+
Dieses Bild entstand beim Festival Lollapalooza in Berlin.

Das sagt die Wissenschaft 

Das Einhorn fasziniert uns - obwohl wir falsche Vorstellungen haben

  • schließen

Mit Einhörnern lässt sich Geld machen. Sie sind auf Jutebeuteln, Kondompackungen, neuerdings auf Schokoladentafeln und Duschgelflaschen gedruckt. Experten sagen, wieso uns die Fabelwesen faszinieren - obwohl wir eine falsche Vorstellung von ihnen haben.  

Die Drogeriemarktkette dm hat im November ein Duschgel in die Regale gestellt, das Regenbogen-Dusche heißt. Es soll nach Wölkchen und Sternchen duften - mit anderen Worten: aufdringlich süß. Auf der pastellfarbenen Flasche tänzelt ein Comic-Einhorn auf den Hinterhufen über einen Regenbogen. Die Kundinnen sind hingerissen, drapieren das Duschgel auf weißen Spitzendeckchen, Bettlaken und flauschigen Teppichen und laden das Bild wie eine Trophäe auf Instagram hoch. 

Die Begeisterung für Einhörner nutzen auch andere Unternehmen aus. Ritter Sport hat eine Sorte aus weißer Joghurt-Schokolade mit Beerenstückchen entwickelt. Nicht wegen des neuen Geschmacks, sondern wegen der Packung mit Einhorn und Regenbogen hatten euphorische Kunden den Onlineshop des Herstellers lahm gelegt. Ritter Sport versprach: Es gibt Einhorn-Schoko-Nachschub, aber nicht für jeden. Im Handarbeits-Onlineshop DaWanda steht das Einhorn in der Rangliste der beliebtesten tierischen Suchbegriffe auf Platz fünf - hinter der Eule, der Katze, dem Fuchs und dem Panda. Wieso faszinieren Einhörner die Menschen seit der Antike? 

Ein von Kathrin (@kaeselotti) gepostetes Foto am

Und hat es das Einhorn wirklich gegeben? Wieso stellen wir sie uns mit Sternenschweif und Regenbogenmähne vor? Warum sind uns Einhörner auf Pullis und Taschen nicht peinlich - obwohl wir doch nicht mehr acht Jahre alt sind? Über diese Fragen haben ein Historiker, eine Religionswissenschaftlerin und ein Zoologe diskutiert. Wir kramen die erhellenden Zitate aus der SWR2-Radiosendung Forum vom vergangenen Jahr daher noch einmal heraus.   

Religionswissenschaftlerin: Menschen haben ein „Bedürfnis nach Wiederverzauberung“

Die Leipziger Religionswissenschaftlerin Christiane Königstedt denkt, die Einhorn-Faszination möge tatsächlich ein „Bedürfnis nach Wiederverzauberung“ sein. Einer „als zu kalt wahrgenommenen Realität“ werde wieder „ein bisschen Zauber hinzugefügt“. Das seien Schlüsse, die aus Äußerungen verschiedener Leute gezogen werden könnten - nicht nur von Leuten aus der Esoterikszene. Schauen wir uns zum Beispiel Kommentare unter den YouTube-Videos zum Fantasy-Film „Das letzte Einhorn“ an, stellen wir fest, wie sehr beglückt die Zuschauer sind, bemerkt Königstedt. Die Zuschauer schreiben, dass sie die „Momente der Sentimentalität, der fast kitschigen Romantik“ sehr genießen. 

Historiker: Heute werden dem Einhorn nur positive Eigenschaften zugeschrieben

Der Freiburger Historiker Winfried Hagenmaier gehört zu den Menschen in Deutschland, die sich am besten mit der Geschichte der Einhörner auskennen. Er hat das festgestellt, was wir vermutet haben: dass sich Frauen mehr für Einhörner interessieren als Männer. Zoologe Josef H. Reichholf aus Neuötting begründet dies mit der allgemeinen Pferdebegeisterung von Frauen und Mädchen. Daher sei es nur logisch, dass man einem Pferd nur ein Horn aufsetzen müsse - und fertig sei das ideale Tier für Mädchen und junge Frauen. Denn mit diesem Horn, werde das Tier verklärt, mystifiziert, sagt der Zoologe. Hagenmaier ergänzt, dem Einhorn schrieben die Menschen heute nur gute Eigenschaften zu. Es sei ein Wesen, das den Menschen nichts Böses wolle. Früher wurden dem Einhorn auch schlechte Eigenschaften, eine Verbindung zum Teufel nachgesagt. Abbildungen des Einhorns kennen wir von Gemälden, Bildteppichen, Wappen und Büchern.    

Der Zoologe geht weit zurück zu den sogenannten alten Griechen und deren Beschreibungen. Denn das Einhorn habe eine Evolution in die verschiedensten Formen durchgemacht - „man könnte auch sagen: Verkleidungen“. Damals sei es in der Vorstellung ein Tier mit weißem Fell gewesen, das etwa die Größe eines Pferdes hatte, das ein gerades oder leicht geschwungenes Horn trug, das schnell wie der Wind war, das sich nicht fangen ließ. 

Das wahre Einhorn hat anders ausgesehen, als wir glauben

Der Lyriker Rainer Maria Rilke nannte das Einhorn interessanter Weise „das Tier, das es nicht gibt“. Die Frage nach der Existenz von Einhörnern beantwortet der Zoologe Reichholf in der Diskussionsrunde so: „Ich bin mir ganz sicher, dass das Einhorn - wie jedes Fabeltier, weil es fabelhaft verändert wurde - nicht in dieser Form existiert, aber ein reales Tier als Vorbild hat.“  

Im März 2016 verblüffte eine Meldung die Einhorn-Fangemeinde: „Endlich der Beweis Einhörner gibt es wirklich!“ Forscher fanden in Kasachstan den Schädel eines echten Einhorns. 29.000 Jahre alt. Die echten Einhörner sahen den Berichten zufolge wie klobige, große Nashörner aus (hier sehen Sie eine Zeichnung) - also nicht wie ein gehörntes, schlankes Pferd. 

Video: Ritter Sport bringt Einhorn-Schokolade raus - und die Kunden flippen aus

sah

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Ältestes Plesiosaurier-Skelett entdeckt
Bonenburg (dpa) - Wissenschaftler haben in Bonenburg bei Paderborn das älteste bekannte Fossil eines Plesiosauriers entdeckt. Das Tier habe vor rund 201 Millionen Jahren …
Ältestes Plesiosaurier-Skelett entdeckt
„Bares für Rares“: Erotische Frauen machen Anne glücklich
Bei „Bares für Rares“ werden oftmals skurrile Antiquitäten vertickt. Diesmal ließ das Mitbringsel von Anne (62) im wahrsten Sinne des Wortes tief blicken.
„Bares für Rares“: Erotische Frauen machen Anne glücklich
Zwei Tote, vier Verletzte: Frontal-Crash im Gotthard-Tunnel
Ein Auto mit deutschem Kennzeichen kommt im Schweizer Gotthardtunnel von der Spur ab und prallt frontal gegen einen Lkw. Zwei Menschen sind tot, vier verletzt. Nach …
Zwei Tote, vier Verletzte: Frontal-Crash im Gotthard-Tunnel
Gymnasiast in Stockholm ersticht Mitschüler
Ein Gymnasiast hat in Stockholm einen Mitschüler mit einem Messer erstochen.
Gymnasiast in Stockholm ersticht Mitschüler

Kommentare