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Ecuador: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

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Meerechse (Amblyrhynchus cristatus), Unterart der Insel Isabela, Puerto Villamil, Galapagos , Unesco Welterbe, Ecuador,
Zu Ecuador gehören die berühmten Galápagosinseln mit ihrer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt. Unter anderem die Meerechse gibt es nur dort. © Ingo Schulz / IMAGO

Ecuador gehört zu den kleinsten Staaten Südamerikas. Trotzdem überrascht das Land zwischen dem Pazifischen Ozean im Westen, den zentral gelegenen Anden und den Amazonas-Regenwäldern im Osten mit abwechslungsreichen Landschaften und einer unglaublichen Artenvielfalt. Die Lebensbedingungen sind in vielen Gegenden Ecuadors nicht einfach. Die Geografie des Landes, die Demografie der Bevölkerung und die schwache Wirtschaft sind die Herausforderungen der ecuadorianischen Politik.

Quito – Mitten in den Anden liegt die ecuadorianische Hauptstadt Quito. Die dort sitzende Regierung muss es schaffen, ein Land der Unterschiede und Diversität auszubalancieren. Weil die Wirtschaft schwach, das Land nicht überall sicher und zu wenig Arbeit da ist, lebt etwa ein Fünftel der Ecuadorianer im Ausland.

Ecuador: Staat am Äquator

Ecuador liegt direkt am Äquator. Davon leitet sich auch der Name des Landes „Ecuador“ ab. Die Hauptstadt der präsidentiellen Republik Ecuador ist Quito. Die Andenstadt befindet sich auf einer Höhe von 2.850 Metern über dem Meer. Im Norden des Landes grenzt Ecuador an Kolumbien und im Osten und Süden an Peru. Im Westen liegt der Pazifik.

Der südamerikanische Staat ist ein Land der Gegensätze. Von der Küstenlinie, zahlreichen vorgelagerten Inseln über die Andenkette bis hinab in die Regenwälder erstreckt sich dieses kleine Land, das nur wenig größer ist als Großbritannien. So vielfältig wie die Landschaften sind auch die Vegetationszonen, das Klima und die Tierwelt.

Der Staat Ecuador: Vielseitige Geografie

Wer in Ecuador unterwegs ist, kann innerhalb weniger Hundert Kilometer Luftlinie ganz unterschiedliche geografische und klimatische Zonen erleben. Aufgrund von Beschaffenheit und Lage lassen sich vier Landzonen abgrenzen: Costa, Sierra, Oriente und Galápagos.

Klimatisch bestehen riesige Unterschiede zwischen den Zonen. Das betrifft sowohl die Menge der Niederschläge als auch die durchschnittlichen Tages- und Nachttemperaturen. Oft liegen nur wenige Kilometer zwischen zwei Klimazonen. In der Hauptstadt Quito sind diese Unterschiede sogar zwischen den Stadtgrenzen im Süden und Norden spürbar.

Mildes Ecuador: Die Costa-Zone

Der Begriff Costa leitet sich vom spanischen Wort für „Küste“ ab und bezeichnet einen Streifen von etwa 500 Kilometern Länge und bis zu 200 Kilometern Breite direkt an der Pazifikküste. Fruchtbare Schwemm- und wellige Hügellandschaften mit bis zu 800 Höhenmetern bieten optimale Lebensbedingungen. Etwa die Hälfte der Ecuadorianer lebt in der Costa-Zone.

Die Sierra-Zone: Das extreme Ecuador

Der Name dieser Zone leitet sich vom spanischen Wort „Sierra“ ab – Gebirge. Sie besteht aus zwei langgestreckten Gebirgszügen und einem auf einer Höhe von 1.800 bis 3.200 Metern dazwischen liegenden Hochtal. Es ist etwa 500 Kilometer lang und im Schnitt 25 Kilometer breit. Knapp 40 Prozent der Ecuadorianer lebt in diesem Hochtal „altiplano“.

Der höchste Berg Ecuadors ist der Chimborazo mit 6.263 Metern. In den beiden Gebirgsketten des Sierra gibt es 55 Vulkane, wovon elf aktiv überwacht und drei als gefährlich eingestuft werden.

Artenreiches Oriente im Osten Ecuadors

Dieser im Osten (Oriente) gelegene Teil Ecuadors ist der größte Landstrich und Teil des Amazonasbeckens. Die Zone ist von dichten Regenwäldern bedeckt und nur sehr schwach besiedelt. Einen direkten Zugang zum Amazonas hat Ecuador heute nicht mehr.

Ecuadors Inseln: Berühmtes Galápagos

Die Galápagosinseln gehören zu Ecuador, liegen aber im Schnitt etwa 1.000 Kilometer vor der Küste des Landes. Weil nie eine Landbrücke zum Festland bestand, hat sich eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt entwickelt.

Ecuadors unvergleichliche Natur

Ecuador gilt unter Biologen als das artenreichste Land der Erde. Diese Artenvielfalt ist auf die vier unterschiedlichen Zonen zurückzuführen. Eine wichtige Rolle spielt der Regenwald im Osten, der wahrscheinlich noch viele bis heute unentdeckte Tierarten beherbergt.

