EHEC und die Sprossen-Spur: Was Sie nun wissen sollten

Bienenbüttel - Ist die heiße Sprossen-Spur zu den EHEC-Erregern wieder erkaltet? Kann man wieder Gurken und Tomaten essen? Was Verbraucher jetzt wissen sollten.

Die ersten 23 von 40 Sprossen-Proben aus dem Gärtnerhof in Bienenbüttel (Kreis Uelzen) sind EHEC-frei, teilte das niedersächsische Verbraucherministerium am Montag mit. Doch das ist noch keine Entwarnung! Die Suche nach dem Killerkeim gestalte sich als schwierig, weil seit dem Ausbruch der Epidemie Anfang Mai bereits mehrere Wochen vergangene seien. Daher seien weitere Untersuchungen zwingend nötig.

Parallel zu den Untersuchungen im Labor werden nun auch die Vetriebszweige des Bio-Hofes unter die Lupe genommen. Nach Informationen der Bild sollen die Keimsprossen aus China nach Deutschland gekommen sein. Demnach seien Azuki-Bohnen aus asiatischer Saat als Bestandteil der verdächtigen „Milde Sprossen-Mischung“ dort verarbeitet worden. Vor mehr als zehn Jahren erkrankten in Asien etwa 10 000 Menschen an EHEC, ausgelöst durch Sprossen. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr rät unterdessen den Bürgern, neben Gurken, Tomaten und Blattsalaten nun auch Sprossen zu meiden. Was Verbraucher jetzt wissen sollten:

Ist die heiße Spur zu den EHEC-Erregern wieder erkaltet?

Nein. Noch liegen nicht alle Untersuchungsergebnisse vor. Aber: „Wir können nicht sicher sein, ob es die Sprossen wirklich selber sind“, so der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung, Andreas Hensel. Der Mikrobiologe Alexander Kekulé von der Uni Halle hält die Sprossen hingegen für eine plausible Quelle: Sie seien ein typisches Gemüse, das auf vielen verschiedenen Speisen zu finden ist, in ganz Deutschland verteilt wird und über längere Zeit immer wieder Infektionen auslösen kann. „Ein gefährliches Produkt.“

Stammt der EHEC-Erreger aus diesem Bauernhof?

EHEC: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Heißt das Entwarnung für Tomaten, Gurken und Salat?

Nein. Der Erregerherd ist ja noch immer nicht gefunden. Die Sprossen-Spur scheint nur eine, von vielen zu sein.

Hat die Bundesregierung zu schnell vor spanischen Gurken gewarnt?

„Der Erreger ist derart aggressiv, dass wir jeder Spur nachgehen mussten“, wehrt sich Gesundheitsstaatssekretärin Annette Widman-Mauz gegen Kritik an der Informationspolitik von Regierung und Behörden. „Wir hatten den Verdacht, und deshalb war es richtig, die entsprechenden Verzehrempfehlungen herauszugeben. Das sind wir den Menschen wirklich schuldig.“

Ist es Zufall, dass es ein Bio-Produkt getroffen hat?

Vermutlich. Seit drei Jahren beschäftigen sich Mikrobiologen und Ökolandbauforscher mit dem Thema EHEC im Zusammenhang mit Bio-Produkten. Sie konnten keine erhöhten Risiken feststellen.

Und wie kam der EHEC-Keim in die Sprossen?

Sprossen sind eine der wenigen Ausnahmen, bei denen wenige Bakterien im Keim sind. Sie bleiben während des Wachstums in der Frucht und können nicht von außen abgewaschen werden.

Sollten die Sprossen doch die EHEC-Quelle sein – hat die Epidemie dann bald ein Ende?

Mikrobiloge Kekulé: „Wenn wir die Quelle kennen, können wir dann sehr schnell die Epidemie eindämmen.“ Seit Anfang Mai sind bundesweit 1601 Menschen an EHEC erkrankt, 21 Patienten starben. An dem gefährlichen Hämolytisch-Urämischen Syndrom (HUS) leiden inzwischen 630 Personen. 75 Prozent dieser Fälle stammten aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg und Nordrhein-Westfalen. Die gute Nachricht: Die Zahl der Neuerkrankungen ist leicht rückläufig.

tz

EHEC: Die wichtigsten Fragen und Antworten

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Rubriklistenbild: © dpa

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