polizei, der die Tatwaffe des Amokläufers von Winnenden, eine Beretta 9mm, zeigt.

Durchsuchungs-Video im Winnenden-Prozess

Stuttgart - Mit der Vorführung eines Videos von der Durchsuchung des Wohnhauses des Angeklagten ist am Donnerstag vor dem Landgericht Stuttgart der Prozess gegen den Vater des Amokläufers von Winnenden fortgesetzt worden.

In den kurz nach der Bluttat in der Albertville-Realschule gemachten Aufnahmen war zu sehen, wie der 51-jährige Angeklagte das Haus im Beisein von Polizeibeamten betrat und überprüfte, ob Waffen im Haus fehlten. Außerdem wurde am neunten Verhandlungstag ein Polizeibeamter befragt, der den Angeklagten nach der Hausdurchsuchung vernommen hatte. Das knapp dreiminütige Video zeigte, wie sich der Angeklagte zunächst zielstrebig in das elterliche Schlafzimmer begab, den Kleiderschrank öffnete und bezugnehmend auf die Beretta 9 Millimeter, die er dort aufbewahrt hatte, sagte: “Weg. Sie ist weg.“ Auch die im Nachttisch aufbewahrte Munition fehlte. Anschließend ging er in den Keller des Hauses, öffnete dort zwei verschlossene Waffenschränke und sagte: “Ansonsten ist alles da.“ Auch ein dritter Schrank, der offenbar Munition enthielt, wurde vom Angeklagten in Augenschein genommen. Der Leiter des Spezialeinsatzkommandos (SEK), das die Aufnahmen machte, sagte, der Angeklagte sei zu diesem Zeitpunkt nicht gefragt worden, warum die Beretta nicht im Waffenschrank gelegen habe. Der 17 Jahre alte Tim K. hatte am 11. März 2009 bei einem Amoklauf in Winnenden und seiner anschließenden Flucht in Wendlingen 15 Menschen und anschließend sich selbst getötet. Die Tatwaffe hatte er aus dem Schlafzimmer der Eltern entwendet. Tim K.s Vater muss sich seit dem 16. September vor Gericht wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz verantworten, weil er seinem Sohn Zugriff auf eine erlaubnispflichtige Schusswaffe sowie Munition ermöglicht hat.

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Waffe im Kleiderschrank “zum eigenen Schutz“

Die Verteidigung legte Einspruch gegen die gerichtliche Verwertung der vom Angeklagten in dem Video gemachten Aussagen ein. Sie begründete dies damit, dass der Angeklagte weder über seine Rechte als Beschuldigter noch über sein Zeugnisverweigerungsrecht aufgeklärt worden sei. Nach dem Video wurden Aussagen des Angeklagten verlesen, die dieser bei einer polizeilichen Vernehmung nach der Hausdurchsuchung gemacht hatte. Demnach sagte der 51-Jährige, dass er keinerlei Hinweise auf die Tat gehabt habe. Auf die Frage, warum die Tatwaffe nicht im Waffentresor aufbewahrt wurde, habe er geantwortet: “Zum eigenen Schutz“. Er habe seinem Sohn nie erzählt, dass die Waffe in dem Schrank liege, schließe aber nicht aus, dass dieser ihn möglicherweise dabei beobachtet haben könnte, wie er die Waffe nach dem Schießtraining in den Kleiderschrank legte.

Angeklagter: “Das war vielleicht am besten so“

Kriminalhauptkommissar Jürgen Stimpfle, der Tim K.s Vater damals vernommen hatte, sagte aus, der Angeklagte habe einen “bedrückten, aber gefassten Eindruck“ gemacht. Als er ihn im Laufe der Befragung über den Tod seines Sohnes informiert habe, habe der Angeklagte gesagt: “Das war vielleicht am besten so.“

Mehrere Nebenkläger verließen aus Protest den Gerichtssaal

Während der Befragung verließen sieben Nebenkläger aus Protest gegen die Vorgehensweise der Verteidigung vorübergehend den Gerichtssaal. Dadurch dass einige Fragen mehrfach gestellt würden, würden alte Wunden wieder aufgerissen, erklärten sie. Der Prozess wird am Dienstag (19. Oktober) mit der Vernehmung zweier Waffensachverständiger fortgesetzt.

dapd

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