Die Gebirgsregion, die das Land zwischen Norden und Süden durchzieht, ist eine natürliche Grenze für die Ausbreitung vieler Arten. Die Tierwelt westlich der Sierra ähnelt der im Chocò Kolumbiens. So kommen der Bairds-Tapir und der Greifschwanz-Lanzenotter nur auf der Pazifikseite vor. Im äußersten Osten dieser Zone – an den Berghängen der Sierra – lebt der seltene Bergtapir, dessen Weltbestand heute unter eintausend Tieren liegen soll. Er ist das Maskottchen des ecuadorianischen Tierschutzes.

Des Weiteren finden sich in Ecuador:

Auf den Galápagosinseln leben wenige, aber dafür nur dort heimische Tierarten wie bestimmte Meerechsen, Landleguane und die bekannten Riesenschildkröten.

Ecuador: Geschichte zwischen den Inkas und Spanien

Über die frühe Geschichte Ecuadors ist wenig bekannt. Lange Zeit war das Land von den indigenen Ureinwohnern bevölkert, bis die Inkas im 15. Jahrhundert das gesamte Land eroberten und vereinten. Schon zu Beginn des 16. Jahrhunderts übernahmen die Spanier die Regentschaft und gründeten eine Kolonie. Im Jahr 1821 erkämpfte sich das Land die Unabhängigkeit von Spanien, gehörte dann aber noch bis 1830 zu Großkolumbien.

Auch danach kehrte in Ecuador nie Ruhe ein. Instabile politische Gefüge, Staatsputsche und Bürgerkriege hielten die Bevölkerung in Atem und verhinderten eine positive Entwicklung von Bildung und Wirtschaft. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts entspannte sich die Lage dank einer ersten radikalliberalen Regierung.

Ecuador war das erste südamerikanische Land, das Frauen ein Wahlrecht gewährte. 1925 ging mit Matilde Hidalgo eine Ecuadorianerin als erste Frau Südamerikas zur Wahl. Seit 1967 herrscht Wahlpflicht für beide Geschlechter, wobei Voraussetzung ist, dass die Wählenden Lesen und Schreiben können sowie volljährig sind.

Staat Ecuador: Politik der Neuzeit

Heute gilt Ecuador als politisch einigermaßen stabil, erreicht aber im Demokratieindex nur mittlere Werte. Die Präsidialrepublik ist eine repräsentative Demokratie und folgt einem Mehrparteiensystem. Exekutive, Legislative und Judikative sind getrennt, wobei Korruption und der Einfluss des Militärs immer wieder für Probleme sorgen. Das Wahlrecht und die recht unterschiedlichen Bedürfnisse der Menschen in den beiden wichtigsten Lebenszonen Sierra und Costa sorgen für wechselnde Präsidentschaften und den Mangel an einem Zukunftskonzept in Ecuador. Trotzdem gilt das Land als offen im Hinblick auf Pläne zum Klimaschutz, kann aber aufgrund der schwachen Wirtschaft auf keine Form des Einkommens verzichten.

Staat Ecuador: Demografie der Bevölkerung

Der Staat Ecuador hat etwa 17 Millionen Einwohner. Die meisten davon leben in den großen Städten des Landes. Landstriche wie das Oriente sind dagegen nur sehr dünn besiedelt. Das Durchschnittsalter ist mit etwa 26 Jahren um 20 Jahre geringer als in Deutschland. Knapp ein Drittel der Bevölkerung ist unter 15 Jahre alt.

Die Zusammensetzung der ethnischen Gruppen in Ecuador lässt sich schwer in Zahlen fassen. Sie besteht aus der indigenen Bevölkerung, den direkten Nachfahren der eingewanderten Europäer und Afrikaner und Menschen, die aus gemischten Familien hervorgegangen sind – den sogenannten Mestizen. Schätzungen zufolge leben in Ecuador heute zu je etwa 40 Prozent Indigene und Mestizen. Die restlichen 20 Prozent teilen sich zu gleichen Teilen Nachfahren der europäischen und afrikanischen Einwanderer. Für Europa waren das vor allem Spanier. Ecuador erfährt sehr viel Zu- und Abwanderung. Etwa ein Fünftel der Ecuadorianer lebt im Ausland. Im Inland sind etwa 2,5 Prozent der Bevölkerung Ausländer aus Kolumbien, den USA, Peru und Chile.

Amtssprachen sind Spanisch und Kichwa. Mit rund 70 Prozent ist die römisch-katholische Kirche bei den Religionen am stärksten vertreten. Aber auch die traditionellen indigenen Religionen haben weiterhin viele Anhänger.

Der Staat Ecuador: Wirtschaft unter Druck

Die ecuadorianische Wirtschaft ist schwach, das Pro-Kopf-Einkommen niedrig und die wirtschaftliche Ungleichheit sehr groß.

Eines der wichtigsten Exportgüter ist Erdöl. Förderung und Verkauf sind unverzichtbar, bringen die Umweltpolitik des Landes aber immer wieder in die Kritik. Neben Erdöl handelt Ecuador vor allem mit Bananen, Fischereiprodukten, Garnelen, Metallwaren und Blumen. Der Tourismus gewinnt zunehmend an Bedeutung.

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