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Nazi-Gedankengut entfernt: Neue Buchstabiertafel vorgestellt

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Von: Anna Lorenz

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Bereits im Vorfeld heftig diskutiert, stellte nun das Deutsche Institut für Normierung e.V. die neue deutsche Buchstabiertafel vor. Grund der Änderung war vor allem Nazi-Gedankengut.

Berlin – Am 13. Mai stellte das Deutsche Institut für Normierung e.V. (DIN) in Berlin die neue deutsche Buchstabiertafel vor. Die Tafel, bekannt als Teil der DIN 5009 für „Ansagen und Diktieren von Texten und Schriftzeichen“, greift ab sofort auf Städtenamen zurück. Nur das Ypsilon behält seine Sonderstellung – aus schlichter Praktikabilität.

Neue Buchstabiertafel – Realitätsferne und Nazi-Ideologie dank Neuerung aus dem Alphabet verschwunden

Die Gründe dafür, die bisher insbesondere Vornamen nutzende Buchstabiertafel zu ändern, sind vielschichtig. Die ungleiche Namensverteilung – sechs Frauen- standen bis dato 16 Männernamen gegenüber – entsprach laut dpa aus Sicht des Instituts „nicht der heutigen Lebensrealität“. Des Weiteren, so das Institut in seiner Pressemitteilung, sei der Einwurf des Antisemitismusbeauftragten des Landes Baden-Württemberg, Dr. Michael Blume, von großer Bedeutung gewesen.

Dieser hatte darauf hingewiesen, dass im Rahmen des Nationalsozialismus bewusst jüdische Vornamen aus dem Buchstabiersystem entfernt worden waren. Anders herum hatten die Nazis auch Ansagewörter in die Tafel mit aufgenommen, die einen, ihrer Gesinnung entsprechenden Hintergrund mitbrachten. Außerdem sei im Zuge der Neugestaltung darauf geachtet worden, nicht nur bekannte, flüssig und eindeutig aussprechbare Städtenamen zu verwenden, sondern auch ein ausgewogenes Bild zu schaffen, in dem die Bundesländer gleichmäßig repräsentiert würden.

Die neue Buchstabiertafel orientiert sich daher an Städtenamen, die sich überwiegend an den bekannten deutschen Kraftfahrzeugkennzeichen orientieren. „Zum ersten Entwurf der Buchstabiertafel haben wir aus der Öffentlichkeit viele gut begründete Kommentare insbesondere zu den Ansagewörtern erhalten“, so Eberhard Rüssing, Obmann des zuständigen Arbeitsausschusses. Obwohl dem Anspruch einer gleichmäßigen Verteilung der Ansageworte auf die Bundesländer aufgrund des gänzlichen Fehlen Bremens nicht vollends Genüge getan wurde, zeigt sich das Institut zuversichtlich. Auch andere europäische Länder hätten mit einem städtebasierten System laut DIN gute Erfahrungen gemacht.

Neue Buchstabiertafel: Städtenamen als Standard, zwei Streichungen und eine Ausnahme für das „Y“

„Städtenamen sind sehr eingängig und, anders als Vornamen, nicht der Mode unterworfen“, so das Komitee des DIN, dessen Arbeitsausschuss Experten aus den Bereichen Wirtschaft, Bildung und öffentlicher Hand angehören. Betont wurde vor allem das rege Interesse der Öffentlichkeit mitsamt der eingegangenen Vorschläge, das in den Prozess mit einbezogen worden sei.

Die neue Buchstabiertafel «für Wirtschaft und Verwaltung», die das Deutsche Institut für Normung (DIN) am 13.05.2022 in Berlin veröffentlicht hat. Buchstabiert wird künftig von A wie Aachen bis Z wie Zwickau. Die DIN 5009 für «Ansagen und Diktieren von Texten und Schriftzeichen» greift jetzt durchgehend auf Städtenamen zurück. (zu dpa «Ohne Nazi-Bezüge: Neue Buchstabiertafel von Aachen bis Zwickau»)
Die neue Buchstabiertafel nutzt großteils Städtenamen. © picture alliance/dpa/DIN | -

Die wohl auffälligste Neuerung ist prima facie der Austausch der Umlaut-Betitelung. Hieß es bisher „Ä wie Äpfel“, „Ö wie Ökonom“ und „Ü wie Übermut“, sieht die Buchstabiertafel nun vor, den Umlaut zum entsprechende Buchstaben zu nennen. Grund ist laut DIN die Unbekanntheit bzw. Inexistenz entsprechender Städte. Eine Geographie-Stunde bietet das neue System jedoch trotzdem all jenen, denen beispielsweise „Quickborn“, „Ingelheim“ oder „Salzwedel“ – allesamt im Segment zwischen 20.000 und 30.000 Einwohnern angesiedelt – nicht geläufig sind. Weiterhin wurden das „Sch wie Schule“, sowie das teils noch genutztes „Ch wie Charlotte“ gestrichen. Lediglich das „Y“ bleibt weiter „Y wie Ypsilon“, daneben fand auch das „ß“ als „Eszett“ erneut Eingang in die jüngste Version des Buchstabieralphabets.

Inwieweit sich die neue Tafel durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Unabhängig davon, so berichtet dpa, sei das Institut aber entschlossen, symbolisch zusätzlich eine weitere Tafel zu veröffentlichen, die auf die Weimarer Republik zurückgeht und jüdische Vornamen enthält. Problematisch sollte das nicht sein, denn verbindlich ist das neue Buchstabieralphabet, das „für Wirtschaft und Verwaltung“ gedacht ist, grundsätzlich nicht – insbesondere auch das internationale Buchstabiersystem, allgemein als „Alpha-Bravo-Charlie“ bekannt, wird gern genutzt. (askl mit dpa)

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